Die Versuche einen ordentlichen Film über die populärste Sportart zu drehen ist wahrlich kein leichtes Unterfangen. Die Voraussetzung dafür ist, das meistens die Schauspieler nicht kicken können oder die Fußballer nicht schauspielern können. Das die Sportfans dann auch noch ein geschultes Auge darauf werfen und sich nicht foppen lassen macht es auch nicht gerade einfach so einen Film zu bewerkstelligen.
"Goal" ist der erste von der sogeanannten
Goal Trilogie, in
Teil 2 wechselt Santiago zu Real Madrid und spielt dort in der Champions League und im
letzten Teil, der eigentlich schon zur WM 2006 erscheinen sollte, spielt er im Nationaltrikot bei der WM und dreimal darf man raten wer die Mannschaft zum Sieg schießt.
Der junge Santiago Munez (
Kuno Becker) hat ein großes Talent als Fussballspieler und träumt davon, einmal in die Profiliga aufzusteigen. Als dann ein ausgemusterter Talent-Scout vor der Tür steht, glaubt er sein Traum wird wahr.
Durch die Bemühungen seines Freundes und Entdeckers Glenn Foy (
Stephen Dillane) schafft es Santiago zu einem Probetraining bei Newcastle, wo er die feine englische Art Fußball zu spielen, kennen lernt. Nach allen Regeln der Kunst wird er bei Wind und Wetter zusammen getreten. Aber bekommt noch eine, bzw. mehrere Chancen sich unter Beweis zu stellen.
Die Storyline ist nicht wirklich das Neueste was man in der weiten Welt des Kinos erblickt, aber dieser Fußballfilm im Sinne einer Aschenputtel-Version versucht sein möglichstes aus dem Thema rauszuholen. Die Handlungsstränge gehen in vielerlei Richtungen. Zum einen wäre da die Liebe zu seiner Freundin, das Leben in seiner Familie und deren verschiedene Ansichten, zum anderen den Ruhm als Fußballer und auch die Beziehung zu seinen Freunden und Spielkameraden wird ausreichend gewürdigt. Jedoch werden die verschiedenen Wege zu kurz und nicht genauer unter die Lupe genommen, weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Dieses trifft auch auf die zwar häufigen Spielszenen zu, da man hier doch ein wenig mehr hätte bieten können. Die Spiele sind einfach zu kurz um in das Feeling des Sports auf der Leinwand einzutauchen. Das dann die Spielzüge, Torchancen und Dribblings und sonstige Spielereien auch eher durchschnittlich daher kommen, machen den Film auch nich gerade zu einer Filmperle. Das hört sich zwar alles negativ an, ist es aber nicht. Eins muss man ihm ja lassen, die Konkurrenz um die Fußballfilme wie "
Flucht oder Sieg" oder auch "
Kick it like Beckham" lässt er doch weit hinter sich. Zum anderen wäre da zwar noch der Film "
Mean Machine" mit
Vinnie "die Axt" Jones, der ja wirklich ein Fußballer gewesen ist. Ich persönlich mag "Mean Machine" lieber, aber mann muss auch bedenken, dass beide Filme auch versuchen was anderes wiederzugeben. Das Ergebnis ist, dass "Goal!" einer der besten Fußballfilme ist, die es gibt.
Positiv anregen muss ich hier aber, das der Trainerjob sehr gut dargestellt wurde. Wie wechsele ich durch, was gebe ich meinen Spielern mit auf den Weg, was sollen Sie noch lernen usw. In diesem Punkt ist der Film top.
Zwar ist der Film ein Sportlerdrama, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen, es ist zwar viel Dramatik enthalten, aber nich so offensichtlich. Klar gibt es Probleme aufgrund von Asthma, Freundin und Freunden, aber wenn man selber Fußball spielt kommt einem das gar nicht mal so fremd vor.
Was man dem Film auf jeden Fall anrechnen sollte, ist auf jeden Fall die Bemühung, den Film so realistisch wie möglich zu machen. Immerhin hat man an Originalschauplätzen seine Zelte zum Drehen aufgeschlagen. Aber hätten die Filmemacher nicht so einen Wirbel um den Film gemacht, hätte die FIFA, Premier League und Newcastle United auch nicht ihre Unterstützung zugesagt. Die Premier League erlaubte der Filmcrew sogar, eigene Kameras am Spielfeldrand zu stationieren. Passende Spielzüge der tatsächlichen Spiele wurden ausgearbeitet und anschließend von Newcastle-Spielern nachgestellt. Tage und bis hin zu mehreren Wochen hat es gedauert die dramatischen Spielzüge mit den Schauspielern nachzudrehen. Das Ergebnis ist wie oben gesagt nicht so schlecht. Man sollte auch berücksichtigen, dass das Projekt unter keinem guten Stern gestanden hat. Am Anfang stand nämlich der Regisseur
Michael Winterbottom fest und nicht
Danny Cannon, Winterbottom wurde aufgrund kreativer Differanzen an die Luft gesetzt. Auch in Sachen des Hauptdarstellers gab es Änderungen. Kurzerhand wurde
Diego Luna, bekannt aus "
Dirty Dancing 2" und dem Sneak-Film "
nicotina", durch Kuno Becker ersetzt.
Was besonders auffällt ist sicherlich die Beschreibung der Stadt Newcastle. Die Arbeiterstadt ist endlich mal eine gelungene Abwechslung zum sonnigen Kalifornien. Der Rauhe Kontrast kommt ziemlich gut rüber. Kameramann
Michael Barrett liefert wirklich gute Arbeit ab. Der junge Kameramann, der schon in dem momentan laufenden Film "
Kiss, Kiss, Bang, Bang" die Kamera in Position stellt, versteht sich gut mit Regisseur Danny Cannon. Der Engländer, der ja mit dem mittelprächtigen Actioner "
Judge Dredd" und der dem Rohrkrepierer "
Ich weiss noch immer was du letzten Sommer getan hast" seine Abstufung zum Serien-Regisseur untermalt hat. Hier zeigt er wieder wie auch in dem harten Polizeifilm "
Phoenix - Blutige Stadt", dass er nicht so unfähig ist einen guten Film zu inszenieren. Zwar ist er nicht so gut wie dieser, aber es ist immerhin wieder eine Bewerbung für weitere Kinofilme. Der Dritte im Bunde ist niemand geringerer als
Lawrence Bender, ja genau der, der schon
Tarantino vom Anfang seiner Karriere unterstützte.
Die Darsteller fungieren allesamt ziemlich gut. Auf der einen Seite haben wir den vielversprechenden mexikanischen TV-Star Kuno Becker, der in der Hauptrolle doch sehr gut besetzt ist. Stark bringt er die einzelnen Charakter, wie den Fußballer, den Freund, den Womanizer über die Leinwand. Er erinnert zwar stark an D'allesandro vom VFL Wolfsburg, aber das wohl eher zufällig. Er hat nicht das Talent eines Bundesligaprofis, dafür ist seine Übersicht und seine Schusstechnik zu miserabel, aber als Amateuerkicker doch recht gut aufgehoben. Als nächstes hätten wir da unseren Gary Daniels Verschnitt
Alessandro Nivola als Gavin Harris. Dieser Charakter ist genau das Gegenteil zu Mannschaftskollege Santiago, der mehr von seinem Ego beherrscht wird, als von der Liebe zum Sport. Nivola, der schon bei vielen Blockbustern vor der Kamera stand wie "
Face/Off", "
Jurassic Park 3" oder den beiden Sneakteilnehmern "
Carolina" und "
Anatomie einer Entführung". Der Rest macht seine Sache ebenfalls ziemlich gut.
Kieran O'Brien agiert als eine Art Eric Cantona und auch die ziemlich hübsche
Anna Friel, weiss wie man einen Mann gefallen muss.
Das ganze wird durch nette Oneliner unterstrichen, zwar ist der Film keine Komödie sondern eine Art Drama, aber es lockert die Stimmung doch sehr auf.
Auf der anderen Seite haben wir da noch die vielen echten Fußballstars, die sich hier ein Stelldichein geben. Man hat Newcastle Spieler wie
Kieron Dyer,
Patrick Kluivert und Ihrer Legende
Alan Shearer zu begutachten. Bei Chelsea kann man Joe Cole und Frank Lampard bewundern. Liverpool bietet
Gerrard und Radzinksy auf und auch die Real Stars
David Beckham,
Zinedine Zidane und
Raul Gonzalez geben sich die Ehre.
Der Soundtrack muss noch erwähnt werden, welcher wirklich gut die Geschehnisse auf Zelluloid passend untermalt. Sämtliche Brit-Pop Bands u.a. Oasis geben sich hier die Klinke in die Hand und versüßen einem den Film in herrlicher Art und Weise.
Fazit: Bemühter Film über das Aufstreben eines Fußballtalents mit guten, aber zu kurz geratenen Fußballszenen, symphatischen Darstellern und angenehmer Musik. Filminteressierte können ruhig mal einen Blick riskieren, da der Film über mehr Handlungsstränge verfügt als nur Fußbal, Fußball und nochmals Fußball. Von mir gibts 7/10