Review

Polizist Andy (Tony Leung Ka Fai) untersucht den Mord an einem Kriminellen, der per Autobombe in die Luft gejagt worden ist. Laut Computer sollte der aber schon längst exekutiert worden sein. Andy vermutet, dass es im Gefängnis nicht mit rechten Dingen zugeht und ermittelt dort von nun an Undercover als vermeindlicher Schwerverbrecher. Dort findet er die Freunde Charlie und John (Sammo Hung), aber auch eine Menge Feinde. Täglich eskaliert die Szene im Gefängnis, und so befinden sich die drei in einem ständigen Überlebenskampf. Wenig später wird der unschuldige Steve (Jackie Chan) ebenfalls eingebuchtet, weil er versehentlich einen Barschläger und Spieler tötet. Nach harten Monaten im Gefängnis, die ihnen alle Kräfte kosten, täuscht man ihren Exekutionstod vor und sie erhalten eine zweite Chance als Mitglieder eines Himmelfahrtskommandos.
Die internationale Version des asiatischen Gefängnisdramas wird wie immer als Jackie Chan-Film vermarktet, stimmt aber so nicht ganz. Die Martial Arts-Ikone spielt zwar einen entscheidenden Part, aber die Hauptrolle hat klar Andy-Darsteller Tony Leung Ka Fai. Wer also ein fröhliches Slapstickwerk mit Martial Arts-Einlagen erwartet, liegt völlig falsch. Yin-Ping Chus Regiewerk basiert auf einem Buch von Lee Fu und Yun Chiao Yeh und zeigt schonungslos den Alltag von Inhaftierten eines grausamen Gefängnises voller Schwerverbrecher. Der brutale Film ist hart und ernst, seine Stimmung düster und beklemmend und läßt keinen Platz für heiteren Sonnenschein. Die Insassen gehen nicht gerade nett miteinander um, es herrschen Intrigen und kleine Grüppchen bekämpfen sich gegenseitig...sei es in Faustkämpfen oder mit rostigen Messern. Das geht soweit, dass sich die Gefangenen gegenseitig anzünden. Auch die korrupte und brutale Gefängnisaufsicht gibt ihren Teil dazu bei, verprügelt die Inhaftierten, bestraft sie mit Aufenthalten im "Hole" oder kommandiert sie ab zu Schwerstarbeiten. Wie für Eastern üblich, sind die Kämpfe prima choreographiert. Der brutale Kampf zwischen Jackie Chan und einem anderen skrupellosen Inhaftierten ist besonders hervorzuheben. Allgemein sind Jackies Prügeleinlagen nicht wie in seinen anderen Filmen, sondern äußerst kalt und brutal und passen sich hervorragend der ernsten Atmosphäre an. Der Gefängnisalltag ist also an allen Ecken und Enden realistisch und schockierend dargestellt.
Das Schicksal der Insassen weiß zu bewegen. Besonders die vier Charaktere Andy, John, Charlie und Steve stehen im Vordergrund und der Zuschauer quält sich mit ihnen förmlich durch's Werk. Die Figuren sind tiefsinnig und entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Menschen sind hier keine ersetzbaren Figuren, sondern bewegende Schicksale. Rührend auch die Szene, in der Sammo versucht, aus dem Gefängnis auszubrechen, um seinen Sohn zu besuchen, der denkt, sein Vater sei Geheimagent. Dramatische Elemente finden sich im Film glücklicherweise en masse, über mangelnde Tiefe kann sich hier keiner beschweren. Auch sämtliche Darsteller verkörpern ihre Rollen exzellent. Vorallem Tony Leung Ka Fai gibt eine prima Vorstellung, aber auch Jackie Chan hat seine ernsthafte Rolle gut drauf.
Der Film bleibt dank der interessanten Charaktere und der düsteren Atmosphäre bis zum Schluss spannend. Man will einfach wissen, wie die Story ausgeht und was aus den Figuren wird. Die Antworten, die sich der Zuschauer während des ganzen Films hindurch stellt, werden dann endlich beantwortet. Zum Abschluss folgt noch eine harte und dramatische Actionsequenz mit massig Gunfights. Ein paar davon hätten eventuell etwas besser inszeniert werden können, gehen aber insgesamt gesehen schon in Ordnung und zeigen ein paar recht gute Bilder.
Insgesamt bleibt zu sagen, dass "The Prisoner" ein absolut ernstes, authentisches und bitterböses Gefängnisdrama ist, dessen Gewaltpegel stets hoch oben bleibt und schockiert. Die üblichen Witzchen findet man hier nicht oft - aber sie werden auch nicht vermisst. Vielmehr kann der Film durch seine düstere Atmosphäre und seine Spannung bis zum Schluß überzeugen. Absolut empfehlenswert, vorallem für Fans!
Tip: Wie immer gilt es, die deutsche Fassung zu meiden (vorallem die FSK16). Wer den Film richtig genießen will, sollte auf die Hong Kong-Version zurückgreifen, oder wenn es sein muss, selbst noch auf die amerikanische. Der taiwanische Print hat übrigens viel mehr Handlungsszenen als die ursprüngliche Version - für Fans vielleicht interessant.

Details
Ähnliche Filme