Während draußen sich die Sommerhitze warm läuft, erkläre ich es hier drinnen einfach mal zum passenden Tag für einen „Brennenden Tod“.
Oder, wenn man denn vom Original ausgeht, einer „Nacht der großen Hitze“!.
„Night of the Big Heat” von 1967 ist einer der Filme, die man immer freimütig für einen Hammer-Horrorfilm hält, der aber gar keiner ist. Das Täuschungsmanöver läuft so gut, weil sich hier tatsächlich Christopher Lee UND Peter Cushing einen Lohnscheck abholten, was man ja sonst eher häufig von Draculas Filmreihe her kennt.
Und genauso wie der ein Jahr zuvor produzierte „Island of Terror“ – bei uns „Insel des Schreckens“, ebenfalls mit Cushing war das eine Produktion von Planet Film, die auf der Hammer-Tour mitkassieren wollten, ähnlich wie die Konkurrenzfirmen Amicus oder Tigon.
Und wie „Island of Terror“ ist auch „Night of the Big Heat” im Grunde seines Herzens ein Science-Fiction-Grusler und nicht nur das: beide Filme haben den gleichen Aufbau: eine isolierte Örtlichkeit in Form einer Insel, eine untypische, weil außerirdische oder mutagene Bedrohung; ein Grüppchen von Leuten, welches sich verbarrikadieren muss und reichlich Mystery. Und ach so: erstmal zeigen wir nicht, wie die Bedrohung aussieht, was allein aus humorvollen Blickwinkeln seine Gründe hat.
Also: nicht knochenfressende Aliens bedrohen diesmal eine Insel, sondern eine schottische Insel quält sich unter einer Hitzebelastung von über 45 Grad. Das wäre in der Lüneburger Heide 2020 nichts Besonderes mehr, aber auf den britischen Inseln herrscht hier im Film eigentlich Winter und außerhalb der Insel liegt die Temperatur am Gefrierpunkt.
Jetzt würde auch ohne Klimawandel und Ozonloch sofort jede Regierung der Welt Himmel, Hölle und Truppen in Bewegung setzen, doch hier pumpt Patrick Allen weiter unbehelligt die Kneipe leer, Cushing steht am Tresen und schwitzt und Christopher Lee latscht in voller Montur ständig über die Insel und baut irgendwelchen Kokolores auf, weil er ein Wissenträger und Brillenschaftler ist (und somit gut erkennbar).
Naja, natürlich geht in der Hitze bald einiges kaputt und dann sind da diese Events, wenn die Kamera plötzlich grell an Einzelopfer heranfährt, die sich gerade bemühend, vor Hitze schreiend zu wirken und dann wird immer ausgeblendet und die Leutchen sind verbrannt. Also, wird immer dreist behauptet, das Ergebnis begutachten, naja, 1967 konnte man das noch nicht zeigen, aber selbst bei guten Maßstäben erinnert diese Zurückhaltung hier schon bald an eine mäßige „Mit Schirm, Charme und Melone“-Episode, nur ohne den Humor und die Finesse.
Da die Bedrohung sich eigentlich nicht sonderlich steigert, sondern immer gleich heiß bleibt (was einen eher lauen Effekt bewirkt) und schwitzende Leute kein zufrieden stellender Spezialeffekt sind, läuft sich die Produktion auch bald tot, da kann sich der Cast noch sehr abmühen. Und man macht natürlich ordentlich private Konflikte geltend, an Lee wird ominös herum verdächtigt und dann gibt es auch noch eine versuchte Vergewaltigung (bei 45 Grad, die spinnen, die Briten).
Auf jeden Fall sind es am Ende Aliens, die als Nebeneffekt ihrer Anwesenheit Hitze ausstrahlen und die als Spähtrupp unseren Planeten zwecks Besiedelung besucht haben. Woher ich das weiß? Chris Lee erklärt es uns. Woher er das weiß? Pure Spekulation.
Auf jeden Fall stimmt das und daher sehen wir im Schlussfünftel dann auch endlich die putzigen Matschklumpen mit den glühenden Protoplasmaärmchen, die sich in Zeitlupe bewegen, weswegen unlogischerweise niemand vor ihnen weglaufen kann. Bis dahin sind praktisch alle im Cast prima eingeäschert worden, warum dann auch 35 Jahre vor „Signs“ ein shyamalanischer Kunstgriff her muss: Wasser löscht und zerstört die Aliens und ein kräftiges Unwetter rettet uns alle – wieder mal eine doofe Alienrasse, die mit dieser medizinischne Prädisposition einen Planeten mit 71 Prozent Wasser und miesem Wetter besucht.
Ganz ernsthaft: 94 Minuten können ganz schön lang sein und auch wenn manche Außenaufnahmen in Dorset und Milton Keynes ganz hübsch sind, scheint der Film nie zu enden. Wer dachte, die Tentakel-Curlingstein-Omelett-Aliens aus „Island of Terror“ seien nicht so bedrohlich gewesen, das hier kommt gar nicht in die Pötte und dabei ist das doch tatsächlich eine Literaturadaption, nur dass sich die Vorlage um eine Spinneninvasion dreht, bei der die Hitze nur Nebeneffekt ist. Dafür war hier kein Geld da und wir müssen uns nun gut durchlangweilen oder halt dampfgaren.
Zum Glück ist der Spaß umsonst zu haben, denn die Produktion gibt es praktisch überall im Netz, allerdings empfehle ich dann doch eher „Insel des Schreckens“, der macht einfach mehr Spaß. Und hat auch mehr Cushing, der hier praktisch nur dreimal im Pub vorbei schaut, bevor bei einem Rettungsversuch gegrillt wird.
Das war es dann übrigens auch für Planet Films Productions, deren siebte und letzte Produktion dies war. Und gleichzeitig war es ein erneuter Beweis dafür, wie hochwertig der Standard bei Hammer war, auch wenn er uns heute vielleicht angestaubt erscheint. (3/10)