kurz angerissen*
Hier werden keine Mühen gescheut, die zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alte Erstverfilmung in jeder Beziehung alt aussehen zu lassen: Knallige Farben, wohin das Auge sieht, exotische Pflanzen, spektakuläre Höhlenbauten, halbnackte Eingeborenen-Schönheiten und ein Expeditionsteam, so schrill und angriffslustig, dass zwangsläufig alle fünf Minuten Zoff auf dem Plan steht.
Alles Augenwischerei im Endeffekt, die nicht einmal besonders schwer zu durchschauen ist. Das Original von 1925 ist heute, fast 100 Jahre später ein immer noch ganz erstaunlicher Vertreter des Abenteuerfilms, nicht zuletzt wegen der fantastischen Trickeffekte von Willis O'Brien, die nach wie vor für offene Münder sorgen, nicht weniger als O'Briens anschließende Arbeit für „King Kong und die weiße Frau“. Gerade in diesem so wichtigen Punkt enttäuscht das Remake nicht nur mit Dino-Armut, sondern praktisch deren Abwesenheit. Die Verwendung der sogenannten „Slurpasaur“-Technik, bei welcher echte Tiere per Rückprojektion zu Filmmonstern umfunktioniert werden, verhindert das Wiedersehen mit den Urzeitkreaturen, die man sich von einem solchen Film erhofft. Klammert man mal den Tierschutzaspekt aus, mag eine aufgeblasene Eidechse, Spinne oder Ameise vielleicht einem Monsterfilm der Kategorie Mad Science oder Atomenergie dienlich sein, wohl kaum aber einem Stoff, der behauptet, ein Abenteuer auf einer Insel voller ausgestorbener Kreaturen bieten zu wollen. Zwar gelingt die Montage der Darsteller mit den Tieren in den meisten Fällen überraschend gut und die natürlichen Bewegungen der verwendeten Echsen und Krokodile stellen natürlich einen Vorteil gegenüber der stets mit dem Uncanney-Valley-Effekt kämpfenden Stop-Motion-Technik dar. Hinzu gesellt sich das relativ gelungene Sounddesign, das bei der Erfindung der Kampfschreie der Ungetüme reichlich Kreativität walten lässt. Durch die Vertrautheit mit dem Anblick der Tiere entsteht allerdings im Umkehrschluss eine ganz andere Variante des Uncanney Valley, die letztlich schon damals einen Hauch von Karnevalsmaskerade in die Kinosäle gebracht haben muss. Abgesehen von einer spektakulär gefilmten, ethisch aber fragwürdigen Kampfszene zwischen zwei Monstern hat „Die Versunkene Welt“ darüber hinaus kaum Bemerkenswertes zu bieten. Eine Riesenspinne ist in ihrem kurzen Auftritt anders als ihre schuppigen Kollegen sehr schlecht ins Bild einkopiert (ein Effekt, der durch die unnatürlich aggressive Kolorierung noch verstärkt wird) und sonst sieht's mau aus mit den Hauptattraktionen. Denkt man an die reiche Palette von Dinosauriern (und Primaten) zurück, die O'Brien Jahrzehnte zuvor in seiner Werkstatt zimmerte, ist das relativ enttäuschend.
Dass die Crew rund um Claude Raines so lautstark die Welle macht, hat also auch ein wenig mit Ablenkung zu tun. Um den Monster-Mangel zu kompensieren, werden ein paar fleischfressende Pflanzen ausgelegt und ein Kannibalenstamm zum Gegner erklärt. Aber auch in diesen Punkten bleibt das Abenteuer hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Eingeborenen werden mit allen verfügbaren Klischees belegt und das Frauenbild gegenüber dem um Jahrzehnte älteren ersten Teil in gewisser Weise sogar verschlimmbessert. Wenigstens über die Kulissen lässt sich nichts Schlechtes sagen. Wenn zum Finale der Vulkan aufmuckt, gelingen durchaus hübsche Bilder bei einer abenteuerlichen Kletterei an einem Steilhang. Hier und da kann man Statisten im Off des Bildes erahnen, die Laubwerk und Schlingarme zum Rascheln bringen, doch das kommt bloß dem nicht gerade im Übermaß vorhandenen Charme des Handgemachten zugute.
Größer, weiter, besser, echter, witziger: Nicht umsonst werden Remakes dieser Sorte heute kritisch beäugt. „Die Versunkene Welt“ zeigt sich dahingehend ausbeuterisch und ist überdies nicht besonders gut gealtert. Die altehrwürdige Stop-Motion-Technik hätte auch dieses Saurier-Abenteuer besser vor dem Zahn der Zeit schützen können.
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