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Nur die Stärksten überleben

Vier Männer, vier Geschichten und ein Knast, in dem Korruption an der Tagesordnung ist.

Andy Lau (Tony Leung Ka Fai) will den Mord an seinem zukünftigen Schwiegervater aufklären. Der Attentäter sprengt sich kurz darauf im Auto in die Luft. Weitere Recherchen ergeben, dass der Mörder laut Polizeiakte eigentlich schon tot ist. So begibt er sich undercover in das Gefängnis, um auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.

In diesem besagten Knast sitzt schon seit geraumer Zeit John Liu (Sammo Hung) ein. Sein größter Wunsch ist es, seinen Sohn an seinem Geburtstag wieder zu sehen. Über den Umweg der Gefängnisküche gelingt ihm die Flucht, allerdings wird er schon kurze Zeit später wieder verhaftet.

Zur gleichen Zeit plagen Billiardcrack Steve Tong (Jackie Chan) ganz andere Probleme. Er soll aufgrund einer Wette ein Spiel verlieren, weigert sich aber und im darauffolgenden Handgemenge wird seine Freundin schwer verletzt und braucht eine neue Niere. Er versucht beim Pokern das schnelle Geld zu machen, wird erneut bedroht und tötet unabsichtlich seinen Gegenspieler, was ihn ebenfalls ins Kittchen befördert.

Der Bruder (Andy Lau) des Verstorbenen schwört Rache und befiehlt, Steve im Knast zu töten. Als das nicht funktioniert, lässt er sich selbst einschleusen, um ihn persönlich kalt zu machen.

Alle vier sind aber letztendlich nur Bauern im perfiden Schachspiel des korrupten Gefängnisdirektors. Ihre Hinrichtungen werden vorgetäuscht, um sie letztendlich auf ein Himmelfahrtskommando ohne Rückkehr zu schicken.


The Prisoner oder Island On Fire ist gewiss keine leichtverdauliche Kost. Vielmehr ist es ein harter Gefängnisthriller (zu jener Zeit sehr angesagt, siehe auch Lock Up oder Mit Stählerner Faust) mit vielschichtiger Story und auch ruhigen, emotionalen Zwischentönen.

Einen wirklich fatalen Fehler gibt es auszumachen: Jackie Chan wird als Hauptdarsteller angepriesen. Es geht sogar so weit, dass der Titel im Film selbst geändert wurde in Jackie Chan's The Prisoner. Das erweckt natürlich den Eindruck, dass wir es hier mit einem typischen Jackie Chan Film zu tun haben, der viele Kloppereien und Komik beinhaltet.

Wer das erwartet ist leider auf dem völlig falschen Dampfer. Jackie hat eine eigene Story, ist aber nicht die Hauptfigur in diesem Streifen. Auch mag verwundern, dass er hier gar nichts von seiner komischen Seite zeigt (nur angedeutet in einer kurzen Szene), am Ende gar zahlreiche Soldaten erschießt und schließlich sogar stirbt. Das dürfte Wohl ein Unikum in seiner Filmkarriere gewesen sein.

Sieht man sich den Film allerdings mit diesem Hintergrundwissen an, wird recht schnell klar, dass es sich um ein wohl oft unterschätztes Kleinod handelt. Zwar sind die Subplots ein wenig ungeschickt in die eigentliche Hauptstory eingearbeitet, aber mit etwas Konzentration verliert man aus Zuschauer nicht den roten Faden.

Die schonungslose Brutalität und die Willkür der Gefängniswärter wird in vielen Szenen deutlich. Da wirkt es schon als Fremdkörper, wenn Sammo Hung einer Frau im strömenden Regen bei einer Reifenpanne hilft und durch die Scheiben ihre Möpse begutachtet. Nette Idee, passt aber nicht wirklich in so einen ernsten Film.

Es gibt verschiedene Schnittfassungen des Films, wobei die Taiwan-Version am empfehlenswertesten ist. In der US-Version, die ich geschaut habe, fehlt gut eine halbe Stunde an Handlungssequenzen, die für ein besseres Verständnis sicher nicht verkehrt gewesen wären. Die Synchro hört sich leider auch amateurhaft an. Von der deutschen FSK16-Version sollte man hingegen komplett die Finger lassen, da diese komplett verstümmelt ist.

Ein äußerst sehenswerter Film, in dem neben Jackie Chan auch andere Größen des HK-Kinos brillieren. In der richtigen Fassung darf er gerne in der Sammlung stehen.

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