Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Schweizer DVD-Fassung des Labels SNAKE FILMS!
Die deutsche Videofassung wurde aufgrund des gewaltverherrlichenden Inhalts nach § 131 StGb bundesweit beschlagnahmt.
Die Lisa Film GmbH ist eine österreichisch-deutsche Filmproduktionsgesellschaft, die sich im Zuge der Sexwelle gegen Ende der 60er Jahre unter Produzent Karl Spiehs zu einer der erfolgreichsten Produktionsfirmen in der deutschen Kino-Landschaft etablierte.
Neben zahlreichen Softpornos ("Griechische Feigen", "Silvia - Im Reich der Wollust" oder "Insel der 1000 Freuden") entstanden für Lisa Film derbe Komödien, wie etwa "Die Supernasen" (1984) mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk, die zwar allesamt von der Kritik verrissen wurden, aber Publikumserfolge waren.
Der Erfolg ausländischer Horrorfilme veranlasste die Produktionsgesellschaft zu einer mehrere Filme umfassenden Zusammenarbeit mit dem spanischen Regisseur Jess Franco und so entstanden unter deutscher Beteiligung im Zuge der Kannibalenfilme "Jungfrau unter Kannibalen" und aus dem Genre der WIP-Movies "Sadomania" - beide Werke jenseits des guten Geschmacks und mit Uschi Buchfellner besetzt.
Der finanzielle Erfolg kostengünstig produzierter Slasher wie "Halloween" oder "Freitag, der 13." veranlasste "Schulmädchenreport"-Produzent Wolf C. Hartwig im Auftrag der Lisa Film einen deutschen Beitrag zu diesem beliebten Subgenre zu leisten.
Das Ergebnis - "Bloody Moon - Die Säge des Todes" - ist besser, als der schlechte Ruf, der diesem B-Movie vorrauseilt.
An einer kleinen Sprachschule an der spanischen Küste geht ein unheimlicher Mörder um, der mehrere Schülerinnen grausam tötet. Da die Leichen nicht aufgefunden werden, mag keiner der einzigen Zeugin Glauben schenken. Sie macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter und den Opfern und sieht sich mehrmals tödlicher Gefahr ausgesetzt. Schnell hat sie mehrere Verdächtige ausgemacht, von denen der entstellte Miguel als Täter am wahrscheinlichsten erscheint, tötete er doch vor 5 Jahren schon einmal ein Mädchen auf grausame Art und Weise...
Zugegeben: die Handlung von "Bloody Moon" - verfasst von Drehbuchautor Rayo Casablanca - ist simpel gestrickt und die Dialoge sind an Banalität und Einfallslosigkeit kaum zu überbieten und unterbieten in manchen Szenen das Niveau der "Schulmädchenreport"-Verfilmungen. Es gibt unzählige Ungereimtheiten, Unglaubwürdigkeiten und Anschlußfehler. Die schauspielerischen Leistungen sind - bis auf ganz wenige Ausnahmen - erbärmlich und viele Kamerafahrten erscheinen überflüssig und sinnlos. Für einen Slasher ist der Bodycount relativ gering ausgefallen und nackte Tatsachen scheinen hier mehr im Vordergrund zu stehen, dafür sorgen jede Menge nackte Brüste und eine inzestuöse Beziehung zwischen Miguel und seiner Schwester Manuela.
Und trotz der billigen Umsetzung und des unverkennbaren Trashgehalts ist dieses deutsche B-Movie durchaus unterhaltsam und hat viele starke Momente.
"Bloody Moon" beginnt fünf Jahre vor der eigentlichen Handlung in einer Vollmondnacht - um dem Titel auch gerecht zu werden. Disco-Hits wie "Gimme That Holiday Feelin", die an die unzähligen Teenagerkomödien wie "Popcorn und Himbeereis" oder "Cola, Candy, Chocolate" erinnern, und miese Dialoge auf Softporno-Niveau lassen schlimmes erahnen. Auch die Micky-Mouse-Maske als Hommage an das große Vorbild "Halloween" ist mehr belustigend als huldigend. Der erste Mord ist tricktechnisch schlecht umgesetzt und auch die hanebüchene Weiterentwicklung der Handlung spottet jeder Beschreibung und ist vollkommen unglaubwürdig.
Doch sobald sich der Zuschauer mit den negativen Aspekten der Verfilmung angefreundet hat und erstmals die kultigen Klänge von Frank Duvals Komposition "Love In The Shadow" ertönen, darf man sich auf leichte, anspruchslose Unterhaltung freuen.
So einfallslos und simpel die Handlung erscheint, so raffiniert sind teilweise vereinzelte Regieeinfälle gelungen:
beispielsweise variiert die Szene, in der Angela im Bett liegt und aus dem Buch "Der Killer kam um Mitternacht" liest, nicht nur gängige Stilelemente des Slashers inklusive subjektiver Kameraführung, sondern die Vorgehensweise des um das Haus schleichenden Killers deckt sich Wort für Wort mit den Ereignissen im Buch und verleiht dieser Szene zusätzlichen Reiz.
Der Mord im Sägewerk mit dem kleinen Jungen als Zeugen zählt zu den spannendsten und dramatischsten Augenblicken des Films, wobei vor allem die langsame Fahrt des Steinblocks in Richtung des riesigen Sägeblattes sehr intensiv inszeniert wurde. Der Versuch des Jungen, die gefesselte Inga zu befreien, wird mit dessen Ermordung als einzigem Zeugen bestraft, was die Skrupellosigkeit des Killers voll zum Ausdruck bringt und dem Werk eine solch bitter-böse Note verleiht, die in dem Film befremdlich wirkt.
Von der technischen Seite aus betrachtet ist der Mord für Franco-Verhältnisse sehr gut inszeniert, auch wenn der Gummikopf als solcher erkennbar ist, verfehlt die Szene nicht ihre Wirkung. Leider unterläuft hier dem Regisseur ein gewaltiger Fehler, da die Kamera einen zu großen Ausschnitt des Killers einfängt, der mit dem im Finale überführten Täter keine Ähnlichkeit hat.
Weitere gute Ansätz in "Bloody Moon" sind vor allem das Katz- und Mausspiel, das der Killer mit Angela (dargestellt und sehr schlecht gespielt von Olivia Pascal) spielt und dabei versucht, sie in den Wahnsinn zu treiben, nachdem der erste Mordanschlag fehlschlug.
Die Idee, dass der Killer während des Unterrichts sie über ihren Kopfhörer bedroht ist zwar ein guter Einfall, aber die unveränderte Stimme gibt aufmerksamen Zuschauern einen Hinweis auf die Identität des Mörders. Von diesem Fehler einmal abgesehen spielt hier Regisseur Franco geschickt mit der Wahrnehmung Angelas und der des Zuschauers und wirft die Frage auf, ob die Ereignisse real sind oder Angela Opfer ihrer Phantasie wurde?
Auch die Idee, dass sich Angela aus Todesangst in ihrem Bungalow verbarrikadiert hat, ist angesichts der Ereignisse, die ihr widerfahren sind, glaubwürdig und nachvollziehbar. Während in anderen Slashern das Mädchen ziellos durch die Gegend gelaufen wäre, nur um dem Mörder in die Arme zu fallen, verzichtet Franco hier auf das Klischee und setzt auf die klaustrophobische Enge des Apartments und Angelas Panik.
Die Morde sind zwar nicht sehr zahlreich, aber einfallsreich und bis auf den Mord zu Beginn sehr gut umgesetzt worden. Nach dem Mord im Sägewerk ist vor allem der Mord an Laura (dargestellt von Jürgen Drews späterer Exfrau Corinna), der mit einer Eisenzange der Kehlkopf eingedrückt wird, der brutalste von allen und entsprechend ausgedehnt von Franco inszeniert worden.
Das Finale hält sich streng an die vom Genre aufgestellten Regeln und beschert dem Zuschauer eine blutige und vor allem überraschende Auflösung:
Nachdem Angela mit den Taten des Mörders konfrontiert wurde (Ingas abgetrennter Kopf liegt in Angelas Bett, Laura hängt tot an der Decke und ein drittes Opfer hängt in Folie gewickelt im Kleiderschrank) flüchtet sie auf das Anwesen der Comtessa und wird mit den wahren Motiven, die hinter den Morden stecken, konfrontiert. Hier überrascht Franco sogar mit einer sinnigen Auflösung, die zwar entfernt an Erbschaftskrimis im "Edgar Wallace"-Stil erinnert, aber einen eigenen Weg fernab bekannter Slasher-Klischees geht, auch wenn das Motiv bereits viel früher offenbart wurde. Offensichtlich verließ sich der Regisseur aber auf die Schauwerte seiner Darstellerin und hoffte, dass der Zuschauer in der entsprechenden Szene viel zu sehr von Nadja Gerganoffs üppigen Rundungen abgelenkt war um den Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen.
Negative Aspekte und positive Ansätze mit vielen eigenen Ideen halten sich die Waage - der Unterhaltungswert überwiegt allerdings. Der Soundtrack von Gerhard Heinz - fernab von den schlüpfrigen Reportfilm-Melodien - sorgt für eine unheimliche Atmosphäre, ganz zu schweigen von Frank Duvals Komposition, die dem Werk zusätzlich Klasse verleiht.
Somit ist Jess Franco zwar ein Schundfilm am Rande des Schwachsinns gelungen, aber zumindest einer, der den Zuschauer unterhält und niemals langweilig wird. Dies setzt allerdings voraus, sich mit dem Gesamtpaket anzufreunden und keinerlei Anspruch zu erwarten.
In Anbetracht, dass Jess Franco auf dem Regiestuhl saß, halte ich
7 von 10 Punkte
für angemessen und verdient!