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WORLD OF THE LIVING DEAD oder Warum sich kleine Filme nicht verstecken müssen!

Die neue Zombiefilmwelle schwappt seit über einem Jahrzehnt in die Kinosäle bzw. in die heimischen Wohnzimmer hinein. Ein Ende ist nicht abzusehen. Waren Zombiefilme früher „Nischenprodukte“ für den oft negativ kritisierten Splatterfan, sind sie heute in Massen vorhanden, wenn auch mit deutlichen Qualitätsunterschieden. Zombies waren nie mainstreamiger als heute. Zu verdanken ist diese Tatsache nicht zuletzt der hervorragenden TV-Serie THE WALKING DEAD, die es überzeugend schaffte, die Untoten für das Fernsehen salonfähig zu machen.
Die Grundstruktur der Zombiefilme hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert.
Fans wissen das und sind deswegen auch „Wiederholungstäter“, wenn es um das Ansehen von Horrorfilmen dieser Art geht. Grundsätzlich geht es immer um eine Kerngruppe von verschiedenen Personen, die einer Belagerungssituation durch die fleischfressenden Untoten ausgesetzt ist. So weit so schlicht ist der Inhalt eines jeden Zombiefilms. Letztendlich geht es nur noch um die technische Realisierung der üblichen Chose. Fans finden sich immer und sie werden auch immer einschalten.
Da es in diesem Genre keine A-Filme gibt, ist es eh mühsam, über den „qualitativen Anspruch“ zu diskutieren. Für mich sind diese Filme immer gut, wenn sie mich für 90 Minuten unterhalten, egal wie oft das Thema buchstäblich schon „durchgekaut“ wurde.
Es kommt leider häufig vor, dass bei deutschen Veröffentlichung von amerikanischen B-Movies die Synchronisation zum größten Negativpunkt wird. Es klingt oft nach billig bezahlten, semi-professionellen Sprechern, die vom Klang der Stimmen nicht zu den gezeigten Charakteren passen.
Leider hat auch die deutsche Synchro bei dem vorliegenden B-Movie WORLD OF THE LIVING DEAD diesen Billig-Touch. Lässt man dieses Manko beiseite und analysiert den Rest des Films, kann der gewillte Fan durchaus andere Pluspunkte erkennen.
Für einen unbekannten und nicht beachteten B-Film sehen die Effekte gut aus. Die Zombies sind in Mengen vorhanden. Das Make-up ist stimmig und sieht nur selten billig aus (die Älteren unter uns wissen, dass auch Romeros Zombies in ZOMBIE ein wenig blaustichig billig ausgesehen haben).
Was WORLD OF THE LIVING DEAD zu bieten hat, ist ein Tempo, das bis zum Ende keinen Durchhänger hat. Die Bluteffekte sind 18er-like umgesetzt – allerdings darf man keine ausufernden „Fressereien“ erwarten. Das Gezeigte verfehlt seine Wirkung jedoch nicht. Selbst die dramatische Seite der Personen wird interessant charakterisiert und fließt in die Dialoge ein. Es gibt einige Szenen, die ich so nicht erwartet hatte und in der Belagerungsstätte für einige Aufregung sorgen. So zeigt der Film sehr deutlich die grauenhafte Kettenreaktion, die durch einen Biss eines Infizierten ausgelöst wird.
Als interessanten Input zur an sich schon heiklen Belagerungsstruktur gibt es einige sozialkritische Konflikte zwischen muslimischen Einwanderern, radikal diskriminierenden Amerikanern und den „politisch korrekt“ agierenden Helden. Solche Szenen hätte ich in diesem Billigfilm ebenfalls nicht erwartet.
Aber, nicht vergessen, wir sind in keinem Oscar-prämierten Werk. Im nächsten Moment klatscht das Kunstblut an die Wand und amateurhaft gespielte „Panik“ macht sich breit.
Auch der hoffnungslos konsequent durchgezogene Schluss überraschte mich sehr. Atmosphärisch punktet der Film gerade in den letzten Minuten noch einmal gewaltig.

Unterm Strich bleibt WORLD OF THE LIVING DEAD ein „Billigheimer“ - allerdings mit vielen guten Ideen und einer spannenden Geschichte.
Ich kann diesen Film allen „Wiederholungstätern“ im Filmgenre empfehlen, die wissen, dass zu diesem Thema keine Innovationen mehr zu erwarten sind.
Es gibt Primitiveres und Langweiligeres in diesem Bereich.
Also Synchro ertragen, Bier aufmachen und Action!

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