kurz angerissen*
Der Titel mag unverblümt auf die Klientel abzielen, die sich gerade noch am "Texas Chainsaw Massacre" delektierte und nun Nachschlag verlangt. Zufriedengestellt werden irritierenderweise aber nicht etwa die Jünger des Gore mit Lätzchen um den Hals und Messer und Gabel in den gepressten Fäusten, sondern hauptsächlich Freunde skurriler Sitcoms und minimalistischen Humors. Der Komiker Jackie Vernon zündet in der Hauptrolle ein klatschnasses Einmann-Feuerwerk, das sich im Mund zusammenzieht wie trockener Rotwein. Seine Pointe ist es, eben gerade nicht krachend in der Luft zu explodieren, sondern schulterzuckend auf das armselige Resultat einer Fehlzündung herabzublicken.
Also definiert sich jedes der punktuell auftretenden Highlights nicht etwa über hemmungslose Entladung, so wie man es vom klassischen Slasher gewohnt ist. Im Gegenteil, alles dreht sich darum, den Aufbau einer jeden Szene im Keim zu ersticken. Der sexuelle Akt endet in Ernüchterung und die Kills verlieren sich im Off. In einer Traumsequenz wird ein nacktes Mädel zwischen gigantischen Sandwich-Scheiben nicht etwa entblättert, sondern mit Mayonnaise zugeklatscht, bis kaum mehr ihre Silhouette zu sehen ist. Und schlussendlich pinkelt Vernon in den eigenen Wohnzimmer-Kamin, wie um ein symbolisches Ausrufezeichen zu setzen.
"Microwave Massacre" ist so gesehen eine Art Antithese des Slasher-Films; wie "American Psycho", nur eben ohne Yuppie-Irrsinn, sondern aus der Perspektive eines einfachen Handwerkers mit schlichtem Gemüt. Claire Ginsberg als seine Film-Ehefrau ist ein brillanter Katalysator für den Werdegang vom Nobody zum Serienkiller; ihr Gekeife in einem aus der Totalen gedrehten Esszimmer und ihre Werbekanal-Begeisterung für eine Mikrowelle mit den Ausmaßen eines Computers aus dem Jahr 1975 sorgt erst für den sehr speziellen, stark überzeichneten Sitcom-Anstrich - insbesondere, wenn Vernon die Vierte Wand zu durchbrechen beginnt, um sich Hilfe suchend an den Zuschauer zu wenden. Selbst der Schauplatzwechsel ähnelt jenem einer täglichen Dosis Alltag: Wohnung, Baustelle, Kneipe. Wohnung, Baustelle, Kneipe. Und noch einmal.
Die Optik ist unheimlich schäbig und die Inszenierung meist statisch - die perfekten klimatischen Voraussetzungen also für den Humor des Mannes, der immerhin "Frosty The Snowman" gesprochen hat. Von der irreführenden Präsentation sollte man sich nicht lenken lassen; auch wenn es außer ein paar Gummi-Armen (und einem überdimensionalen Sandwich mit Gummi-Krabbe), ein wenig Gesäge und Kannibalismus für den Bauern von Welt nicht viel abzuräumen gibt... "Microwave Massacre" bringt die Perversion zivilisatorischer Errungenschaften trocken auf den Punkt. Tauscht man die Mikrowelle gegen das Smartphone, besitzt seine Aussage sogar heute noch Gültigkeit; dafür gibt's einen Extra-Punkt.
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