Mit dem Fertigungsjahr 1982 gehört „Fast Times at Ridgemont High“ zu den frühen Vertretern des Teeniefilms der 80er – und überraschenderweise auch zu den reifsten.
Immerhin handelt es sich um das Drehbuchdebüt von Cameron Crowe, der mit seinem Regiedebüt „Say Anything“ ähnlich nachdenkliche Pfade im Teeniefilm der 80er einschlagen sollte. Crowe recherchierte selber unter Schülern und versucht eher ein Generationsporträt, bei dem die Figuren mehr oder minder gleichberechtigt dastehen, es also keinen echten Mainplot gibt. Relativ zentral sind Stacy Hamilton (Jennifer Jason Leigh), auf der Suche nach einem Freund, der etwas taugt, und ihr Bruder Brad (Judge Reinhold), der von der Sonnen- auf die Schattenseite des Teenagerlebens wechselt, als er Nebenjob und Freundin kurz hintereinander verliert…
Hierzulande versuchte man den Film dann als Komödie zu vermarkten, daher der Titel „Ich glaub’ ich steh’ im Wald!“ als Analogie zu den gröberen Komödien „Ich glaub, mich tritt ein Pferd“ und „Ich glaub’ mich knutsch ein Elch!“, sowie das prominente bis alleinige Zeigen von Surfer- und Stonerdude Jeff Spicoli (Sean Penn) auf den Video- und DVD-Covern. De facto ist Jeff jedoch die einzige Figur, die als klares Comic Relief angelegt ist, und selbst ist hier ist „Fast Times at Ridgemont High“ bei weitem nicht so platt wie manch anderer Genrekollege: Sein Konflikt mit dem Geschichtslehrer wird durchaus ernst beleuchtet, gerade gegen Ende des Films, wenn Jeff eine Lektion fürs Leben lernen muss.
Nicht, dass „Fast Times at Ridgemont High“ unlustig ware: Immer wieder gibt es komische Situationen und Wortwitz, doch nie im Übermaß. Stellenweise wird es sogar richtig ernst, denn Unsicherheit um den Platz im Leben, Enttäuschung durch Menschen, denen man vertraut und sogar Abtreibungen thematisiert Crowes Script, das sich gefühlvoll in die Lebenswelt der amerikanischen Teenager eindenkt. Selbst das Vorkommen gewisser Stereotypen begründet sich auf gewissen Wahrheiten: Der nette Typ, der genau deshalb von den Frauen verschmäht wird, wer kennt die Situation nicht, hat sie mal selbst oder bei Bekannten erlebt?
Leider übernimmt sich Crowe mit seinem Vorhaben möglichst viel darstellen und möglichst viele Charaktere unterbringen zu wollen, denn sein Script kann man wohlwollend als Collage, weniger wohlwollend als Flickenteppich bezeichnen. Das Buch deckt viele Befindlichkeiten ab, doch einen Spannungsbogen baut es nicht auf, was Regisseurin Amy Heckerling auch nicht schafft, und so bleiben die Geschichtchen nebeneinander stehen, lassen teilweise sogar auf unschöne Weise kalt: Selbst die Abtreibungsszene wird mal ebenso nebenher erzählt, Stacy wird vom großen Bruder abgeholt, der sich als verständnisvoll erweist, und danach ist es auch schon fast gut damit – darüber drehen andere ganze Filme. Oder auch der Plotstrang um Brad und seine Freundin, die er erst verlassen will, die ihn dann aber verlässt, als er es nicht mehr will – ein Element, das erst groß eingeführt wird, das danach wirkungslos verpufft.
Insofern will „Fast Times at Ridgemont High“ trotz des stimmigen Flairs (natürlich mit entsprechender musikalischer Untermalung) und seinem Verständnis für Teenagersensibilitäten nicht so recht zur Höchstform auflaufen und das ist schade, hat er doch viele gelungene Momente. Selbst die Nacktszenen des Films rutschen nicht in Richtung von Titten-Klimbim Marke „Porkys“ ab, sondern gerade Stacy ist in diesen Momenten nicht nur körperlich, sondern auch seelisch nackt und wird nach beiden Szenen vor allem auf seelischer Ebene verletzt.
Jennifer Jason Leigh spielt die junge Frau auf der Suche nach Mr. Right dann auch erfrischend vielschichtig, auch Judge Reinhold beweist, dass er mehr kann als bloß den Clown, während Sean Penn noch in einer recht eindimensionalen Rolle gefangen ist. Phoebe Cates als beste Freundin Leighs spielt ordentlich auf, bei Brian Backer und Robert Romanus merkt dann hingegen, warum es nicht zum Brat Pack Starstatus in späteren Jahren reichte. Dafür gibt es diverse Leute am Anfang ihrer Karriere zu sehen: Nicolas Cage als Kumpel Brad ist nur kurz am Anfang zu sehen und das nie in nahen Aufnahmen, ähnlich ergeht es Eric Stoltz und Anthony Edwards als Stoner-Buddies von Jeff, denen immerhin ein paar Szenen mehr gewidmet werden. In einer Nebenrolle kaum gefordert: Forest Whitaker als schwarzer Starfootballer der titelgebenden Ridgemont High.
Wenn es um die Teenagernöte der 80er geht, ist bleibt John Hughes der Meister, der in seinen besten Filmen Witz, das Einfangen eines Lebensgefühls sowie gute Geschichten vereinte. Amy Heckerling und Cameron Crowe gelang hier ein erfreulich gesetzter, schön lebensnaher Film, der aufgrund seiner Collagenhaftigkeit dann aber doch zu sehr Flickwerk ist, um mitzureißen.