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Woody Allen spielt einen ehemaligen Gauner, der noch einmal einen Einbruch durchziehen will. Neben einer Bank kauft er einen leeren Laden, von dem aus er einen Tunnel in den Tresorraum graben will und lässt seine Frau, gespielt von Tracy Ullman, zur Tarnung Cookies verkaufen und, als der Einbruch fehlschlägt sind die Cookies seiner Frau schon so beliebt, dass die Menschen Schlange stehen, um welche zu ergattern. Die beiden bauen sich ein Cookie-Imperium auf und der gesellschaftliche Aufstieg beginnt, doch während Allen am liebsten wieder zurück auf die Straße möchte, findet seine Frau gefallen an dem Leben an der Spitze der Gesellschaft und verliebt sich in einen kultivierten Kunsthändler, gespielt von Hugh Grant.

Woody Allen gehört ohne Frage zu den besten Regisseuren unserer Zeit und wurde unglaubliche 21-mal für den Oscar nominiert und konnte davon drei in Empfang nehmen. Schon in seinen frühen und wichtigsten Werken, wie "Der Stadtneurotiker" oder "Manhattan" sieht man seinen einzigartigen Stil, mit einer leichten und lockeren Inszenierung, einem gesunden, teilweise einfühlsamen und teilweise bösartigen, Wortwitz und Sarkasmus und seiner typischen skurrilen und leicht verwirrten Art. Und genau dies findet man auch bei "Schmalspurganoven", aber das leider nur im ersten Drittel des Films, in dem die Ganoven den Tunnel in Richtung Bank graben. Mit seinem üblichen Wortwitz und einer gewohnt stilvollen Inszenierung mit sanfter Musik und einem schnellen, federleichten Erzählstil macht der Film in eben diesen Anfangsminuten richtig Spaß und unterhält bestens. Dann, urplötzlich gibt es eine 180-Grat-Wende und der Film wird zu Gesellschaftssatire und zum Liebesdrama, die Gags werden rar und dem Film fehlt leider der Biss, um noch gut unterhalten zu können. Eine Zeit lang hält sich dann noch die Hoffnung, dass "Schmalspurganoven" die Kurve doch noch bekommt, aber das tut er erst 10 Minuten vor Schluss und damit langweilt der Film leider die halbe Laufzeit. Die Kulisse ist vor allem im Mittelteil sehr edel und Allen liefert damit mal wieder ein wirklich stilvolles Werk, dass man sich ganz gut anschauen kann, aber diesmal fehlt ihm leider das Gespür für gute Unterhaltung und im Mittelteil fährt sich der Film des Öfteren fest. Und auch nach "Schmalspurganoven" gelangen Allen nur noch mittelmäßige Werke wie "Im Bann des Jade Skorpions" und "Anything else", bis er schließlich nach seinem Tapetenwechsel bei seinen ersten Drehs in Großbritannien wieder hervorragende Werke wie "Match Point" und "Scoop" hervorbrachte.

Allen, der bis heute als einer der besten Drehbuchautoren aller Zeiten gilt, leistet diesmal bei der Story ordentliche Arbeit, kann aber dennoch nicht an alte Meisterwerke wie "Hannah und ihre Schwestern" oder "Der Stadtneurotiker" anknüpfen. Die Charakterkonstruktion gelingt ihm solide und hat durchaus Tiefe und alles in allem lässt sich "Schmalspurganoven" durchaus als gelungene Gesellschaftssatire betrachten. Aber, wie bei vielen anderen Gesellschaftssatiren ist das Ganze nun einmal etwas zu langweilig geworden, zumal sich Allen normalerweise sehr gut darauf versteht seine Inhalte geschmackvoll und unterhaltsam zu servieren. Es gibt die eine oder andere unvorhersehbare Wendungen und einmal mehr liegt Allen jenseits aller Stereotypen, aber diese Komödie in drei Teilen ist alles in allem zu zerfahren. Außerdem ergibt sich durch diesen Umschwung von einer Gauner-Komödie, hin zur Gesellschaftssatire leider ein zerfahrener Erzählstil und damit ein episodenhafter Film, bei dem nichts so richtig zusammen passen will.

Darstellerisch ist Woody Allen gut wie eh und je. Er präsentiert sich wieder einmal leicht zerstreut, aber durchaus liebenswert und bringt seine genialen Wortwitze wie immer absolut beiläufig und überzeugt damit mal wieder voll und ganz. Man merkt dem Alt-Meister immer noch den Spaß am Spiel an und auch sein Zusammenspiel mit Tracey Ullman, mit der er wirklich geniale Wortgefechte auf die Leinwand bringt, stimmt voll und ganz. Tracey Ullman bringt die bisher beste Leistung ihrer Karriere und die Sängerin zeigt, dass das Klischee des schlechten Quereinsteigers nicht immer zutreffen muss und rechtfertigt ihre Golden-Globe-Nominierung. Sie bringt ebenfalls einige Gags und brilliert in der ersten Hälfte des Films mit ihrem hervorragenden Zusammenspiel mit Allen und auch in der zweiten Hälfte gibt sie den perfekten Snob ab. Hugh Grant darf mal wieder Charme versprühen, hat aber das Pech in einer absolut witzlosen Rolle zu stecken und nur in der schwächeren Hälfte des Films auftreten zu dürfen. Die übrigen Darsteller sind ebenfalls gut und liefern auch den einen oder anderen amüsanten Moment, wobei vor allem Elaine May in der Rolle von Ullmans dümmlicher Schwester voll und ganz überzeugen kann.

Fazit:
Mit einem guten Cast und einer stilvollen Inszenierung hätte "Schmalspurganoven" eine richtig starke Komödie werden können, aber leider kippt der Film nach einer starken ersten halben Stunde komplett ab und wird zur langweiligen Gesellschaftssatire und von Woody Allen hätte man auf jeden Fall mehr erwartet. Als Unterhaltung für zwischendurch ganz brauchbar, mehr aber auch nicht.

50%

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