Review
von Leimbacher-Mario
Mechanisch, praktisch, gut
Russische Gangster töten die Familie eines Ex-Speznaz. Der bekommt Jahre später, untergetaucht in den Staaten als Mechaniker, die Chance auf Rache in der einstigen Heimat. Inklusive Rettung einer entführten Millionärstochter samt (bei dem Ziel überflüssigen) „Finderlohn“. Das war’s. Das reicht. Das rockt. Ein fast monochromer Actionkracher, wie sie heute nahezu nicht mehr gemacht werden, 2005 schon langsam rar wurden und die genau zu der Art von Perlen vor den Säuen gehören, wegen denen man damals die schon langsam scheidenden Videotheken abgeklappert hat. Oft genug Dreck durchlitten - sowas entschädigt satt! Eine Art oldschooliger, niedrig budgetierter und humorloser Vorläufer von „John Wick“ oder „Nobody“. Oder das, was die meisten Scott Adkins-Dinger gerne wären. Machokino ohne Kompromisse und Augenzwinkern.
„The Mechanik“ ist einer der besseren Dolph Lundgren-Filme. Ohne Frage, dafür ist dessen Karriere und Alter schon weit und tief genug vorangeschritten, um das in Stein zu meißeln. Grau, geradeaus, (positiv) grausam. Rau und räudig. Aus der Zeit gefallen und mittlerweile eher zeitlos. Ohne Schoner, Handschuhe und Zahnschutz. Lundgren gründlich und ohne Nebengeräusche aufs Gerüst heruntergebrochen. Die russisch-kalte Atmosphäre, gnadenlos tiefe Einschusslöcher und harte Duelle, nicht allzu viel Charakterisierung, aber das Nötigste ist genau da, wo es hingehört. Kaum Farben, keine Gefangenen, keine Gnade. Kein Gramm Fett. Richtig schmierig-fiese Gangster. Der Boss sieht aus wie Orson Welles durch'n Mixer gezogen. Lundgren weiß als Regisseur scheinbar genau, wo es lang geht. Nicht viel schnacken, Schuss in' Nacken. Ostblockromantik. Sowjetpanorama. Lokalkolorit. Splatterwesternvibes. Bulgariens Ballermänner. Rache ist Blutwurst. Kalt wie Wodka. Oder der Winter in Sankt Petersburg. Nastrovje!
Fazit: ein simpel-sympathischer Racheactioner der alten Schule. Besser als die „Mechaniker“ mit Statham und Bronson. Einfach und effektiv, hart und herzlich. „Taken“ für den Mann von gestern?!