Dieser Film hat mich sehr bewegt, verstört und ratlos gemacht. Was ist nur los mit den Jugendlichen in den USA? Vielleicht auch mit den Jugendlichen hier, in Deutschland?
Der Film erzählt nicht die Geschichte von Anfang an gescheiterter Jugendlicher aus der Unterschicht, nicht die vielleicht verstehbare Geschichte Jugendlicher, die aufgrund ihrer Herkunft nie die Chance hatten, ihr Leben in geregelten Bahnen zu entwickeln. Erzählt wird hier die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen aus der Oberschicht, denen alle Möglichkeiten offen stehen, die aber dennoch den Weg in die Kriminalität und schließlich in den "Abgrund" wählen.
Jake Mazursky schuldet dem Kleinkriminellen Johnny Truelove Geld. Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung entführt die Gang um Truelove den Stiefbruder Mazurskys, Zack. Rasch entwickelt sich zwischen den Gangmitgliedern und Zack so etwas wie Freundschaft, insbesondere zur rechten Hand Trueloves, Frankie Ballenbacher, fühlt sich Zack hingezogen. Der Druck auf die Gruppe erhöht sich, als nicht nur die Polizei, sondern auch Jake sowie der Vater Trueloves die Freilassung des Jungen fordern. Leider kommen diese Appelle zu spät, denn Elvis Schnidt, ein Handlanger Trueloves, hat das "Problem" schon aus der Welt geschafft, indem er Zack tötet.
Der Film erzählt eine wahre Begebenheit, weshalb sich seine Veröffentlichung verzögerte und nur unter Auflagen erfolgen konnte. Nick Cassavetes, der Regiesseur, zeigt die Verwahrlosung einer Generation aus den "besseren Kreisen", die zu einem schockierenden Ende führt. Filmtechnisch versteht er es, den Zuschauer von Beginn an zu fesseln und in den Bann dieser grausamen Geschichte zu ziehen. Immer wieder bieten sich den Protagonisten Ausstiegsmöglichkeiten, die diese aber nicht nutzen. Das Ende kommt scheinbar vorhersehbar, dann aber mit unerbittlicher Konsequenz - die "Hinrichtung" Zacks vor dem vorbereiteten Grab lässt m.E. niemanden kalt.
Die beklemmende Atmosphäre, die sich trotz vieler Partyszenen recht bald beim Betrachter einstellt, wird vor allem durch die Leistung der Schauspieler erzeugt. Sowohl in den Hauptrollen (z.B. Emile Hirsch, Justin Timberlake oder Anton Yelchin) als auch in den Nebenrollen (z.B. Ben Foster, Bruce Willis oder Sharon Stone) ist der Film exellent besetzt. Die "Altmeister" Stone und Willis sind dabei in Rollen zu erleben, die man ansonsten nicht von ihnen gewohnt ist. Insbesondere Sharon Stone ist sich dabei am Ende des Films nicht zu schade, als inzwischen aufgequollene, selbstmordgefährdete Mutter Reportern über ihre Befindlichkeiten Auskunft zu geben (!!! Eine tolle Darstellerleistung!!!). Auch Bruce Willis vermag dem Fim in seiner Nebenrolle einige zynische Akzente zu geben - und dies schon gleich zu Beginn, wenn sein Charakter, Sonny Truelove, feststellt, dass vor allem die Eltern für das Verhalten ihrer Kinder verantwortlich seien. Darauf läuft auch die "moralische Botschaft" des Films hinaus - die Gesellschaft ist selber Schuld, wenn sie durch Erziehung und Verwahrlosung solche Individuen schafft.
Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft in der Bundesrepublik noch weit von diesem Horrorszenarium entfernt ist bzw. wir alle rechtzeitig die Initiative ergreifen, solche Ereignisse wie in diesem Fim zu verhindern.
Der Film sollte in keine Sammlung fehlen, wobei insbesondere sein Appell nicht überhört werden sollte.