Was „American Graffiti“ in den 70ern für die 60er, markiert „Fast Times an Ridgemont High“ in den 80ern für die auslaufenden 70er. Jede Generation hat Kilometerstein an Schulabschlußfilm, hier bahnte sich mal wieder etwas völlig Neues an.
Drehbuchautor Cameron Crowe war gerade mal 25 Jahre alt, als er das Skript für diesen Erfolgsfilm schrieb und rückblickend erscheint der Film wie ein Omen, denn eine wahre Flut an Teenagerkomödien und Schulfilmen sollte in den nächsten fünf Jahren auf ein kinowilliges Publikum losgelassen werden, darunter eine ganze Reihe von Klassikern.
„Fast Times…“ zählt auf jeden Fall zu den Urvätern.
Crowe schrieb das Buch (das Skript basiert auf dem Buch) basierend auf eigenen Erfahrungen und so gerät der fertige Film, der innerhalb von 80 Minuten ein komplettes High School Jahr vergehen lässt, nicht zu einer typischen High School Comedy, sondern auch zu einer Situationsbeschreibung einer Gruppe von Teenagern am Ende ihrer Kindheit.
Die Szenen in der Schule sind relativ rar gesät, mehr Zeit sieht man die Jungs und Mädchen in ihren schlechtbezahlten Nebenjobs verbringen, als Imbißkoch, Schwarzmarktverkäufer, Kinoanweiser. Es ist die Zeit, sich Gedanken zu machen, was man mit seinem Leben anfangen will, ohne zu realisieren, wie gut oder schlecht die Perspektiven sind.
Man lebt, hat Spaß, arbeitet und hat Sorgen. Man will einen Freund oder eine Freundin oder zumindest Sex, denn irgendwie muß man es ja lernen. Man macht Erfahrungen, wird enttäuscht, geht auseinander und trifft sich wieder. Leben in Kreisen…
Symptomatisch für diese episodenhafte Handlung, bei der man höllisch aufpassen muß, weil im Nu Monate vergangen sind, ohne dass Unterschiede sichtbar werden, sind die Fehler, die die jungen Leute machen.
Crowe typisiert nicht so stark wie etwas John Hughes in „Breakfast Club“, teilt nicht so stark in Gruppen ein, auch wenn der beinahe einzige schwarze Schüler der Schule hauptsächlich wegen seiner Footballkünste dort ist (ein sehr junger Forest Whitaker).
Einziger Ansatzpunkt für die typische Comedy ist sicherilch Jeff Spicoli, ein komplett hirniger Surfdude, der aber nie hinterfotzig, sondern immer gut drauf ist und dem Sean Penn in seinem erst zweiten Kinofilm ein unverwechselbares Gesicht gibt.
Dennoch mischen sich immer wieder bittere Töne in die Handlung, die im Grunde mehr ein Drama in der Tradition von „American Graffiti“ ist, mit melancholischen Seitenhieben.
Jennifer Jason Leigh etwa lässt sich bewusst von einem älteren Mann auf die Schnelle entjungfern, sucht eine dominante Männerfigur, wird schwanger, lässt abtreiben und driftet dann doch wieder auf den Richtigen zu. Schwarzhändler Demone etwa kommt erst als Aufschneider rüber, dann als Kumpel, dann als Kumpelbetrüger, stiehlt sich als ungewollter Vater aus der Verantwortung und doch geht das Leben weiter. Gleichzeitig macht Judge Reinhold eine ganz andere Entwicklung durch, während er von einem Burgerladen in den nächsten gerät, seine Würde zeitweise findet, aber nicht sein partnerschaftliches Glück, bis sich am Schluß neue Zeiten ankündigen.
Mal abgesehen von einer eher miesen deutschen Synchro gibt es (neben ein paar blanken Brüsten) aus heutiger Sicht in „Fast Times…“ wenig zu lachen, manchmal zu grinsen, aber das ist es schon. Für damalige Verhältnisse (der Film spielte das Sechsfache seiner Kosten in den USA ein) war er sicher zukunftsweisend, ein Ton, den auch der Film an sich mit seiner Coming-of-Age-Message vertritt, während sogar im Film auf das Aufkommen von New Wave hingewiesen wird, der nun wohl auch die Westküste erreicht hatte.
Rückblickend sicher eher ein filmischer Zwitter und damit für uns mehr ein Dokument einer vergangenen Zeit, aber gut gespielt (wenn auch alle etwas alt für ihre Rollen sind) und jenseits der typischen Albernheiten späterer Teenie-Auswüchse. (6/10)