Barcelona, Ende der Achtziger Jahre: sechs verhaltensauffällige junge Mädchen sind in einem katholischen Internat untergebracht, die als "Besserungsanstalt" ihrer weiteren Entwicklung förderlich sein soll. Die damit beauftragte Schwester Ursula (Cristina Piaget) erweist sich jedoch als tyrannischer Drachen, der den jungen Damen das Leben zur Hölle macht. Als eins der Mädchen schwanger wird, will die resolute Ordensfrau ihr die "Sünde" nachts aus dem Unterleib herauswaschen - und verursacht ein Handgemenge mit den darüber empörten anderen Zöglingen. Seither blieb Schwester Ursula verschwunden, das Internat wurde geschlossen. Knapp 17 Jahre später sind die Mädchen von damals erwachsen, in ihre Heimatländer zurückgekehrt und die Vergangenheit spielt keine Rolle mehr. Eines Tages findet die Amerikanerin Eva (Anita Briem), gerade von einer Party zurückgekehrt, ihre Mutter (die damals mit dabei war) mit aufgeschlitzter Kehle vor: Doch weder sie noch die herbeigerufene Polizei finden Spuren eines Mörders, es scheint als habe ein Geist sie getötet. Gleichzeitig wird auch ein anderer der Zöglinge von damals brutal und unerklärlich ermordet, ebenfalls wie von einem Geist. Einem Geist, der aus dem Wasser emporstieg - so als wenn die verschwundene Nonne Ursula wiedererschienen wäre. Eva will der Sache auf den Grund gehen und reist mit einem befreundeten Pärchen nach Europa an jenen Ort, wo alles seinen Ausgang nahm...
Hinter dem Allerweltstitel The Nun verbirgt sich ein spanischer Mystery-Thriller, der von einer rächenden Nonne handelt und von Anfang an mittels gelungener SFX eine ordentliche Gruselstimmung aufzieht. Handlungstechnisch sind teilweise Parallelen zu Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast zu erkennen, dennoch verfolgt La Monja einen eigenständigen Plot, indem sie die Tochter eines der damaligen Schulmädchen auf eigene Faust ermitteln läßt. Die Isländerin Anita Briem in der Rolle der Eva wirkt dabei publikumswirksam zerbrechlich und verzweifelt, da ihr zunächst nach dem Tod ihrer Mutter niemand ihre Vision eines übernatürlichen Mörders abnehmen will. Als sie schließlich ein anderes Mitglied der ehemaligen Clique kontaktiert, wird dieses kurz vor dem vereinbarten Zusammentreffen ebenfalls grausam ermordet - was Eva jedoch nur in ihrem Anfangsverdacht bestärkt. Mit ihrer besten Freundin und deren Freund macht sie sich auf den Weg in die inzwischen verfallene spanische Schule, die bald einem Wellness-center weichen soll. Bei den Recherchen vor Ort gesellt sich ein spanischer Theologie-Student hinzu, sodaß nun vier junge Leute dem Wassergeist auf der Spur sind. Und dann sind da noch die anderen ehemaligen Internats-Zöglinge, die offenbar ein schreckliches Geheimnis teilen...
Horror-Ikone Brian Yuzna (Re-Animator, Return of the Living Dead III) war als Produzent mit an Bord und läßt - als kleinen Gag - eine Protagonistin einen Film anschauen, in dem gerade bei den Credits sein Name aufscheint; sein Einfluß ist bei den sauber getricksten Wasser-Spielchen unübersehbar. Diese Effekte, wenn beispielsweise das Küchenspülbecken überläuft, obwohl die Hähne geschlossen sind und kein Stöpsel im Abfluß steckt, wenn sich eine Badewanne geisterhaft von selbst füllt oder auch ein Fahrstuhl als Arm-Guillotine herhalten muß, all diese sauber und ohne Hektik dargestellten Effekte tragen den Film, der trotz seiner nicht sonderlich innovativen Story an keiner Stelle langweilig wird. Die Handlung, weitgehend in dezent grau-grünen Bildern abends und nachts abgefilmt, kulminiert dann in einem - natürlich - wässrigen Finale, dessen überraschender Plot-Twist den Film genauso dezent beendet, wie er begonnen hat. Dieser Plot-Twist ganz zum Schluß wirft zwar einige Logikfragen zum vorher Geschehenen auf (z.B. wie kann man in New Jersey wohnen und gleichzeitig in London "aktiv" werden, um es spoilerfrei auszudrücken) doch insgesamt tut dies dem Film keinen Abbruch. La Monja reißt einen zwar nicht vom Hocker, sorgt aber stets für solides Gänsehautfeeling. 6,7 Punkte.