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Miguel, dessen Gesicht vollkommen entstellt ist, begeht im Liebesrausch eine furchtbare Bluttat und sticht eine Frau mit einer Schere ab. Nach einigen Jahren in der Psychiatrie sorgt seine Schwester dafür, dass er wieder freikommt. Der Entstellte hegt inzestuöse Gefühle für die besagte Schwester und auch sie ist nicht abgeneigt, allerdings fürchtet sie den Spott der anderen. Es dauert nicht lange, bis weitere Morde geschehen.

„Die Säge des Todes“ aka „Bloody Moon“ stellt ein ziemliches Unikat im Schaffen Jess Francos dar. Kannte man ihn sonst eher von Sexploitation- und Pornofilmen, versucht er sich hier an einem relativ gradlinigen Slasher, der sich der gängigen Tropen bedient. Mit dem Beitrag konnte der Spanier im damals so prüden Deutschland einiges an Unmut auf sich ziehen, was letztendlich zu einer Beschlagnahme führte.

Als erstes sticht dem geneigten Zuschauer der relativ hohe Qualitätsstandard ins Auge, der sicherlich alles andere als selbstverständlich ist. Ja, „Bloody Moon“ sieht wirklich aus wie ein echter Film und weist keine offensichtlichen Mängel auf, was natürlich begrüßenswert ist. Die Handlung ist schnell erzählt und verläuft nach dem gängigen 0815 Prinzip – wobei das bei dieser Art Film auch nicht abnormal ist. So weit so gut.

Nach einem vielversprechenden Anfang flaut das Geschehen merklich ab und einige unschöne Längen treten auf. Diese sind nicht unbedingt katastrophal langgezogen, wären aber auch so nicht nötig gewesen. Schwieriger wiegt hier leider die quasi nichtexistente Atmosphäre, bei der auch nur wenig Spannung aufkommt. Die Sprachschule ist als Schauplatz solide, allerdings wurde auch hier einiges an Potential verschenkt. Letztendlich dümpelt alles so vor sich hin und man könnte in manchen Passagen wahrlich die Lust verlieren.

Es sei aber angemerkt, dass der geneigte Gorehound mit regelmäßigen Splatterszenen entlohnt wird, die stellenweise überaus nett anzusehen sind. An die Künste eines Tom Savinis kommt „Bloody Moon“ mit seinen offensichtlichen Puppenköpfen zwar nie heran, aber dafür gibt es die gewisse Prise Garstigkeit, die man bei manchem US Slasher vermisst hat. Hier seien die Kreissäge, die Heckenschere und die durchbohrte Brust lobend erwähnt. So oder so kann man hier nicht allzu viel aussetzen. Parallel zum Gemetzel hat man auch die hübschen Mädels, die sporadisch auch mal die Hüllen fallenlassen. Wer auf den Sleaze- und Schleimgehalt eines „Frauengefängnis“ hofft, wird aber ganz klar enttäuscht werden.

Zwei Dinge noch: der sogenannte Twist, den man gegen Ende eingebaut hat, war wirklich so offensichtlich und vorhersehbar, dass es fast schon an Publikumsbeleidigung grenzt. 1-2 Morde oder Sexszenen mehr wären da die bessere Alternative gewesen. Weiterhin gibt es Bonuspunkte für den minimalistischen, aber überaus effektiven Synthscore.

Fazit: Ein wirklich guter Film ist „die Säge des Todes“ sicherlich nicht. Die Handlung ist dünn, Spannung und Atmosphäre sind Mangelware und auch ansonsten gibt es wenig Anlässe, um überschwänglich zu werden. Die niederen Triebe werden durch den ein oder anderen Mord befriedigt, bei dem zum Beispiel mit der namensgebenden Säge oder der Heckenschere hantiert wird. Diesbezüglich ist der Film blutiger als der damalige Slasherstandard, kann aber trotzdem nicht mit den kernigeren Splatterfilmen aus Italien mithalten. Im Zusammenspiel ergeben die Stärken und Schwächen einen mittelmäßigen Film. 






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