"Metal: A Headbanger's Journey" ist der Versuch eines Fans, den Zuschauern seine Musik nahezubringen. Mit dem Ergebnis, dass letztlich vor allem Klischees ohne Ende zelebriert werden. Metal ist in diesem Film genau das, wofür es der Metal-Verächter hält, nämlich abseits der alten Recken wie Tony Iommi, Lemmy, Dio, Bruce Dickinson und Dee Snider (Slayer und Slipknot sind noch als härtere Kandidaten vertreten) vor allem eine prollige biergeschwängerte männliche Festivalkultur, in der man sich verstanden und irgendwie rebellisch fühlt, und schließlich am Rande der Szene ein paar verabscheuungswürdige Kirchenanzünder und Splatterbildchen-Fans.
Black Metal und Death Metal werden in diesem Filmchen überhaupt nicht als Musik wahrgenommen (und auch kaum richtig geordnet, wenn man z. B. sieht, dass die britische Band Cradle of Filth in einer animierten Übersicht innerhalb des Films unter "Satanic Norwegian Black Metal" auftaucht). Über die Musik an sich verliert der Autor, möglicherweise auch mangels musiktheoretischer Kenntnisse, ohnehin kaum ein Wort (die Charakteristik und Bedeutung von Riffs und Soli kommt so gut wie gar nicht zur Sprache, statt dessen werden die traditionellen weitschweifigen Anknüpfungen wie etwa zum Blues als Musik der Unterdrückten angedeutet) und bei Black und Death Metal ist nur noch von den altbekannten medienkompatiblen Skandalen die Rede. Ein Interview mit zwei indisponierten Mayhem-Mitgliedern dient keinem redlichen journalistischen Anliegen, sondern nur der Belustigung des Publikums, Sinn dieser Szene vermutlich: Distanzierung von Extremen und Fokussierung auf den wahren althergebrachten Metal, in dem alles von wegen Satan, Gewalt und Tod gar nicht so gemeint ist, wie ein altersmilder Alice Cooper mitzuteilen weiß. Ein zurückhaltender norwegischer Pfarrer darf betroffen machend mitteilen, wie seine Kirche abgebrannt ist. Ein geschichtlich bewanderter und unvoreingenommener Interviewer müsste nun - ähnlich wie Grutle Kjellson von Enslaved im Film andeutet - fragen, wie sich wohl ein heidnischer Priester des mittelalterlichen Nordeuropa gefühlt haben wird, als fanatische christliche Missionierer, unter anderem viele der heute so genannten Heiligen, die germanischen Heiligtümer zerstört bzw. zerstören lassen haben. Was hier nicht als Legitimierungsversuch, sondern nur als notwendige Hintergrundanmerkung zu verstehen ist. So weit wird in diesem Film jedoch nicht gedacht, dessen Autor im Umgang mit den extremen Richtungen des Metal sichtlich überfordert ist und der mit scheuer Betroffenheit einem sehr wortkargen Gaahl von Gorgoroth gegenübersitzt, der dem braven christlichen US-Traditions-Metalhörer, d. h. der Zielgruppe dieses Films, als Schreckgespenst präsentiert wird.
Darüber hinaus ist das Bild, das Sam Dunn von Entwicklung und derzeitigem Stand des Metal zeichnet, offenbar vor allem davon geprägt, wer ihm als Interviewpartner zur Verfügung stand. Gerade für einen amerikanischen Metalfan nimmt es sich verwunderlich aus, dass Metallica zwar auf der Musikspur angespielt, jedoch nicht namentlich genannt werden. Manowar sind als Muskelbild zu sehen, ihr Name ist jedoch nicht zu hören. Was ganz fehlt, ist der Bereich des Gothic Metal mit Namen wie etwa Nightwish, ebenso wie der Progressive Metal, abgesehen davon, dass Geddy Lee von Rush was sagen darf, aber ohne dass man erfährt, was für einer Szene er angehört. Das Fehlen des Prog-Metal ist aber auch symptomatisch dafür, dass hier kaum auf die instrumentaltechnischen Ansprüche des Metal sowie auch auf experimentell veranlagte Bands, die komplexen musikalischen Strukturen vieler Formationen sowie die virtuosen Texter wie etwa Dani Filth eingegangen wird. Metal bleibt immer die anspruchslose Wohlfühlmusik für den Feiertagsrebellen aus der Arbeiterschicht. Es ist natürlich verständlich, dass Dunn die fehlenden Musiker nicht alle interviewen konnte, aber angesichts des Anspruchs des Films, eine Art Metal-Einführung zu bieten, klaffen doch große Lücken, wenn sie nicht mal erwähnt werden. Das Gesamtbild bleibt recht unvollständig und wer Metaller für im großen und ganzen vergleichsweise einfach gestrickte Musikfans hält, wird in diesem Film wohl leider eine Bestätigung seiner unzutreffenden Ansicht sehen.