Review

Und wieder mal ein Remake, das die Welt nicht braucht.
Oder naja, vielleicht gibt’s ja doch ein Publikum in Zeiten, wo es sich nicht schickt, noch Filme zu schauen die älter als 10 Jahre sind. Und für wen CGI-Geister aus unerfindlichen Gründen gruselig sind (viele Frauen, Kinder unter 3, Männer unter 78 (IQ)), der hat hier einen hübschen Grusler gefunden.

Wer andererseits seine Jugend nicht im geschlossenen Wäschesack verbracht hat, der ist schon mal über John Carpenters „The Fog“ gestolpert, dessen Geschichte hier erneut aufgedröselt wird und zwar von Rupert Wainwright, der außer dem mäßigen „Stigmata“ und einigen Hiphop-Videos noch gar nichts Besonderes hingekommen hat.
Das Remake gerät zwar nicht deckungsgleich zum Carpenterfilm, hält sich aber in groben Zügen an die Geschichte von 1979, indem er diverse Figuren, diverse Schicksale und diverse Schlüsselszenen miteinbaut.

Insofern benutzte Drehbuchautor Cooper Layne den Leuchtturm, den Radiosender, den Wetterfrosch, Stevie Wayne samt Sohn und alter Frau, Nick Castle, das Tagebuch, die Leprakolonie und den Verrat der Stadtväter und meißelte das alles zusammen, wohl bestrebt, einige Lücken in Carpenters Skript auszufüllen. Ergo gibt es hier mehr Handlung und mehr Dialog, jedoch nicht unbedingt mehr Notwendigkeit.

Die größte Schwäche des Originals war immer die Auswahl der sechs Opfer, die scheinbar unplausibel und zufällig ausgewählt wurden, anstatt die Verräter, bzw. ihre Nachkommen büßen zu lassen. Das hat man hier ausgebügelt, die Stadt strotzt nur so von Nachkommen (inclusive der Hauptfiguren), also von möglichen Opfern.
Dennoch gibt es nicht mehr Substanz, nur unnötige Extraschlenker, die nur beweisen, wie dynamisch und funktionell Carpenter damals gearbeitet hat.

Aber solche Bügelarbeiten ermöglichen den Rachegeistern eine schier unglaubliche Anzahl von Opfern, da werden die Stadtbewohner reihenweise gemeuchelt, vor allem die Stadtobersten, die (oha!) alle unsympathisch rüberkommen. Aus dem Trucker ist ein Bootsbesitzer geworden, aus der Anhalterin die lange verreiste Flamme und die Rolle des Paters zerschrumpft zu einer Fußnote.

Auch gibt es keine „stofflichen“ Geister mehr, keine Untoten, sondern richtige Geistergestalten aus dem Computer, die meucheln, das die Schwarte kracht.
Von sparsamen und atmosphärischen Einsatz hat Wainwright leider noch nichts gehört, genauso wenig von Logik und Anschlüssen. Wen also nicht das Gemeuchel ermüdet, kann sich an reichlich Fehlern erfreuen, wie dem zeitlichen Anachronismus, daß nach der Bluttat 100 Jahre vergangen sein sollen, der Film aber unmöglich 1971 spielt. Ansonsten zerspringen Scheiben und sind am Morgen wieder drinnen, offene Wagenfenster schließen sich wie von Geisterhand (aha!), sobald der Wagen im Meer versinkt, der Quotenschwarze überlebt ne volle Nacht in der Fischkühlung und die Jungen, Schönen und Netten überleben natürlich alle, wie es sich bei einem Teenagerprodukt gehört.

Überflüssigerweise wird das alles dann noch mit ewigen Rückblicken in die Nacht der Schandtat garniert, das Epos in allen Details, ob es nun in der Nacht neblig war oder nicht, scheint egal (womit auch der Nebel seine Funktion verloren hätte, denn das falsche Leuchtfeuer war im Original Ausgangspunkt) – die Leprösen werden betrogen, überfallen, eingesperrt und abgefackelt und das alles in vielen Episoden, epische Breite und ungeheurer Fadheit.

Positiv zu bewerten sind die Tricktechniker, wenn es um den Nebel geht, denn man recht bedrohlich zusammengepixelt hat und die beste Szene ist doch glatt eine neu geschriebene, in der ein Strandsammler am Abendstrand plötzlich vor einem altertümlichen Eßtisch mit Stühlen in der Brandung steht. Also ist Polen nicht verloren oder nicht total.

Die Darsteller können bei sowas natürlich nicht glänzen, weder Maggie Grace noch Tom Welling fallen besonders auf (weder nach unten, noch nach oben), was aber Selma Blair bewogen hat, die hier fast komplett unwichtige Rolle der Stevie Wayne zu ergreifen, will man gar nicht so genau wissen.

„The Fog“ ist genau so geworden, wie sich vermutlich ein moderner Videoclip-Regisseur einen Horrorfilm vorstellt, perfekt aus dem Lehrbuch gefiltert, aber ohne Gespür für Atmosphäre, Spannung oder auch nur einen Hauch von Raffinesse. Ein toter Fisch im Mondschein, er glänzt – aber er stinkt. (3/10)

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