Review

"Mein alter Schwede! Respekt, Mr. Lundgren!"

Inzwischen reichen die Budgets von Direct-to-DVD-Actionschinken aus dem B-Movie-Sektor zwar an Verhältnisse niedrig budgetierter Hollywood-Streifen heran, doch eines hatten sowohl die Ostblockausflüge von Steven Seagal als auch etliche andere Filme zurückliegender Action-Stars gemeinsam: Statt die Kohle für originelle Drehbücher oder bessere Locations zu verpulvern, ließ man den Rubel in Richtung passabler Explosionen, blutiger Schießereien oder turbulenter Verfolgungen rollen. Das mag nun in der zweiten Regiearbeit von Dolph Lundgren (Silent Trigger) kaum anders sein sein, doch besitzt er genügend Ergeiz und Leidenschaft, um "The Mechanik" nach wesentlich mehr ausschauen zu lassen. Und so überrascht es dann auch, dass der Film keineswegs in der 80er-Jahre-Nostalgiewelle mitschwimmt, sondern vielmehr Erinnerungen an Actioner der 70er Jahre und der Steven McQueen-Ära weckt. Und mit diesem Rezept verfährt Lundgren deutlich besser als Steven Seagal (On Deadly Ground) und Jean-Claude Van Damme (The Quest) mit ihren Regieausschweifungen.

Sieben Jahre ist es her, seit Nicolai Cherenko (Dolph Lundgren), ein ehemaliger russischer Elitesoldat, Frau und Sohn durch ein tragisches Unglück verloren hat. Drogenbaron Sasha (Ivan Petrushinov), der Verantwortliche für den Tod seiner Familie, richtete er kurz darauf samt Bodyguards hin. Mittlerweile lebt Nicolai illegal in den USA als Mechaniker und hat mit der Vergangenheit Frieden geschlossen. Als ihm eines Tages der Job angeboten wird, die Tochter (Olivia Lee) eines reichen Geschäftsmannes aus den Fängen der russischen Mafia zu befreien, lehnt er ab - bis er erfährt, dass der tot geglaubte Sasha hinter der Entführung steckt....

Hier ist Lundgren nicht mehr der einsame Rächer, denn diesmal ist er im Team unterwegs, um die Geisel zu befreien und der Gerechtigkeit genüge zu tun. Der studierte Ex-Punisher bleibt zwar immer noch recht wortkarg und versteckt einige Emotionen, doch kann Lundgren seinen Part der Rolle entsprechend überzeugend verkörpern, was immerhin um einiges mehr ist, was man von Seagal verlangen kann. Ihm zur Seite steht der Brite Ben Cross (Undisputed 2) als versoffener Kontaktmann, Waffenausstatter und Begleitperson. Auch er spielt solide und gibt somit kaum Grund zum Meckern. Den hat man dafür bei dem Obermotz verkörpernden Ivan Petrushinov (Hannibal) umso mehr, da er lediglich den übergewichtigen Klischee-Ostblock-Mafioso spielt der natürlich verdorben bis in die Knochen ist. Olivia Lee (The Number One Girl) macht ihren Job als mit Drogen vollgepumte und zur Prostitution gezwungene Geisel, die im weiteren Verlauf diesem Teufelskreis entrinnt, recht passabel. Auch die Ostblock-Statisten machen ihre Sache ordentlich.

Wer Action nonstop erwartet ist hier zwar an der falschen Adresse, doch dürfte auch für die Härtesten der Harten unter den Action-Junkies kein Weg an "The Mechanik" vorbei führen. Die vereinzelt verstreuten Actionsequenzen sind nämlich die besten, die man zur Zeit im B-Bereich geboten bekommt. Lundgren und Co. entledigen sich ihrer Widersacher recht brutal und mit oftmals derben Methoden. Das Messer kommt hier genauso zur Geltung wie die doppelläufige Schrotflinte, das AK-47, die Beretta oder die 45er Colt-Wumme. Auch der eine oder andere Knochen darf gebrochen werden. Action-Higlights sind somit der Shoot-Out an Burtons Wohnsitz und der überraschend lange Showdown im russischen Kuhkaff. Das Finale wurde schön oldschool-mäßig in Szene gesetzt, und man weiß zu dessen Beginn nicht, wer (außer Lundgren natürlich) diese blutige Schlacht überleben wird. Eingeführt wird das Finale zudem mit einer recht harten Hinrichtung eines Lockvogels, der gleichzeitig noch der Love Interests eines der Team-Mitlgieder ist. Was die Locations angeht, so hat Lundgren hier eindeutig nichts falsch gemacht. Denn im Gegensatz zu "Direct Action", wo Ostblock-Kulissen eine Ami-Metropole doubeln sollen, ist der lokale Handlungsort auch tatsächlich der Ostblock. Außer dunklen Seitengassen bei Nacht, einem ordentlich gestalteten Szene-Club und dem tristen Kuhkaff bekommt man nichts Neues geboten, doch durch die abwechselnde Optik wirds kaum langweilig. Das Kuhkaff mag als finaler Austragungsort auf den ersten Blick simpel und unoriginell erscheinen, doch bietet es genügend Schausplätze und ausreichend Platz für die Action. Bis auf ein paar wenige Hänger in der Mitte bleibt "The Mechanik" zudem durchlaufend spannend, was vor allem Lundgren zu verdanken ist, der nicht auf stylische Bilder, einen hektischen Handlungsablauf und moderne Stilmittel setzt, sondern die Geschichte in einem eher ruhigen Tempo erzählt und auch einigen Charakteren darum genügend Raum einräumt, damit sie neben Lundgren bestehen können. Ganz im Stile der 70er-Actioner mit Steve McQueen, Gene Hackman und Clint Eastwood. Bezüglich dem Score hat man auch gute Arbeit geleistet, da dieser den Film unterstützt, statt nur schmückendes Beiwerk zu sein. Humor sucht man hingegen vergebens, da der Streifen seinem ernsten Ton stets treu bleibt.

Auch wenn "The Mechanik" kaum Selbstironie hat, ohne die heutige Actionfilme kaum noch überleben könnten, so ist er mit Abstand der bisher beste Beitrag aus dem B-Movie-Bereich und ein Zeugnis für Lundgrens tolle Regiefähigkeiten. Außerdem ist er noch ein Film ganz in der Tradition der 70er Jahre, wo es bei Actionern noch nicht auf das blosse Spektakel an sich ankam.

"Russian Connection" eben!

So, das war nun meine Review zu meiner zweijährigen OFDB-Mitgliedschaft!

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