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Inhalt:

Japan, in der sich langsam ihrem Ende neigenden Tokugawa-Epoche (1603-1867), als der Shogun als das Oberhaupt aller Samurai über das Land herrschte. Hanpei (Raizo Ichikawa) ist ein Mann mysteriöser Abstammung, wohl an einem Fürstenhof geboren, doch wird er noch als Säugling nachdem seine Mutter wohl nur kurz nach der Entbindung verstarb, in die Obhut eines älteren, niederangigen Land-Samurai gegeben, weit außerhalb der Hauptstadt.

Über 20 Jahre vergehen. Hanpei ist ein Mann mit besonderen Talenten und Fähigkeiten, so ist er u.a. ein begabter Florist. Dies bringt ihn an den Hof eines örtlichen Daimyo, dem Fürsten Masanobu (Rokko Toura). Unscheinbar und bescheiden, verübt Hanpei seinen Dienst am Hof des Fürsten, dessen Vasallen Hanpei dennoch argwöhnisch betrachten.

Fürst Masanobu ist psychisch schwer krank, und verfällt immer mehr dem Wahnsinn, zudem ist er ohne Erben. Eine Situation, die an sich vom Shogunat mit der Liquidierung des Daimyos, der Auflösung des Hofs und der Konfiszierung des Besitzes geahndet wird. So darf darüber nichts an die Behörden des Shoguns gelangen, um das Überleben des Daimyos und des Hofes einstweilen zu gewährleisten. Die Gefahr, dass Spione des Shogunats den Hof bereits infiltriert haben, und ihr Wissen weitergeben ist indes sehr groß!

Hanpei begegnet im Wald einem Ronin, Yaichiro (Asao Uchida), einem Meister des Kenjutsu -der Schwertkunst der Samurai- und Iaido (Schattenfechten), der seine Techniken im Wald übt. Yaichiro zeigt Hanpei seine Techniken, Hanpei ist auch hier überaus talentiert und lernt sehr schnell.

Kikuma Kanbei (Kei Sato), der 1. Sekretär am Hof des Daimyos Masanobu), will den Hof retten, und weiß um die Fähigkeiten Hanpeis. Und setzt diesen geschickt ein, um die Spione am Hof zu bekämpfen. Auch rettet Hanpei die bildschöne Osaki (Michiko Sugata), eine bäuerliche Magd, bevor sie einem Missbrauch anheim fällt. Es kommt zu einigen Kämpfen.

Doch damit nicht genug. Eine Gruppe der Vasallen des Fürsten um Tadokoro (Akihisa Toda) und Tanakura (Gen Kimura) neigt zum Verrat. Einige dieser Männer wollen nach Edo, um dem Shogunat Meldung und den Wahnsinn des Lords Masanobu öffentlich zu machen, wodurch Masanaburo Endo der neue Daimyo werden soll. Hanpei kann dies in blutigen Kämpfen vereiteln.

Schließlich erreicht Hanpei aber durch Kanbei die Nachricht, dass der Fürst verstorben und er somit von allen Aufgaben entbunden ist. Doch Hanpei hat sich viele Feinde gemacht, die sich nunmehr rächen wollen.

Es kommt zum langen, dramatischen Showdown, Hanpei gegen über ein Dutzend Samurai, ein blutiger Kampf auf Leben oder Tod...!

Kritik:

Im Jahre 1965 legte Meister-Regisseur Kenji Misumi, der auch einige Filme der Zatoichi- und Okami-Serials dirigierte, diesen insgesamt sehr schönen, exquisit-vorzüglichen Chanbara vor. Es entstand hier ein starker Genre-Beitrag, der den Ruf des Regisseurs weiter festigte, und ein kleines, feines Meisterwerk ist!

In hell-klaren Bildern, bildkompositorisch auf exzellentem Niveau, vor allem outdoor in wundervoller japanischer Landschaft mit pittoresken Wäldern, Tälern und felsigen Flussufern unter strahlend blauem Himmel, aber auch authentisch-altjapanischen Kulissen, sowie mit einer detailliert-üppigen Ausstattung versehen, wird hier eine gediegene Chanbara-Atmosphäre geschaffen, die aus "Sword Devil" ("Ken Ki") auch einen visuell-dekorativ bestechenden Streifen macht. In all dem wird eine insgesamt spannende Story um einen Mann gestaltet, der sich von einem zurückhaltend-schüchternen Gartenbauer zum Kenjutsu-Fighter, zu einem "Teufel mit Schwert" wandelt. Mit dieser anspruchsvollen Bildführung versehen, wird die Story einmal mehr -typisch für japanische Jidai Geki- gemächlich erzählt, doch auch ungemein spannend, flüssig-kompakt und intensiv.

Es ist wirklich auch etwas speziell und erstaunlich: Obgleich die Laufzeit nur 83 Minuten beträgt, wirkt der Film ob der Bilder, der Intensität, den Darstellungen und der ambitionierten Story-Erzählung komplex, und auch viel epischer, als wie man es bei der dafür relativ kurzen Laufzeit denken würde. So ist denn "Sword Devil" ein in seiner Handlung und Atmosphäre sehr dicht inszenierter Chanbara. Eine detaillierte und authentische Ausstattung kommt noch hinzu, und die Darstellungen der Akteur*Innen sind intensiv, so wie der ganze Film intensiv wirkt. Und "Sword Devil" ist natürlich auch ein Chanbara-Actioner, etliche Fights lockern alles auf, bringen aber auch die Handlung dieses Streifens voran.

Raizo Ichikawa ist hier der Held, ein spezieller Hero, was eine gewisse darstellerische Leistung erforderte. Zurückhaltend, schüchtern, zunächst im Range niedrig, ja oft auch Argwohn und Misshandlung ausgesetzt, mutiert diese Figur durch viel Talent und besonderen Skills zu einer Kenjutsu-Kampfmaschine, zu einem Mann mit immer mehr Einfluss darauf, eine Daimyo-Dynastie vor dem Untergang zu bewahren. Die Entwicklung dieser Figur besitzt zunehmend eine immer erstaunlichere Eigendynamik, was die Intensität dieses Chanbara stützt. Raizo Ichikawa spielt das entsprechend, ein besonderer Held in diesem nicht nur reinen Actioner.

Das Ensemble agiert insgesamt solide, man kann eigentlich keinen da so herauspicken, all die Vasallen, darunter Spione und Verräter. Sie schreien, diskutieren, gestikulieren, reiten, fighten, und und und. Auch das stärkt die Intensität dieses Films. Einer fällt denn doch noch auf: Kei Sato, der die Strategie entwirft das Daimyo-Haus zu retten, und dabei auf den speziellen Helden zurückgreifen muss, dessen Fähigkeit er erkennt und schätzt. Kei Sato ist deutschen Fans japanischer Action-Filme und -Serien natürlich insbesondere als Ober-Schurke in der japanischen Erfolgs-Serie "Die Rebellen vom Liang Shan Po" geläufig.

Die weibliche Rolle hat hier die bildschöne Michiko Sugata, als bäuerliche Magd stets mit Gemüse im Korb auf ihrem Rücken. Sie spielt tapfer, oft ängstlich und der maskulinen, natürlich sexuell motivierten Gewalt ausgesetzt, aber Ichikawa beschützt sie. Ihre Figur entwickelt so denn Gefühle für den Helden, was vor allem in den letzten dramatiscen Sekunden des Films, als sie verzweifelt nach ihrem Geliebten schreit, offenkundig wird. Und Michiko Sugata, die äußerst attraktive Actrice würde ich wohl nur abweisen, wäre ich mit Eva Savagiou und Mikayla Demaiter liiert (tja, von was ich so träume).

"Sword Devil" ist natürlich auch ein Chanbara-Actioner und von Gewalt geprägt. Und was für furiose Kenjutsu-Fightaction wird den Fans des Genres hier geboten! Zackige, dynamisch-rasante Schwertkämpfe, wieder mit dieser gewissen Hast, aber die Fights sind sehr stark choreografiert, jeder aufschlitzende Schwerttreffer sitzt und ist erkennbar. Tolle Fightaction, und das Finale ist mit "1 vs. 12+" natürlich das blutig-dramtische Highlight, inmitten einer blumig-pittoresken Szenerie.

"Sword Devil" ist ein starker, intensiver, sehenswerter Chanbara für die eingefleischten Fans des Genres. Gefiel mir sehr gut!

8,5/10.

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