Oh Mann, Deutschland: erst spuckt man Romero, Fulci, D'amato sei Dank Gift und Galle gegen den bösen modernen Horrorfilm und seine verderbende Wirkung und dann sieht man die Einspielergebnisse jener Werke und will auf einmal auch ein Stück vom blutigen Kuchen. Jepp: trotz Jesus Francis Regie ist "Die Säge des Todes" ein deutsches Produkt, 1981 von den Heimatfilmprofis der Lisa Film GmbH auf die Leinwand gezaubert. Die hatten zuvor schon mit einigen Softsexern am familienfreundlichen Image geschaut, Francos Billig-Schnetzler trieb der Firma dann den staubgeschwängerten "Übermut im Salzkammergut" - Muff gewaltsam aus. Zumindest, bis man sich später auf die Familienfreundlichkeit zurückbesann und das Zeitalter der Supernasen anbrach. Was definitiv eine ganz andere Art von Horror ist.
Meine Historie mit dem Film beginnt mit dem Gelsenkirchener Filmclubs Buio Omega, die auf ihrer Website einen sehr interessanten Artikel zu dem Film verfasst und als Bonus die vollständigen Scans des Bravo-Fotoromanes zum Film daruntergeklatscht haben. Kuriose Sache, das, aber die 10 Minuten - Marke knackte der Film 2008 bei mir nicht. 18 Jahre später hingegen hat der Film mich umgehauen. Einerseits ob seiner großartigen Atmosphäre zwischen Giallo und Groschenroman, andererseits, weil der Film und seine Akteure so herrlich irrational agieren, dass man sich manchmal wünscht, man hätte kein Zwerchfell, dass man sich zerren kann.
Nach fünf Jahren, die er wegen eines Lustmordes dort verrotten musste, wird der psychisch labile junge Miguel (im Film Mieh-GU!-Ell statt Mieh-Gell ausgesprochen) von seiner Stiefschwester nach Hause geholt, die nun als Vormund für den kleinen Kloppie mit der vernarbten Fresse herhalten muss. Beider Mutter hat inzwischen das heimische Herrenhaus zu einem Sprachinternat für verzogene Bonzengören umgemodelt und damit den perfekten Spielplatz für einen Ex-Mörder im psychischen Genesungsprozess geschaffen.
So scheint es zumindest, denn nach und nach sterben der Schule die Schülerinnen weg - pardon: sie "verschwinden". Das einzig helle Köpfchen in der chronisch untervögelten Hühnerschar, die von Olivia Pascal gespielte Angela, ahnt, dass da etwas nicht koscher ist und verdächtigt Gärtner und Hausstecher Antonio der Mordserie. Mieh-GU! - Ell wiederrum, der sein gelegentliches sexuelles Gnadenbrot bisher aus Stiefschwesterchens Pausendose naschte verliebt sich derweil in Angela und creept ihr hinterher, wo es nur geht.
Auch, wenn ich ihn bisher nur durch "Jungfrau unter Kannibalen" kenne denke ich zu wissen, was man von Francos Filmen erwarten kann: kostengünstigen Atmosphärehorror mit Titten, Ärschen und roter Grütze zum Nachtisch. Die titelgebende Säge kommt lediglich einmal, dafür aber mit Schmackes in einem absoluten Spannungshighlight zum Tragen. Die vermisst man anderenorts leider wieder: der erste Jumpscare des Filmes, die Zugszene, ist durchaus effektiv während alle folgenden reine Running Gags sind. Wenigstens funktionieren sie als solche.
Trotz Spannungsarmut hat der Film aber eine gewisse Atmosphäre, der mit seinen Internatskulissen und schleichenden Blubbersynthie durchaus an die italienische Genrekonkurrenz erinnern, ergänzt um einen guten Schuss "Terrorgang" - Spaniengothik. Die Subplots um die notgeile Schülerinnen-Clique wiederrum ist so deutsch wie Sascha Hehns Pimperkino damaliger Zeit: ein Wunder, dass der Kerl hier nicht auftaucht.
Ich halte Franco hier echt einiges zu Gute: er machte aus einem hauchdünnen Skript aus der Feder Erich Tomeks einen launigen Slasher, der modernes Splattergeschmadder mit gruftigem Herrenhaushorror kombiniert. Etwas mehr Handlung und wir würden hier von einem Eurohorrorklassiker auf höherem Niveau reden. So oder so hätte ich mal wieder sehr großen Spaß und bin nunmehr etwas neugieriger auf das Werk des Herren Franco geworden. Wer nicht nur dem unpopulären kleinen Bruder der allseits geliebten Kettensäge zu Leimwandruhm verhilft, sondern auch der urspanischen Garotte ist mir grundsätzlich erst mal sympathisch. So sich denn das Gemetzel auf die Leinwand beschränkt.