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Wenn man Jürgen Klinsmann glauben kann, dann gibt es in der strittigen Torhüterfrage bei der Fußball-Nationalmannschaft eine „1B“. Überträgt man dieses Bild auf eine Filmebene, kann man von „The Mechanik“ auch als 1B-Film sprechen. Bezogen auf das Budget, den Plot und die Darsteller ist „The Mechanik“ sicherlich ein B-Movie. Schon die Produktionsfirma Nu Image ist spezialisiert auf diese Art von Filmen. Betrachtet man den Film aber vorurteilsfrei, ist man überrascht, denn er sieht wirklich gut aus. Nichts an dem Streifen wirkt billig. Insofern kann man vor Dolph Lundgren nur den Hut ziehen. Der Actionhüne spielt in „The Mechanik“ nicht nur die Hauptrolle, sondern lieferte auch gleich die Story und hatte als Regisseur die Fäden in der Hand. Dass dabei ein so guter Film herausgekommen ist, konnte man als geneigter Zuschauer nicht unbedingt erwarten. Vor allem dann nicht, wenn man Lundgren zusammen mit Jean Claude Van Damme, Steven Seagal oder Chuck Norris in eine Schublade mit der Aufschrift „gealterte Actionhelden von damals“ steckt.

Zwar ist auch an Lundgren die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen, doch er gibt den Actionhelden immer noch glaubhaft. Auch seine Schauspielkunst ist über die Jahre gereift. So kann er auch in emotionaleren Momenten überzeugen. Die genannten „Kollegen“ haben in dieser Hinsicht nicht zugelegt (Seagal hat woanders zugelegt). Natürlich ist „The Mechanik“ ein Lundgren-Vehikel, doch wer will ihm das verdenken? Schließlich mußte er in seiner bewegten Karriere oft genug in schlechten Filmen anderer Regisseure seine Muskeln spielen lassen. Hier sorgt er selbst dafür, dass der Film, in dem er rumballert etwas taugt! Und auch dies macht er, wie schon eingangs beschrieben gut. Die Story ist zwar simpel und geradlinig, aber auch fesselnd und unterhaltsam. Die anderen Schauspieler machen ihre Sache auch überzeugend und die Action wirkt immer gekonnt, hochwertig und ist stellenweise auch sehr hart. Doch etwaige Brutalitäten wirken nie aufgesetzt, sondern folgen aus dem Geschehen des Plots. Dolph Lundgren scheint die Regie im Blut zu liegen, denn was er aus dem sicherlich schmalen Budget gemacht hat, wirkt vergleichsweise edel. So wurde zwar in Russland gedreht, doch an den gezeigten Effekten wurde nicht gespart. So hat der Film wirklich eine hochwertige Mainstreamoptik erhalten, die man sich auch bei einem Hollywoodactioner vorstellen könnte. Überhaupt wäre es auch vorstellbar, dass der Film so wie er ist ins Kino gekommen wäre, wenn ein aktuell angesagter Krawallbruder, wie z.B. Vin Diesel oder The Rock die Hauptrolle gespielt hätte. Ob dies den Film besser gemacht hätte, soll an dieser Stelle einmal bezweifelt werden!

Um auf den eingangs gemachten „1B“-Vergleich zurückzukommen: Innerhalb des gesamten B-Actiongenres ist „The Mechanik“ aus den genannten Gründen eine Perle und ragt, vor allem aufgrund der hochwertigen Optik, heraus. Insofern ist der Schritt zu einem A-Film nicht mehr groß (und auch nicht immer abgrenzbar). Man wünscht es dem Finnen Lundgren, dass er weiterhin ein so gutes Händchen hat und vielleicht noch einmal als Regisseur und/oder Darsteller im Hollywoodmainstreamactionkino (blödes Wort) Fuß fasst und dieses aufmischt. Nötig wäre es mal...

Fazit:

8/10

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