Review

"Soldier of God", welcher hierzulande den eher irreführenden Titelzusatz "Die Kreuzritter 2" trägt (irreführend, da kein Zusammenhang im Sinne einer Fortsetzung mit dem ebenfalls nicht gerade berauschenden "Die Kreuzritter" von Regisseur Dominique Othenin-Girard aus dem Jahre 2001 besteht), wirbt nicht gerade bescheiden mit den Auszeichnungen diverser internationaler Filmfestivals. Die Inhaltsangabe liest sich eigentlich recht gut; Regie führte David Hogan, auf dessen Erfolg mit Pamela Andersons Barb Wire ebenfalls werbeträchtig verwiesen wird. Um es kurz zu machen: "Soldier of God" ist eine enttäuschende Angelegenheit, die am besten mit den Adjektiven oberflächlich und langatmig zusammenfassend beschrieben werden kann.

Inhaltlich beginnt die Geschichte mit der Bekanntschaft, die ein christlicher Tempelritter mit einem islamischen Krieger macht, unter Umständen, in denen jeder der beiden sukzessiv das Leben des jeweils anderen rettet. Schließlich landen Christ und Muslim in der Oase der verwitweten Soheila, die den beiden eigentlich verfeindeten Gotteskriegern gleichermaßen Obdach und Beistand gewährt. Unterdessen wirft die Zukunft düstere Schatten voraus.

"Soldier of God" ist im Grunde ein Diskurs über Religion und das Konfliktpotential, welches den rivalisierenden großen Weltreligionen inhärent ist. Das filmische Vehikel dafür ist eine Art mittelalterlicher Roadmovie mit Selbstfindung der Protagonisten und kein schwertklirrender Actionfilm. Wer also die Hoffnung hegt, ein pathetisches Schlachtengemälde á la dem kommerziellen Hochglanzkitsch "Königreich der Himmel" zu sehen, der wird sicherlich enttäuscht werden. Vom recht furiosen Anfang und einigen wenigen Szenen gegen Ende abgesehen, findet die Action wenn überhaupt offscreen statt. Stattdessen gibt es meditative Landschaftsaufnahmen (die durchaus hübsch anzuschauen sind) und zum überwiegenden Teil der Laufzeit entweder kontemplative Stille oder seichtes Geschwafel.

Das ist auch bereits mein größter Kritikpunkt an der ganzen Geschichte. Die Religionskritik erschöpft sich in einigen äußerst oberflächlichen Dialogen, welche ziemlich plakativ und undifferenziert lediglich eine Art religiöse Bestandsaufnahme darstellen. Im Ergebnis bedeutet das, dass jeder Religion die eigenen shortcomings vorgehalten werden, die sich bekanntermaßen in der Diskrepanz zwischen dem individuellen menschlichen Handeln und der eigentlich sinnstiftenden und gutgemeinten Ideologie ausdrücken. Mit anderen Worten: die mehr oder minder mißbräuchliche Interpretation der eigenen und fremden religiösen Theorie, welche sich für die Menschheit dann unter Umständen in unheilbringender Praxis niederschlägt.

"Soldier of God" kratzt anderthalb Stunden lang an der Oberfläche eines Themas und liefert wenig überraschend letztendlich keine neuen Erkenntnisse. Die Perspektive aus der man den mittelalterlichen Kontext betrachtet ist dabei gewollt modern. Politisch korrekt bekommt somit auch jede Religion ihr Fett weg. Originell ist das nicht: selbst schlichte Karrikaturen in irgendwelchen Provinz-Käseblättern haben entsprechende Sachverhalte unlängst treffender und geistreicher auf den Punkt gebracht.

Deswegen allein wäre der Film noch kein Totalausfall - wenn auch die Belehrung so trivial ausfällt, so könnte man doch auf kurzweilige Unterhaltung hoffen. Doch auch hier hat mich "Soldier of God" sehr enttäuscht. Die Nebenhandlungen dienen lediglich dazu, den beiden Protagonisten einen Hintergrund zu geben. Um mich hinsichtlich des Unterhaltungswertes kurz zu fassen: es wird über die gesamte Filmlänge hinweg nur auf Sparflamme gekocht. Versatzstücke von Historienabenteuer, Liebesgeschichte und Selbstfindungsdrama, garniert mit etwas Religionsschelte und ein paar Blutspritzern garantieren eben nicht zwangsläufig auch für einen guten Film.

René der Tempelritter und sein islamischer Counterpart Hassan sind ferner bloße Stereotypen. Ich würde mich selbst nicht als religiös bezeichnen, aber die Darstellung der beiden Gotteskrieger hat mir doch grundsätzlich missfallen, da sie schlicht und einfach ein äußerst reduziertes und selektiertes Bild der jeweiligen Religion vorgibt. Dies halte ich für problematisch, denn letztendlich stellen die beiden schließlich Repräsentanten ihres Glaubens dar. Im Ergebnis bedeutet dies eine ziemlich fragwürdige Verallgemeinerung, die allenfalls dazu taugt, die typischen, kontextbezogenen Vorurteile zu bestätigen. Aber wer nicht genau hinschaut, der will es vielleicht auch gar nicht so genau wissen.

Soheila, die neunmalkluge und ach so tolerante Wüstenschönheit verdirbt dann schließlich mit ihren ständigen Kalenderblattweisheiten noch den letzten Rest an Atmosphäre. Als reife (und natürlich bildschöne) Witwe eines islamischen Kriegers, die im 12. Jahrhundert als alleinerziehende Mutter in einer Wüstenoase am Arsch der Welt lebt, in ihrer emanzipierten Weltsicht und toleranten Haltung jedoch dem Geist der Aufklärung und des Humanismus bereits um ein halbes Jahrtausend voraus ist, ist die Dame in etwa so überzeugend, als erhoffe man sich von Pamela Anderson eine glaubwürdige Verkörperung von Mutter Theresa.

Die Rahmenhandlung bietet so viel Entwicklung, dass die Story nach Ankunft in der Oase bis hin zum wenig dramatischen Ende auf die Rückseite einer Briefmarke passen würde. Dem Film fehlt es an allen Ecken und Enden an Drive. Das wäre nicht schlimm, wenn er statt Action zumindest einen intellektuellen Reiz böte. Aus den bereits genannten Gründen ist aber auch hier Fehlanzeige. Auch in ästhetischer Hinsicht vertreibt die triviale Auseinandersetzung mit dem Thema und die seichte Darstellung noch den letzten Rest an Atmosphäre. Da helfen auch die reizenden Natur- und Landschaftsaufnahmen nichts mehr.

Schließlich muss noch kurz die obligatorische Romanze erwähnt werden, die in Form der Versuchung des Tempelritters durch Soheila natürlich nicht fehlen darf. Klischeehafter hätte man diese Beziehungsgeschichte kaum inszenieren können. Dagegen ist eine Rosamunde Pilcher Verfilmung fast schon Kopfkino!

Ich kann "Soldier of God" weder inhaltlich, noch aufgrund bloßer Schauwerte wirklich empfehlen. Die Grundidee ist zwar nicht sonderlich originell, hätte aber durchaus genügend Stoff für eine brauchbare Auseinandersetzung mit dem Thema hergegeben. So fällt der Film für mich in die Rubrik "gut gemeint, im Ergebnis unbefriedigend". 4 / 10 Punkten.

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