Die spanische Horrorfilm-Legende Jesús Franco hat sich schon seit den 60ern einen Namen im Genre mit blutig-brutalen Splatterfilmen gemacht. "Bloody Moon - Die Säge des Todes", der in enger Verbindung mit dem italienischen Giallo steht, zeigt einen typischen Cocktail aus trashiger Inszenierung, viel nackter Haut und Sexeinlagen und krassen Gewaltszenen.
Die Story dreht sich um eine Gruppe junger Frauen, die in einem Urlaubscamp an einem Sprachkurs teilnehmen - und bald von unheimlichen Gestalten verfolgt und brutal ermordet werden. Welche Rolle dabei die mysteriöse Manuela, Erbin des ganzen Grundstücks, und ihr missgestalteter Bruder Miguel, der einst wegen eines Affektmordes in die Psychiatrie eingeliefert wurde, spielen, bleibt bis zum Schluss rätselhaft.
Der legendäre Status, den Franco im spanischen Horrorkino einnimmt, erklärt sich zu einem Teil aus der Schnelligkeit, mit der er seine über 150 Produktionen drehte. Dieses Prinzip merkt man "Bloody Moon - Die Säge des Todes" deutlich an: Alles wirkt flüchtig, ungenau, eben möglichst schnell herunter gekurbelt. Überhaupt ist das Werk ein reiner Trash-Film: Lächerliche Dialoge, unbegabte Schauspieler, deren Mimik selbst in Momenten nackter Panik unentschlossen hin und her changiert und teilweise sogar in ein Lächeln abdriftet, und eine wirre Inszenierung, die es eine ganze Zeit lang erschwert, die zahlreichen Figuren zu unterscheiden und der Story einen Sinn abzugewinnen, machen es dem Zuschauer wirklich nicht einfach.
Hinzu kommt, dass die Story zwar mit einer überraschenden und grausamen Schlusswendung punkten will, aber durch einige überflüssige und plumpe Dialoge bereits am Anfang erahnen lässt, wohin die Reise geht. So verpufft jeder Ansatz von Spannung schnell wieder und lässt den Film die meiste Zeit in langweiligem Leerlauf vor sich hin dümpeln. Immerhin ist die eine oder andere Gruselszene recht gut gelungen, aber auch hier wird wieder viel durch unfreiwillig komische Auflösungen zerstört - wenn etwa die Heldin wie von Sinnen auf eine Kleiderpuppe einsticht und diese nicht einmal als solche erkennt. Das alles wird abgerundet durch den allzu penetranten Einsatz schriller Schockmusik und die ungelenke Kamera und Schnittmontage, die mitunter zwischen völlig unpassenden Szenen wechselt.
Ein Pluspunkt - allerdings nur für Splatter-Fans - sind dafür die krassen Gewaltszenen. Da wird mit einer riesigen Industriesäge ein Kopf blutspritzend abgetrennt, da wird eine junge Frau mit einem Messer aufgespießt oder mit einer Dornenzange der Hals durchlöchert. Zwar ist die Gewalt, die sich fast ausschließlich gegen Frauen richtet und stets sexuell konnotiert ist (wie schon das durch die Brustwarzen austretende Messer zeigt), mehr als fragwürdig; aber immerhin dürften die Effekte zu den heftigsten ihrer Zeit gehören - literweise spritzendes Blut und grausig anzusehende Leichen können selbst heute noch schockieren. Auch gelingen der ansonsten einfallslosen Kamera immer wieder sehr atmosphärische Bilder des nächtlichen Anwesens, auf dem Manuela und Miguel zuhause sind. Dass hier ein gewisses Talent hinter der Inszenierung steht, kann nicht abgestritten werden, auch wenn sich dieses auf wenige Horror- und Gewaltsequenzen beschränkt.
Insgesamt ist "Bloody Moon - Die Säge des Todes" ein düsterer, brutaler Trash-Schocker, der durchaus spannend hätte sein können, hätte man sich nur ein klein wenig mehr um Story, Figuren und gute Schauspieler bemüht. Für Genre-Fans mag sich das Ansehen durchaus lohnen, alle anderen aber werden hier kaum etwas entdecken.