Welche Kriterien sollten erfüllt sein damit ein Film mit nur einem Punkt bewertet wird?
Versuche ich ganz objektiv an das Thema heranzugehen, dann sollte die Machart des Films absolut amateurhaft und einfach nur schlecht sein. Pixeliges Bild und verwackelte Kamera, schlechte Schnitte und Ausblenden nach nur einer Einstellung kommen dazu. Die Story sollte beängstigend dünn sein und dann innerhalb von 90 Minuten nochmals extrem gestreckt werden, um die DVD auch voll zu bekommen.
Die Schauspieler sollten wie Laiendarsteller agieren, ihre Dialoge permanent gestellt und einstudiert wirken ; selbst beiläufige Gespräche übers Wetter waren in "Camellia Project" recht grausam zu verfolgen. Es bedarf nicht unbedingt einer Low-Budget Produktion um nur auf einen Punkt zu kommen, doch in der Addition der Minuspunkte passt auch das ins Gesamtbild.
Dann nennt man das Ganze noch Independent und die Storys handeln über Tabuthemen und schon ist der perfekte aber tödlich langweilige Kunstfilm fertig.
Bei "Camellia Project" handelt es sich um einen Episodenfilm mit drei nahezu gleich langen Kurzfilmepisoden in loser Folge. Es geht um die Thematik der Homosexualität und um die gesellschaftliche Akzeptanz bzw. die Ausgrenzung der beteiligten Personen. Mit Sicherheit sind Filme über Minderheiten wichtig und auch nicht immer einfach, doch unerträglich langweilig und ganz einfach nur schlecht sollten sie deshalb nicht sein um als Kunstfilm durchzugehen. "Camellia Project" ist weder ein Kunstfilm noch ein guter Amateurfilm, die 93 Minuten sind einfach nur das leider schlechteste Filmmaterial was ich bis dato aus Südkorea gesehen habe.
In der ersten Episode treffen sich die beiden ehemaligen Geliebten Choon-ha ( gespielt von Hwang Choon-ha ) und Wang-geun ( gespielt von Kim Wang-geun ) nach langer Zeit auf Bogil Island wieder. Wang-geun hat mittlerweile eine Frau geheiratet und hat eine Tochter. Die beiden Männer mussten sich nachdem sie in ihrer Jugend beim Sex erwischt wurden trennen und Wang-geun hat seinen Eltern zuliebe geheiratet. Sie laufen nun plan und ziellos mit der kleinen Tochter Chu-ja auf Bogil Island herum nur um in der Nacht im gleichen Bett wie das Kind übereinander herzufallen.
Um ein anderes Liebespaar auf Bogil Island geht es in der zweiten Episode. Jin-Wook ist eine Art Fremdenführer auf Bogil Island und lebt dort mit seinem Freund Yeon-hu zusammen. Die Liebe der beiden ist am Ende. Sie haben sich nichts mehr zu sagen und genau das tun sie auch fast 30 Minuten lang in dieser Episode. Es wird geraucht und in die Ferne gestarrt, es werden viele Steine ins weite Meer geworfen und es gibt eine einsame und endlos erscheinende Einstellung nach der anderen. Steht am Ende eine Trennung, gibt es vorher nochmal Sex und wie lange kann man den Boden einer Wohnung putzen bis er denn endlich sauber ist?
In der dritten Episode kommt eine Frau ( gespielt von Park Mi-hyun ) mit der Fähre auf Bogil Island an. Sie sucht einen ganz bestimmten Mann und den findet sie auch nach einiger Zeit. Besagter Hyun-soo ( gespielt von Kim Tae-yong ) betreibt mit seinem Partner und Geliebten ( gespielt von Jung Won-kyu ) eine kleine Pension. Nach anfänglichem Zögern mietet die Frau sich bei dem homosexuellen Paar in der Pension ein. Doch was will sie von Hyun-soo und warum fällt es ihr so schwer darüber zu reden?
Die drei Geschichten sind durch den gemeinsamen Schauplatz lose miteinander verbunden. Sie würden vielleicht auch inhaltlich noch etwas hergeben, doch die filmische Umsetzung ist schon fast unverschämt dilettantisch.
Die Qualität der DVD ist extrem schlecht, das Bild und der Ton eine Zumutung. Ich möchte aber weder ein Minderheitenthema verreissen noch einen Film wegen Geldmangel schlechter einstufen ; dies kommt nur beides zu den schon genannten Negativpunkten dazu.
Wenn wirklich alles im Leben seine Berechtigung hat, dann auch "Camellia Project" ; doch mehr als ein Punkt wird es dadurch auch nicht.