Als Johnny Cash im September 2003 verstarb, verlor die Musikwelt eine ihrer letzten großen Country-Ikonen. Seine Karriere begann im Jahre 1954 in einem kleinen Plattenstudio in Memphis-Tennessee, dem legendären Sun-Records-Label. Dort traf er unmittelbar zur gleichen Zeit auf einen hüftschwingenden Rock´n´Roll Sänger namens Elvis Presley. Zusammen mit Roy Orbison und dem "Killer" Jerry Lee Lewis zogen die Musiker dann singend und spielend durch die Lande. Jeden Tag in einer anderen Stadt. So musste man damals vorgehen um auf sich aufmerksam zu machen. Heutzutage - im Zeitalter von Internet und Multimedia - fast unvorstellbar. Genau wie Elvis war Johnny mit Gospel-Musik aufgewachsen, hatte aber einen anderen Stil als dieser entwickelt. "Walk the line" beschreibt die jungen und wilden Jahre von Johnny Cash, beginnt 1944 in frühester Jugend und endet mit dem legendären Folsom Prison Live-Konzert im Jahre 1968. Regisseur James Mangold konzentriert sich bei der Gestaltung der Figur auf zwei ganz markante Punkte im Leben des Musikers. Zum einen geht es um die dauerhafte Tablettensucht und zum anderen um die immerwährende Liebe zur ebenfalls sehr bekannten County-Sängerin (und seiner späteren Frau) June Carter (The Carter Family) übrigens hervorragend gespielt von Reese Witherspoon. Natürlich ist es unmöglich, innerhalb von knapp 130 Minuten Laufzeit ein so bewegtes Leben wie das von Johnny Cash ausführlich zu erzählen. Also beschränkt man sich auf das Wesentliche und lässt dabei die Musik nicht zu kurz kommen. Joaquin Phoenix (Gladiator) spielt den Country-Barden mit einer Leidenschaft und einem Verständnis, dass einfach nur in Staunen versetzt (angeblich hat sich Cash kurz vor seinem Tode dafür stark gemacht, dass Phoenix die Rolle übernehmen soll). Sieht man über einige Schwächen und sachliche Fehler (Insider wissen, welche!) hinweg, ist "Walk the line" eine tolle und faszinierende Musik-Biographie. Wer dieses Genre mag, sollte auch mal bei "Ray" (da geht´s um Ray Charles) "Beyond the sea" (da geht´s um Bobby Darin) oder "The Doors" einen Blick riskieren.