"Vergessen Sie nicht, ich bin ausgebildet worden, um nicht besiegt zu werden. Ich nutze jetzt meine Möglichkeiten."
Erst spät zu Ehren und Anerkennung gekommener Actionthriller aus deutschen Landen, nicht der erste Versuch, auch nicht der letzte, die Meisten trotz Bemühung vor und hinter der Kamera beim zahlenden Publikum kläglich gescheitert. Hier als 'ursprünglich konzipierte Version', nicht 'Teil der ursprünglichen Verleihfassung', eine Extended, der Director's Cut, restauriert auf Basis des Originalnegativs; mehr in die Breite und in die Tiefe der Geschichte der Charaktere, mehr in die Vorerzählung und die gesamte Konstruktion:
Der Polizeihauptmeister Karl Simon [ Herbert Knaup ] vom SEK der Polizei Düsseldorf glaubt bei einem Einsatz seinen früheren Freund und Partner Heinz Schaefer [ Hannes Jaenicke ] erkannt zu haben, allerdings gilt dieser seit mehreren Jahren als verstorben. Simon sucht dessen damalige Ehefrau Angelika 'Sunny' Schaefer [ Meret Becker ] auf und informiert auch seine Kollegen wie Bernd Helmer [ Heinz Hoenig ], Hannes Grigull [ Hansa Czypionka ] und Gerd Falk [ Heinrich Schafmeister ] von seinem Verdacht, außerdem wendet er sich Staatssekretär Holger Dessaul [ Thomas Schücke ], mit dessen Frau Melba [ Katja Flint ] er in der Zwischenzeit eine kurze Affäre hat. Dann wird der Politiker entführt.
Seltsamerweise bestimmt eine Einsamkeit den Film, es geht um eine Einheit eigentlich, um Kameraden, theoretisch um ein Team, um mehrere Kollegen, auch um Beziehungen miteinander und außerhalb der Arbeit, am Ende des Tages ist man dennoch blutend im Schusswechsel oder zu Hause und allein. Mit der Szene im Krankenhaus wird auch hier eröffnet, ein Schock, ein Schocker, für die Beteiligten und den Zuschauer, es wird versucht zu trösten, es ist zwecklos und ohne Sinn, man trägt es allein in Gedanken und allein im Gemüt. "Dabei ist es so schön draußen." wird hier gesagt, es sieht nach Normalität aus, es ist kein Alltag. Der Anfang ist der Anfang vom Ende, alles danach hat sich verändert, die Bluttat mehr akustisch als visuell, eindrücklich in der Vorstellung, abstoßend in der Darstellung, der Startschuss für eine desolate Erzählung. Es wird auch geschossen, ja, später, eine Razzia in einem Hotel, das Observieren einer Geldfälscherbande, es wird sich mal konzentriert, mal abgelenkt, es wird gestürmt, die Personen vorgestellt, in Interviews beim Aufnahmegespräch, mehrere Jahre früher. Eine lange Geschichte, viel ist passiert, viel wird geschehen, politisch, gesellschaftlich, menschlich, ab einem gewissen Zeitpunkt hat man fast alles gesehen.
Es gibt unterschiedliche Gründe, verschiedene Motivationen, die Gefahr ist allen bewusst, manche suchen danach, für manche ist es der Höhepunkt, Auge in Auge mit der Gefahr, die Auseinandersetzung mit dem Tod. Durch Türen wird gestürmt, die Wände gestürzt, als Erster geschossen, in all dem Chaos und Krawall die Übersicht bewahrt und nicht verloren. Es wird geschrien, es wird geahnt und geblutet, die Deckung mangelhaft, trotz Überzahl ein Flüchtling. Es wird diskutiert, es wird nicht alles erzählt, es wird vorgetäuscht, ein sensibler Bereich, es wird viel gefragt, die Antworten bleiben aus. "Unterwanderung der organisierten Szene" nennt man das hier, mal wird man lauter, mal präziser, es wird ein Misstrauen ausgesprochen, ein Unvertrauen, in den eigenen Rechtsstaat, selbst die Besoldungsgruppe wird debattiert, es wird ordentlich Terz gemacht, es wird noch in Uniform das erste von vielen Bieren hinter die Binde gekippt, trunken sich selbst verletzt, es wird sich ausgetobt, in der Obrigkeit weiß man mehr, es herrschen verschiedene Klassen, Vorgesetzte und die für die Drecksarbeit. Ein gravierender Unterschied.
Verschwörungstheorien werden schnell aufgestellt und auch bewahrheitet, es wird krakeelt, laut herumgetobt, es ist alles etwas aufdringlich arrangiert, nur Knaup fängt sich wieder, er erkennt die Priorität. Um das eigene Kind wird sich gekümmert, ein Anstandsbesuch durchgeführt, auch zur Befragung, er kommt schnell zum Punkt. Die Regie ist ebenso, allgemein und speziell, sie weiß um eigene Vorbilder, aber auch um Autarkie im Bewusstsein, um den Nutzen der Besetzung, um zusätzliche Emotionalität, um Sensibilität, ein junger Mann, schnell verletzt im Gesicht, insgesamt sehr verletzlich, manchmal Sex aus Mitleid, manchmal aus Begehrlichkeit, Szenenwechsel zwischen Ruhe und Erregung.
Ein Polizeikonvoi rast durch die Stadt, ein Begleitschutz vor aufgehetzter Menge, vor zivilen Protesten, das nächste Hotel wird demoliert. Deutschland hier im Aufstand, Gespräche zwischen Anzugträgern sollen das klären, jeder mit einer anderen Geheimstufe, "Streng vertraulich", For Your Eyes Only, eine Rückkehr, eine Wiedergeburt, eher ein erneutes, diesmal ein langes Sterben. Was ist Wahrheit, was ist Vorstellung, was ist Paranoia, was ist Treue und Vertrauen; "Schlimmer als jeder Traum" ist manchmal die Realität hier. Eine Gefährdung geht vonstatten, ein sexueller Übergriff aus Liebe auch, die nicht erwidert werden kann, weil man in der eigenen Psychose steckt. Geschäfte werden hier gemacht, innerhalb von Büros, festgefahren hinter Paragrafen und Gemäuer. Teilweise wirkt das provinziell auch, das Verhalten der Eliteeinheit ist zuweilen niederer Natur, ein Arbeiten nicht bloß für den Staat, sondern mit eigenem Ansinnen verbunden. Manchmal ist das auch eine Comedytruppe, manchmal werden Wirksamkeiten ausgesprochen und empfangen ("Wenn Wahlen wirklich etwas bewirken könnten, wären sie in diesem Land verboten."), manchmal wird einfach nur dem nächsten und vor allem jüngeren Rock nachgegangen. Zuweilen wird der Film als Vorlage für Gordon Chans First Option (1996) aufgezählt, das könnte nicht entfernter sein von der Anlage, der Narration, den Begebenheiten, zumal dort Final Option (1994) als offizielle Vorlage gilt.
Der Handjob im Hotelflur zeigt eher das Gesicht der Frau, die ihn verteilt als die Mimik des Mannes, die ihn empfängt, der kleine Tod als Abschluss des Abends, an dem auch ein anderer Abschluss und damit ein Abschuss veröffentlicht wird. "Der Sandmann" wird hier als Theaterspiel geboten, als Aufführung von Kindern, Religion hier als Ausrede für bessere Bedingungen, dazu wechselt viel Geld die Hände, eine berufliche und eine private Angelegenheit, ein Trauma, ein Traumata, eine anhaltende Depression und eine Suche; dann ein Schuss, ein zweiter noch, der durch die nächtliche Innenstadt von Düsseldorf knallt.
"Jeder, wie er lustig ist.", heißt es kurze Zeit später, Telefone klingeln, die Drähte laufen heiß, das Wasser steht bald bis zum Hals, bildlich gesprochen, es wird nicht richtig fokussiert, zuweilen auch um den Busch herumgeklopft. "Gegen persönliche Krisen schützt man sich am besten mit einem vollen Terminkalender.", es werden Kompetenzen überschritten, der Dienstweg ist bloß Fassade, ein Dienstgeheimnis, ein Verschwörungsthriller. Ängste werden geschürt, es geht um Gesetzentwurfblockade und weitverzweigte Korruption; eine Unterschätzung, eine Überschätzung, die Räume werden enger, die Tage stiller, die Obsessionen größer und wilder, zwischendurch wechselt man fast in Richtung Horror, ein Angriff auf Schutz- und Wehrlose, auf kleine Kinder.
"Du kannst uns anzeigen, oder decken, das spielt jetzt keine Rolle mehr."
Ein Privatkrieg wird hier bald angeleiert, eine persönliche Fehde, eine intime Bedrohung; darstellerisch auf Knaup, aber nicht nur, auch auf seine Umgebung, ein auseinander gerissenes Team und undurchsichtige Vorgesetzte fixiert. Dass das nicht die Massen in die Kinos gelockt hat, ist nicht bloß im Nachhinein zu verstehen, viel Gewalt, viel Vertuschung, "Lügenscheißdreck", ein harter Reißer, ein menschliches Drama, eine Sinnsuche in all dem Komplott auch, viel Paranoia, Spitzel für die Kommandoführung. Es werden Auswege gesucht, Ablenkungen auch, all das macht es nicht besser, es macht es eher schlimmer. Sexualität wird meist aggressiv ausgelebt, offensiv, "Du machst mir Angst.", kurze Ruhepausen nur, eher keine Erlösung. Eine graue, eine dunkle Republik hier, schweres Atmen, viel Hektik, ein Entführungsversuch trotz Personenschutz bei einer öffentlichen Veranstaltung, "es passiert hier nichts Unkontrolliertes, okay?", die Übersicht geht verloren, Karambolagen, Schreie, Schüsse und Blut, ein taktisches Desaster, eine Bombenexplosion, eine Flammenhölle, eine inszenatorische Offenbarung; von der narrativen Ausdehnung fast eine Mini-Serie her.
Ein Außeneinsatz in der Münchener Innenstadt leitet die zunehmende Verwirrung ein, eine allgemeine Beschattung am Scheitern, eine komplexe Lösegeldübergabe, ein Kraftakt von Drehbuch und Regie, eine Unprofessionalität der Einsatzkräfte oft, Desorganisation und Desinformation in der Hierarchie quer durch alle Ebenen am Regieren. In Bayern steigt auch der Showdown, "tolle Aussicht", raus aus dem Pott, rein in die Berge, komplex und simpel gleichzeitig, ein Albtraum am Geschehen.