„Ich weiß noch immer, welche Nonne du vor 18 Jahren nass gemacht hast!“
Das ist uns vertraut, wir erahnen die Storyline minutenlang im Voraus und doch haben wir unsere genrebedingte Freude daran.
Klappt beim modernen Teenie-Slasher, klappt aber auch bei asiatischen Filmen über Rachegeister.
Hier haben ein paar Spanier das alles kombiniert und daraus einen brauchbaren Nonnenhorror kreiert.
Früh wird dem Zuschauer bewusst, worauf das Ganze hinaus läuft: Vor 18 Jahren befanden sich Schülerinnen im Nonneninternat, unter der autoritären Fuchtel von Schwester Ursula. Während einer Bestrafung ertränken sie den Pinguin in einer Badewanne und in der Jetztzeit kehrt der Geist der Nonne zurück, um sich an ihnen zu rächen.
Gut, zu Beginn ist das schön rätselhaft verpackt, zunächst der Rückblick ins Internat, um einen Eindruck von der strengen Schwester Ursula zu vermitteln, Sprung in die Jetztzeit, wo ein paar Jugendliche eine Highschoolparty feiern und ein weiterer Schnitt zu Mary, die damals eine der Schülerinnen war. Die Waschbecken sprudeln, das Fenster öffnet sich wie durch Geisterhand, eine Geisterstimme ist zu vernehmen und kurz darauf ist Mary tot und wird von Tochter Eve gefunden. Den Geist der Nonne hat sie am Tatort schemenhaft wahrgenommen.
Mit all dem kann der Zuschauer zunächst nicht viel anfangen.
Allerdings werden nach und nach zu deutliche Hinweise gesetzt, die schnell begriffen werden, während Nachforschungen und Rätselraten seitens der Protagonisten zu leichter Langeweile führen, schließlich ist der Zuschauer schon einen ganzen Schritt weiter.
Da kann man sich dann allenfalls an ein paar Morden erfreuen, wie Gliedmaßen abtrennen durch Fahrstuhl, was FX-technisch gut ausschaut oder eine Kreuzigung, die weniger spektakulär geraten ist. Es kommt stellenweise ein wenig Spannung auf.
Aber es wird auch viel geredet und debattiert, die Personen sind einem mal wieder egal und man wartet eigentlich nur auf das Finale im Internat von damals.
Was die Erscheinung der Nonne betrifft, wäre hier weniger mehr gewesen. Die Materialisierung jener durch Wasser sieht soweit ganz ordentlich aus, überhaupt alles, was tricktechnisch mit Wasser betrieben wurde.
Leider schwebt die Nonne aber ein wenig zu computerdeutlich über den Boden und zeigt dummerweise ein paar übertriebene Dämonenfratzen. Ein starrer Blick wäre hier deutlich effektvoller gewesen.
Später wird es dann noch ein wenig atmosphärisch, wenn man im leerstehenden Internatsgebäude ankommt und tatsächlich ein Gefühl von Verlassenheit mit düsterer Vorgeschichte aufkommt. Zwar hätte sich aus der Lokalität noch mehr Spannung herauskitzeln lassen, aber der stimmungsvolle Score gleicht da ein wenig aus.
Es kommt fast wie erwartet, die verbliebenen Schülerinnen von damals handeln völlig entgegen jeder Logik, Eve ist Dreh und Angelpunkt der Szenerie, schließlich gibt es durch ihre Figur einen finalen Plot-Twist und das Tempo wird merklich angezogen.
Der große Wendepunkt am Ende kommt leider sehr abrupt und noch ärgerlicher, er stellt Vorangegangenes deutlich in Frage, wodurch starke Logiklöcher entstehen.
Insgesamt mutet die Story etwas holprig an, zuweilen entsteht eine Menge Leerlauf (der Flug nach Barcelona mit Dämonenfratze am Fenster war völlig unnütz) und die Konstruktion mit dem Rachegeist hätte man deutlicher und zügiger auf den Punkt bringen können.
Dafür sind die Darsteller, trotz ihrer oberflächlichen Charakterzeichnung, recht agil, einige Sets stimmungsvoll und die Kamera arbeitet angemessen variabel.
Eine CGI-Rache-Nonne, viel Wasser und ein etwas aufgesetzt wirkender Plot-Twist, der die ohnehin schon dünne Story richtig brüchig werden lässt.
Wer sich bei „Ich weiß…“ Filmen geborgen fühlt und mit Wassernonnen etwas anzufangen weiß, wird hier aber nicht gänzlich enttäuscht werden.
5 von 10