Der Kinosommer 2006 gehört „Fluch der Karibik 2". Soviel dürfte eigentlich sicher sein. Oder doch nicht? Zwischen all den kaum nennenswerten, unsäglichen Hollywood-Produktionen, welche im Sommer in den deutschen Kinos start(et)en, sticht eine heraus: „Bandidas". Ungleich der Fortsetzung der Piraten-Mär geht es dort um den Wilden Westen. Oder genauer gesagt: Um Penélope Cruz und Salma Hayek als Bankräuberduo im Mexiko des 19. Jahrhunderts. Na wenn das mal nicht potenzielle Blockbuster-Qualitäten aufweist!
In der zugegebenermaßen recht simplen Story geht es um eine amerikanische Eisenbahngesellschaft, welche in Mexiko eine Eisenbahnlinie bauen möchte. Schlecht nur, dass viele Grundstücksbesitzer ihr Stück Land nicht hergeben wollen, weswegen zwielichtige Gestalten buchstäblich über Leichen gehen. Die verwöhnte Tochter des ortsansässigen Diego, Sara (Salma Hayek, „Frida", 2002) und Bauerntochter Maria (Penélope Cruz, „Vanilla Sky", 2001) rotten sich zusammen, um mit Banküberfällen zum Rückkauf der Grundstücke gegen die Gauner vorzugehen. Das ruft den vertrottelten Kriminalisten Cook (köstlich: Steve Zahn, „National Security", 2003) auf den Plan...
Ja, wir haben eine Westernkomödie vor uns. Doch glücklicherweise begeht das Regioduo von „Bandidas", bestehend aus den Kino-Regiedebütanten Joachim Roenning und Espen Sandberg, nicht den Fehler, den historisch angehauchten Plot mit kryptischen Science-Fiction-Elementen zu mischen, wie es in „Wild Wild West" der Fall war. Sie beschränken sich, ebenso wie Produzent Luc Besson („Das fünfte Element"), nach dessen Idee der Film entstand, aufs Wesentliche. Zwischen schön fotografierten Ritten durch die Prärie und etlichen, unkonventionellen Banküberfällen werden auch eine Vielzahl von herzerfrischenden Lachern präsentiert: Das ungleiche Frauenduo zickt sich bevorzugt gegenseitig an, da verwöhnte, aber ungeschickte Stadttussi (Hayek) und plumpe, aber wehrhafte Bauerntochter (Cruz) nun einmal unterschiedliche Auffassungen vom Leben und vom Küssen (!) haben. Eifersucht spielt hier auch eine Rolle. Steve Zahn als vertrottelter Wissenschaftler ist ohnehin einfach nur zum Schießen - spätestens wenn er unfreiwillig und hilflos die beiden kratzbürstigen Protagonistinnen zugleich im Bett hat. Auch Sam Shepard („Don`t Come Knocking", 2005) in seiner kleinen Rolle als Zigarre kauender Haudegen ist gerade durch seine Überstilisierung von rustikalem Witz - Filmfans könnten sich hier eventuell an Jack Palance` Rolle als alterndes Cowboy-Raubein in „City Slickers" erinnert fühlen. Auch das Pferd, welches Tic Tac Toe spielen kann und zuweilen mit anderen Tieren kommuniziert weckt Assoziationen mit Jolly Jumper, dem Pferd von „Lucky Luke". Und obwohl die Figuren natürlich durch die Bank gängigen Klischees entsprechen: Der Unterhaltsamkeit und Kurzweiligkeit dieses letzten Tabubruchs im Westerngenre (schwule Cowboys hatten wir ja mit „Brokeback Mountain" schon, Frauen als Heldinnen nun nicht unbedingt) mit latenter Kritik am amerikanischen Allmachtsstreben und einem Schuß Erotik - Frau Hayek und Frau Cruz sind ja nun wirklich heiß - tut das keinen Abbruch. Da sieht man auch großzügig über die ungestüme, an „Matrix" erinnernde Zeitlupensequenz (Bullet Time) bei dem Schussduell im Zug sowie das etwas enttäuschende Finale hinweg.
Fazit: Auf äußerst charmante Art witzige und temporeiche Westernkomödie. „Bandidas" ist kein originelles, wohl aber ein turbulentes und kurzweiliges Goldstück des Popcornkinos, mit zwei heißblütigen Protagonistinnen veredelt. Frau Cruz und Frau Hayek können einen Film souverän allein tragen - auch ohne den hispanischen Vorzeigeimport Antonio Banderas.