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Mögen Sie Fußball, bevorzugt den von den britischen Inseln? Stört es Sie bei Sportfilmen auch nicht, wenn diese nach „Schema F“ ablaufen?

Wenn beide Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, kann man „Goal!“ uneingeschränkt empfehlen.

„Goal!“ ist kein cineastisches Meisterwerk, beileibe nicht. Aber das will es auch nicht sein. Es ist auch kein Adidas-Werbespot, auch wenn der aufmerksame Betrachter mit etwas Hintergrundwissen diesen Verdacht nicht so ganz verdrängen kann.

Nun gut, die Story ist eigentlich schnell erzählt:

Ein Junge (Kuno Becker, der bisher fast ausschließlich für mexikanische Film- oder TV-Produktionen berücksichtigt wurde, als „Santiago Munez“) aus ärmlichen Verhältnissen träumt den Traum, mit dem Fußball der Armut zu entfliehen. Die Familie, besonders der autoritäre Vater, hält gar nichts davon, die weibliche Bezugsperson (hier die Großmutter) versucht alles, um den Traum des Enkels gegen alle Widerstände wahr werden zu lassen.
Nach einigen Rückschlägen und der obligatorischen Romanze kommt das, was man bei einem solch glatt polierten „Feel Good Movie“ erwarten kann – das Happy End.

Wie gesagt, Schema F.

Aber trotz der Vorbehalte, die so mancher (oftmals berechtigterweise) bei einem Sportfilm wohl hat, ist „Goal!“ ein herauszuhebender Vertreter des doch schwierig umzusetzenden Genres.

Gründe dafür sind die durchgehend glaubwürdig gezeichneten Charaktere und eine damit verbundene Leistung, die man von den zum Großteil vollkommen unbekannten Schauspielern vorgesetzt bekommt.

Ob das mexikanische „Fußballstarlet“ Santiago Munez, der heruntergekommene, ehemalige Spielerscout Glen Foy (gespielt von Stephen Dillane, für mich das persönliche Highlight des Films – aber er ist auch derjenige mit dem markantesten Lebenslauf) oder der überraschend vielschichtig dargestellte „Star der Mannschaft“ Gavin Harris (Alessandro Nivola, manchen vielleicht bekannt als Nicolas Cages Bruder aus Face/Off), ich könnte keinen Charakter bzw. Schauspieler in diesem Film nennen, der seine Sache nicht gut gemacht hat oder bei dessen Ausarbeitung die Drehbuchschreiber geschlampt hätten.

Natürlich, einige Handlungszüge sind etwas unglaubwürdig, oder zumindest stark vom zeitlichen Ablauf gerafft, aber was will man erwarten – der Film besitzt schon in dieser Fassung eine Laufzeit von fast zwei Stunden, und ich wette das Studio hat Regisseur Danny Cannon mehr als einmal darauf gedrängt, sich doch bitte eher Richtung neunzig Minuten Grenze zu bewegen.

Die Gastauftritte vieler Adidas-Werbeträger wie Zinedine Zidane, Raul oder David Beckham werden Fußballfans mit Sicherheit das ein oder andere „Aha“ entlocken, „Product Placement Experten“ werden hier wieder mahnend den Zeigefinger heben (das „Spitzenteam“ Newcastle United, bei dem Munez seine Chance erhält, wird „zufällig“ auch von Adidas ausgerüstet, ach ja, nicht zu vergessen das F50-Fußballschuh-Goal-Sondermodell, dass Santiago Munez werbewirksam spazieren trägt), alle anderen werden sich nicht daran stören, denn dafür sind diese Einlagen Gott sei Dank nicht zu dominant.

Wie schon zu Eingang gesagt, Fußballfans oder Fußballinteressierte werden an „Goal!“ ihren Spaß haben – mit etwas Hintergrund- und Detailwissen zum englischen Fußball sogar noch mehr. Kurzweilig, flott erzählt, gute Schauspieler – einfach ein netter Zeitvertreib. „Goal!“ wird es zwar nicht in die Liste der „Top 100 Filme“ der Nachkriegszeit schaffen, bei den „Top 10 Sportfilmen“ schafft er den Schnitt auf jeden Fall.

Ich bin schon gespannt auf die Teile zwei und drei, schließlich wurde das Projekt von Anfang an als Trilogie angelegt.
Bonmot am Rande, vor ein paar Jahren wurde „Goal!“ als der „Real Madrid Film“ kommuniziert – dies war zur Zeit der „Galacticos“. In Teil zwei wird Santiago Munez die peinlich unerfolgreiche, aber immerhin von Adidas gesponserte, Truppe aus der spanischen Hauptstadt verstärken und bestimmt dort die Champions League gewinnen; Teil drei soll sich Gerüchten zufolge um die Fußball-Weltmeisterschaft drehen – Problem: Munez ist Mexikaner, Mexiko wird aber von Nike ausgerüstet. Wird Munez also Spanier, denn die stehen bei den Herzogenaurachern unter Vertrag?

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