Zu den überall und auch umsonst erhältlichen Thrillern aus der gut gepackten Gruselschublade der frühen 80er zählt sicherlich auch der in Deutschland als „Starkstrom“ auf Video präsentierte „Bells“ aka „The Calling“ aka „Murder by Phone“ aka „Hells Bells“ aka „Tod aus dem Telefon“ – der aufmerksame Zuschauer spürt da schon das Nischenprodukt während der großen Horrorwelle, weil offenbar keine Betitelung markant genug war.
Am überraschendsten ist sicherlich, dass „Bells“ ein Kinofilm war, er spielt zwar in New York und damit an entsprechenden Originalschauplätzen (zumindest zeitweilig), aber er könnte genauso gut eine Prestige-TV-Produktion gewesen sein, denn der Aufbau erinnert an die typischen Gruselfilme, wie sie schon in den 70ern in den Networks beliebt waren.
Auslöser der Handlung ist ein Mörder, der seine Opfer mittels eines über das Telefon übertragenen Starkstromschlags tötet. Das Motiv ist nicht wirklich sofort ersichtlich, aber das Prozedere ist so aufwändig, dass allein von der Anlage her faszinierend ist. Die Elektrizität, die hier problemlos durch die Kabel fließt, steigert sich nach Abnahme des Hörers und bringt nämlich diesen dann am Höhepunkt zum Schmelzen. Die Macher erwecken hierbei – sehr einprägsam – den Eindruck einer Explosion, die das Opfer quer durch die Gegend oder Wohnung fliegen lassen, was aber später immer irritiert, wenn ständig die falschen Schlüsse und Analysen aus den Todesfällen bezüglich Todesursache gezogen werden. Während der Hörer sich meist verflüssigt, bleibt alles andere ganz und gar plötzlich haben die Opfer keine signifikanten Verbrennungen mehr, nicht mal da, wo der Strom eingedrungen ist.
Die Hauptrolle zwecks Enthüllung gönnte sich Richard Chamberlain, der hier als technikaffiner Dozent als Erster durch einige Ermittlungen auf die Spur der Anschläge kommt, die sonst überhaupt niemand als solche wahrnimmt.
Dabei kommt er der lokalen Telefongesellschaft auf die Spur, bei der offenbar – damals Sci-fi, heute gängige Praxis bei Google und Co – mehr an Daten, Infos und Zugriffsmöglichkeiten gespeichert wird, als offiziell verlautbart und die sich auch nicht in die Karten schauen will, egal von wem. Ein bisschen spät, aber leichte Anklänge an die "bösen" Firmen aus dem 70er-Paranoiakino sind noch zu spüren.
Der Plot ist recht gradlinig, hat aber das Problem, dass seine Mordmethode im Film einfach immer wieder ohne große Variationen nur wiederholt werden kann, was die erste Hälfte wesentlich spannender als die zweite macht, allerdings kann der latent unterentwickelte Verschwörungsplot, der dann aufkommt, immerhin für Suspense sorgen, wenn man sich fragt, welchen Anruf Chamberlain und die ihm assistierende Sarah Botsford noch annehmen dürfen. (Und natürlich ruft man sich gegenseitig ständig noch an...)
Generell ist die Erzählweise etwas unausgeglichen, denn der als Zweiter in der Besetzungsliste stehende John Houseman spielt als intellektueller Besserwisser-cum-Lobbyist schön am Thrillerteil des Films vorbei, während Chamberlain dank seiner ungelenken Privatermittlungen schon irres Glück haben muss, damit der weibliche Lead (der wegen ihm gefeuert wird) ihm überhaupt noch die Tür aufmacht. Stand aber halt so im Drehbuch.
Es ist alles also nicht besonders logisch, aber einigermaßen spannend und nach ruhigem Beginn auch recht abwechslungsreich, weswegen ich den Film für Thrillerfans mit einem Knack für Unwahrscheinlichkeiten auch ohne weiteres empfehlen würde, hat er doch in Michael Anderson (Logans Run, Orca, Quiller-Memorandum, In 80 Tagen um die Welt) einen kompetenten Regisseur an seiner Seite, der das Geschehen in der urbanen Metropole stilsicher auf der Schwelle zwischen dem Dreck der späten 70er und dem aufkommen Computerzeitalter der 80er inszeniert. Klein, nicht rein, aber weitestgehend fein. (7/10)