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„Dead Cold“ ist ein ganz netter Psychothriller der Güteklasse B von B-Actionregisseur Kurt Anderson.
Eric Thornsen (Chris Mulkey) und seine Frau Alicia (Lysette Anthony) wollen an sich nur ins Ballet fahren, als sie jemanden auf der Straße anfahren. Doch der Unfall stellt sich als Falle heraus: Der vermummte Unbekannte ist gar nicht verletzt, schießt Eric nieder und klaut das Auto des entsetzten Paares. Der Anfang baut recht geschickt Spannung auf; vor allem das ominöse Telefongespräch über Mord stiftet Verwirrung, erst recht wenn man bald erfährt, dass Eric sein Brot mit Romanen und Drehbüchern über Krimis verdient.
Vier Monate später: Eric leidet immer noch unter den Nachwirkungen der Schusswunde, sowohl körperlich als auch seelisch, weshalb er und Alicia ihre zweiten Flitterwochen verbringen wollen. Sie fahren dafür aus L.A. hinaus und mieten eine komfortable Hütte in den verschneiten Bergen. Die Location von „Dead Cold“ ist ganz gut gewählt, denn die menschenverlassenen Berge bauen eine ziemliche Spannung auf.

Kurz nach ihnen kommt Kale (Peter Dobson) ebenfalls in die Berge, ein entflohener Sträfling. Als ihn die dauergeile Tochter des Vermieters erkennt, muss sie dran glauben. Mitten in der Nacht steht Kale vor der Hütte der Thornsens: Angeblich ist seine Auto liegen geblieben und er bittet um Hilfe. Eric lässt den jungen Mann hinein und bietet ihm an die Nacht bei ihnen zu verbringen...
Im Gegensatz zu Andersons vorherigen Regiearbeiten kommt „Dead Cold“ überraschend subtil daher, was den Film vor allem in der ersten Hälfte ganz gut trägt. Hier wird die Bedrohung subtil inszeniert und die Spannung erreicht ein mehr als solides Niveau. Einzig und allein trashig wirkt die unmotivierte Tittenszene. Durch den Mord an der Tochter, auch wenn er nicht zu sehen ist, ist schon ganz klar, dass Kale gefährlich ist und sich das Ehepaar in Gefahr befindet, während er sich bei ihnen aufhält.
Dann in der wesentlich kürzeren zweiten Hälfte kommt schließlich die relativ überraschende Auflösung, was in Wahrheit hinter dem Auftauchen Kales steht. Die macht auch Sinn und kommt dennoch unerwartet. Allerdings merkt man, dass die Auflösung jetzt auch kommen musste, da ansonsten die Phase der subtilen Bedrohung zu lange gedauert hätte. Leider fällt die Auflösung arg simpel aus und man hätte vielleicht etwas komplexere Ideen bereithalten können.

Doch da es noch nicht für den Showdown ist, lässt „Dead Cold“ hier nach und streut jede Menge Füllmaterial ein (z.B. sich wiederholende Szenen oder überflüssige Dialoge), ehe es dann zum Finale mit Mord und Totschlag kommt, wie es halt zu den meisten Psychothrillern gehört. Von besagtem Mord und Totschlag gibt es dann auch ein paar relativ einfallsreiche Szenen zu sehen ehe dann Ruhe im Karton ist.
Die Darsteller sind nur von geringer Zahl, da in den atmosphärisch einsamen Bergen kaum Leute wohnen. Vom Gesicht her bekannt sind Chris Mulkey und Michael Champion als ihr Vermieter, während man den Rest gar nicht kennt. Die Darsteller agieren allesamt auf ganz nettem B-Niveau.

Zwar hat Kurt Anderson mit seinen B-Actionfilmen schon besseres gemacht, aber „Dead Cold“ ist dennoch ein ganz netter Psychothriller, auch wenn die Auflösung etwas mau ausfällt und es vor dem Showdown etwas langweilig wird.

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