Review

Ich hatte ja vor einiger Zeit einen wunderbar-grauenhaften Abend mit dem 1992er Independent-Filmversuch „Winterbeast“, der sich in gewissen Kreisen zu einem Kultfilm entwickelt hat, allein weil er so imbezil schlecht gemacht war, aber wahnsinnig knuffige Claymation-Stopmotion-Creatures am Start hatte.

Zu meiner großen Überraschung hab ich jetzt unter irgendeinem Busch (na gut, irgendein obskurer YT-Kanal) die 1986er Spätlese „Mutilations“ ausgegraben, nachdem der Hund dran gescharrt hat und der hat sogar seinerzeit (Anfang der 90er) sogar ein VHS-Release in den Staaten bekommen, was bei einer sportlich gestreckten Laufzeit von 68 Minuten durchaus beachtlich ist.

Weil der Standbildcheck ganz appetitlich verlief, bin ich der Chose auf den Leim gegangen, hab dann allerdings später erst gelesen, dass die Produktion hauptsächlich deshalb so professionell aussieht, weil die Macher irgendwo eine echte Filmkamera aufgestöbert hatten und daher schon mal Optik wirken lassen konnten. Unabhängig von sonstigen Talenten oder deren Abwesenheit.

„Mutilations“ ist wirklich eine „labour of love“, hier haben sich ein paar Leute mit einer Idee zusammengeschlossen, die das Werkzeug besaßen, aber leider nicht das Talent und das führt immer zu kuriosen Ereignissen.

Worum es geht: Irgendwo in Oklahoma fährt ein Astronomieprofessor namens Jim McFarland mit seinen sechs Opfern, äh, Studenten auf einen „field trip“ in die ländliche Gegend, weil es dort immer mal wieder zu Viehverstümmelungen kommt (die besagten „Mutilations“), die natürlich untersucht werden müssen. Man besucht also die Landbevölkerung in einem Diner (Burger oder nicht Burger, das ist hier die Frage!) und fährt dann in die betreffende Region, wo denn auch bald ein Raumschiff vom Himmel schwebt /halb crashlandet, aus dem dann fratzige Claymation-Aliens steigen, die eben auch die Menschen für eine Art von essbarem Vieh halten.

Das klingt jetzt in einen Absatz gefiltert wesentlich sportlicher als es in 68 Minuten dann wirklich ausfüllt. Das erste und schlimmste Problem des ersten Drittels ist: es gibt noch keine FX, aber die Figuren müssen reden. Und das tun sie. Sehr ausführlich.

Ja, hier hat jemand erklärenden Dialog geschrieben und der wurde von den braven Amateurdarstellern – die wie ich zugeben muss, zumindest optisch gut ausgesucht sind – auswendig gelernt und wird nun ungekürzt wiedergegeben, nicht wirklich monoton, aber eben ohne die notwendige Gesprächsdynamik, ohne Trimmung und mit viel zu wenig Schnitten, wenn denn außer Reden schon sonst nichts passiert.

Also wird im Klassenraum geredet, dann wird auf der Fahrt geredet und theoretisiert und dann kommen die Farmer im Diner dazu, die auch alle noch eine ziemlich wortreiche Story von sich geben dürfen, während den Studis die Lust auf Hamburger und Fries vergeht.

Der letzte Besuch bei einem Betroffenen auf der Farm geht dann auch enorm schief, als das bunte Spielzeugraumschiff landet und Studis, Profs und Farmer in einem halb zusammen gebrochenen Farmhaus von draußen attackiert werden.

Von da an ist der Film eine simple Verfolgungsjagd mit einigen zahmen Splatterszenen, wobei ich die Szenen in dem nach und nach zerbröselnden Farmhaus wirklich noch loben kann für Amateurarbeit. Später verlagert sich das Ganze dann in unterirdische Schwarzbrennertunnel und dann in Felsenhöhlen unter dem Grundstück und dort haben die Macher nicht mal ansatzweise versucht, anzutäuschen, dass es sich wirklich um eine Höhle handelt, es ist – auch dank der Entscheidung, die Sets besser gut auszuleuchten – eindeutig aufgeklebtes Pappmaché-Set (geknüllt und eingefärbt), welches man immer und immer wieder durchquert.

In Sachen Plot passiert nicht allzu viel, außer dass die Studis nach und nach einreduziert werden, vornehmlich wird ihnen jegliche Körpersubstanz über die Saugklauen der Aliens abgezapft, aber es wird auch mal jemand durch eine Tür durchbohrt, das sorgt dann für das nötige Wachbleiben

Kommen wir zu den Aliens, die ein wenig wie uniformierte Echsenkrieger gestaltet sind. Anfangs sieht man immer nur ihre Füße und Waden, was überdeutlich zwei Modelle sind, die mit einem Stock von oben aufgesetzt werden, denn kein lebendiges Wesen könnte so laufen und bei der Geschwindigkeit würden die von einem Koala überholt werden. Später in den Höhlen bekommt man sie dann – reichlich – zu sehen, allerdings waren die Macher eben keine absoluten Könner, was das Einfügen von Stop-Motion-Effekten in belichtetes Bildmaterial angeht. Man sieht dann in Kampfszenen häufiger mal, dass da Claymation vor einem Filmstreifen bewegt wird und die Interaktion der Darsteller und Aliens ist auch kaum detailliert ausgefallen, aber für Amateure bietet der Film damit dennoch einiges zu schauen an.

Ansonsten: sehr, sehr langsame Aliens, denen die Charaktere schon kreuzdoof entgegen kommen müssen, um zu sterben und die natürlich eine Achillesferse haben, nämlich in diesem Fall helles Licht aus einer Taschenlampe.

Ich weiß nicht recht, ob ich die Darsteller wirklich erwähnen sollte, auf jeden Fall ist McFarland eine kuriose Gestalt, die arge Probleme mit der Dramatik von Situationen hat und dessen mechanische Textwiedergabe nicht gerade beruhigend als Autoritätsperson wirkt. Noch schlimmer ist die sich ihm angeschlossene Kollegin, die dann seine „Sekretärin“ sein soll: hier passen die mimischen Reaktionen selten zum Geschehen, man chargiert überemotional und baut dann noch so eine Art Beinahe-Love-Story ein. Die ganzen Studenten sind komplett beliebig, am lustigsten waren noch die Kneipen-Hillbillys, die am Ende als Kavallerie gar nicht erst versuchen, zu schauspielern, weil sie ja ballern dürfen.

Also 68 Minuten, die man getrost um einige Minuten „talking heads“ hätte erleichtern können, aber die Darsteller wollten sich sicher auch mal sehen im fertigen Film, da wurde dann nicht ganz so arg getrimmt.

Ich honoriere aber, dass es hier selten Totalausfälle, monströse Anschlussfehler und ganz viel Mühe bei der tricktechnischen Umsetzung gegeben hat. Haltet also den Finger auf der Vorspultaste, aber beachtlich für Laien ist das schon. (3/10)














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