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„Hatchet for the honeymoon“ ist, auch wenn hier Bava mal wieder Pionierarbeit leistet, ein sehr typischer Giallo. Er ist wie so oft optisch sehr schön inszeniert und phasenweise sehr kreativ. Aber die Story hat Schwächen. Und der Film wird lieber mit unnötigem Ballast befrachtet als dass sich jemand einmal hinsetzt und ein stringentes Drehbuch verfasst.

Die Hauptstory ist durchsichtig, aber recht nett. John Harrington hat von seiner ermordeten Mutter ein Modehaus für Brautmoden übernommen. Das trifft sich gut, da er das Bedürfnis hat, Bräute zu ermorden. Er sitzt quasi an der Quelle. Dieser Trieb soll ihm dabei helfen, herauszubekommen, wer seine Mutter ermordet hat. Die Lösung ist herzzerreißend simpel.

Bava hat diesen Akt der Selbstfindung aus der Sicht des Mörders inszeniert und gibt dadurch dem Film eine zynische Perspektive, die sich vor allem bei der Ermordung von Johns nervigen Frau Mildred auf angenehme Weise zeigt (die Nummer mit der Treppe ist hervorragend). Aber hier kommt nun leider ein großes Problem. Aus unerfindlichen Gründen mixt Bava nun seinen soliden Giallo mit Elementen des Übernatürlichen. Mildred ist immer noch für jeden zu sehen, nur für John nicht. Als Strafe kehrt sich diese Sichtbarkeit zum Ende hin um. Völliger Unsinn! Und unnötig. Zumal dieser Handlungsstrang nie ernsthaftes Gewicht erhält. Das ist genau die Sorte von Ballast, mit der später Argento seine Filme verwässern wird. Da haben wir leider etwas Falsches gelernt.

Man muss Bava trotzdem Anerkennung zollen für seine Ideen, deren Werthaltigkeit sich in der Zahl ihrer Kopierer beweist. Leider sind manchmal zu viele Nacharmer der Tod der Kreativität. Wie viele Filme sind gefolgt, wo die Erzählperspektive die des Mörders ist? Hunderte, und sehr viele schlechte. Da kann man sich bei dem Konsum des Erstlings absolut zu unrecht nicht so an dieser Idee erfreuen, wie es Bava eigentlich verdient hätte. Auch das Kabinett mit den Brautpuppen hat vielfach Nachahmung gefunden. Zum Glück sind diese Umsetzungen oft recht hochwertig (z.B. „Maniac“) und stellen keine Hypothek dar.

Viele Giallos leiden unter der Qualität ihrer Darsteller. Bei „Hatched for the honeymoon“ ging die Besetzung recht gut. Ich finde, dass zumindest Stephen Forsyth seine Sache sehr ordentlich macht (wieso denke ich nur immer, dass dies eine tolle Rolle für Clint Eastwoood gewesen wäre?). Seine Darbietung wird durch die extrem kultigen Kostüme unterstrichen.

Den Gesamteindruck rundet Bava mit seiner virtuosen Kamera und Lichttechnik ab. Ich denke, Bava hätte jeden Stoff verfilmen können und dabei ein optisches Feuerwerk entfacht. So schön wie hier hat nie wieder eine Mordwaffe geglänzt. Und die letzten Tänzchen im Brautkabinett sind wahre Highlights.

Ich finde auch die Auswahl der Örtlichkeit sehr geglückt. In dem Schlösschen vereinigen sich mondäne Elemente mit einer gewissen Muffigkeit, die man nur sehr selten findet. So muss ein Ort aussehen, an dem man der geschilderten Art des Wahnsinns verfallen kann.

„Hatched for the honeymoon“ ist handwerklich wie immer eine Pracht. Die Story ist leider zu simpel und durch die unsichtbare Mildred geschädigt. Trotzdem kann man sich diesen Film gut ansehen. Von mir gibt es 6 von 10 Punkten.

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