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Oh ja, Hollywood erschließt sich neue Zielgruppen.
Nachdem jetzt ein paar empirische Untersuchungen ergeben haben, dass Amerikaner hispanischer Herkunft nicht nur die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe ausmachen, sondern auch viel öfters ins Kino gehen als die sogenannten „Weißen“, wird jetzt doch mal ein paar Projekten Leben eingehaucht, die man sonst verschämt vor sich hergeschoben hätte.

„Bandidas“ ist so zielgruppenorientiert gedreht, hier treffen die beliebtesten Schauspielerinnen hispanischer Herkunft (egal, woher jetzt genau) endlich mal aufeinander.
Und leider ist das Spiel von Penelope Cruz und Selma Hayek auch beinahe das Einzige, was nach Durchsicht dieses flockenlockeren Popcornfilms hängen geblieben ist.
Beide verfügen durchaus über komisches Potential und Mimik, ob sie so einen Film tragen können, ist eine andere Sache.

Ansonsten ist deutlich, dass Luc Besson, der Meister des „style over substance“ die Idee zu diesem Skript hatte, denn hier bleibt sonst nicht viel hängen.
Die Story hat man in der Filmgeschichte zusammengekratzt, wo immer Frauen in Western mal zu den Waffen griffen und Augenzwinkern angesagt war, also hauptsächlich bei „Viva Maria“, „Petroleum-Miezen“, „Cat Ballou“ und das hat man vermengt mit einer deftigen Portion „Zorro“, nur mit Korsett statt Maske.

Glaubt man nicht? Huhu…schauen wir nach der Story.
Da haben wir Mexiko, ein armes Land (wann der Film spielen soll, bleibt ungeklärt, ist auch nicht sooo wichtig, soll aber wohl so um 1880/90 sein; die bösen Amis, die den Mexikanern das Land wegnehmen wollen und ehrenhafte arme Leute umbringen. Und zwei Damen, deren Banditentaten und Bankraubereien sie zu Volksheldinnen. Und einen bösen Gegner hat man natürlich auch. Einen Don Diego haben wir auch, aber das ist Hayeks Vater und der stirbt zum Glück gleich zu Beginn.

Ist das schon nicht originell, ist es der weitere Verlauf noch weniger: Tragödie, Zusammenraufen, Training bei einem berühmten Bankräuber, wilde Taten, Patriotismus, Gefangennahme, Entkommen und finaler Showdown in einem Zug.
Ist nicht neu, ist beliebt, ist bekannt, aber hier leider hoffnungslos vorhersagbar.

Das alles wäre aber immer noch recht gut, wenn die Erstlingsregisseure Roenning und Sandberg nicht nur den Stylefundus der jüngsten Filmgeschichte plündern würden, sondern eine eigene Handschrift besäßen. Das ist dringend nötig bei einem Nonsense-Skript von Besson, der Steve Zahn (mit solider Komödiantenleistung) als Kriminalist mal eben gut 40 Jahre vor dessen Entdeckung schon das Fingerabdruckverfahren anwenden läßt und auch sonst als CSI-Parodie unterwegs ist.
Doch die Regisseure können sich nie entscheiden, ob das nun ein ernsthafter Western, eine Komödie oder eine Parodie sein soll, die Handlung klamaukt so vor sich hin, wenn sie nicht in Klischees rumsumpft (ängstliche Mexikaner, dumme und dreckige Handlager des Bösen).
Irgendwann geht dem Zuschauer das Abstrampeln und Bemühen um Drive und Witz auf den Keks, das hat man alles schon viel besser gesehen.
Zum Glück ist das Ergebnis wenigstens streckenweise amüsant, Sam Shepard gibt als Ex-Bankräuber eine Bravour-Cameo-Leistung und neben der Spielfreude dürfen die Protagonistinnen natürlich auch noch ausgiebigst ihre Dekolleté präsentieren, was wirklich recht ansehnlich geriet.

Doch trotz so manchem Lacher wirkt das Ergebnis hektisch und löst am Ende nicht mal richtig alle Handlungsstränge auf, verzichtet sogar auf Infos, ob die Damen nun rehabilitiert sind und ihre Besitztümer zurückbekommen.
Aber das macht nichts, denn da „Bandidas“ aus der „Gesehen-vergessen“-Kategorie ist und eine Halbwertzeit von 45 Minuten besitzt, kann man sich das reinpfeifen, ohne das bleibende Schäden hinterbleiben. Allerdings fehlt auch das Sättigungsgefühl.

Und angesichts der Zielgruppenorientierung finde ich diesen Film ja schon fast wieder diskriminierend… (5/10)

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