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Der wohl bekannteste Roman - neben seinem Sherlock-Holmes-Werken - war für Arthur Conan Doyle ohne Zweifel „Lost World". Das Buch war so eine dankbare Vorlage, dass es gleich mehrere Verfilmungen gab, darunter sogar eine Fernsehserie, der Stoff wurde allerdings teilweise sehr frei interpretiert, was ja nichts Neues in der Filmbranche ist. In dieser aus dem Jahr 1960 stammenden Verfilmung versuchte Irwin Allen, nahe an der Vorlage zu bleiben, dennoch ist das Endergebnis durchwachsen ausgefallen.

Dabei sorgt schon der nicht gerade passende historische Hintergrund für einen Stimmungseinbruch, doch muss man diesen zum Glück erst mal nur am Anfang des Filmes hinnehmen, als ein neuzeitlicher Flughafen als Eingangsszene dient. Als der eigenwillige Professor Challenger dem aufdringlichen Reporter Malone mit einem Schirm über die Rübe drischt, ahnt man bereits: Oha, hier entsteht wohl gerade eine Hassliebe auf Zeit, denn nach einem Vortrag des kauzigen Wissenschaftlers über ausgestorbene Saurier auf einem abgelegenen Felsplateau im Amazonas ist auch schon flugs eine Expedition zusammengestellt. Dabei wird natürlich kein Abenteuerklischee ausgelassen, neben den Wissenschaftlern Challenger und Summerlee gibt's da den sensationslüsternen Reporter, den Großwildjäger und natürlich eine Frau. Klar, dass man sich erst mal dagegen wehrt, diese überhaupt mitzunehmen, könnte ja unterwegs gefährlich werden.

Bis hierher geht's mit dem Film recht flott voran, der Flug mit einem Hubschrauber auf der letzten Etappe vor der Ankunft zeigt zudem auch schöne Luftpanoramen. Doch kaum ist man auf dem Plateau gelandet, steigt die Erwartungshaltung an, doch wo verdammt sind bloß die Saurier? Erst mal nicht viel zu sehen, außer einer ekligen Riesenspinne, die kurz im Bild ist. Als dann doch die Echsen auftauchen, zieht man wohl doch eher die Stirn kraus wegen der gebotenen Einlage. Tricktechnisch mal was anderes als der damals übliche Stop-Motion-Kram: Lebendige Echsen werden herangezoomt und mit Hörnern und ähnlichem beklebt, was bei mir allerdings einen zwiespältigen Eindruck hinterließ. Die Viecher bewegten sich zwar geschmeidiger als die Monster a la Harryhausen, aber wo bleibt bitte die wissenschaftliche Abgeklärtheit? Auch wenn es nur ein unterhaltsamer Abenteuerfilm sein soll, bei „Lost World" erwarte ich eigentlich Brontosaurus und Co. und keine Zimmergeckos im Faschingskostüm! Doch keine Angst, oft waren die Echsen nicht zu sehen, vielmehr konzentrierte sich der Film im weiteren Verlauf auf den Konflikt mit den Ureinwohnern.

Als man vor den Horden in ein Lava durchflutetes Felsenlabyrinth flieht, wirkt die ganze Szenerie fast wie aus Indiana Jones verhängnisvollem Tempel, überall faucht und zischt es, das ganze Bild ist in grelle Farben getaucht und das letzte „Lost World"-Flair ist längst auf und davon gestoben, auch wenn noch einmal eine hungrige Echse auftaucht und nicht alle gerettet werden können, aber als der Vulkan in die Luft geht, sind die Guten im Team fast alle noch am Leben...

Fazit: Für einen normalen Abenteuerfilm ist diese Verfilmung vielleicht ganz nett, aber Fans der Buchvorlage müssen enttäuscht sein. Ich hätte mir vor allem Echsen gewünscht, die in der Urzeit auch gelebt haben und dafür hätte ich auch charmant-naive Tricktechnik anno 1960 in Kauf genommen. So gesehen ist der Zweiteiler aus 2001 dann doch die bessere Wahl.

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