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Teilweise sind Theaterverfilmungen ohne SFX und ohne wirklich actionreiche Szenen doch eine bessere Wahl als (fast) alles andere was sich in der Welt der Komödien so tummelt.
Zu eben jener Gattung Film gehört auch "Mein Freund Harvey", welcher durch sehr gute Leistungen der Schauspieler, eine witzige und kindergerechte Story, harmlosen Humor und einen sehr netten zwei Meter zehnein halb großen weißen Hasen glänzen kann. Den großteil seines Charmes verdankt der Film allerdings einem James Stewart in Höchstform.

Die Grundidee der Story ist sowohl kritisch gegenüber den Werten der Gesellschaft als auch amüsant und harmlos.
Im Mittelpunkt steht dabei das leicht skurrile, aber grundsätzlich freundliche Verhalten des Hauptcharakters Elwood P. Dowd (James Stewart), der einen übergroßen Hasen namens Harvey zum Freund hat, den sonst tragischerweise niemand sehen kann. Der interessante Teil der Story ist, dass Harvey, wenn auch unsichtbar, wirklich existiert und sich daher aus dem Gedanken der Hauptcharkater habe ein psychisches Problem der Gedanke entwickelt, dass er sympathischer und vor allem toleranter als der Rest der Menschen ist.

Unter den Charakteren gibt es nur einen wirklich interessanten Charakter, der nicht das Ergebnis seiner Umwelt und den jüngsten Ereignissen zu sein scheint. Dieser Charakter ist Elwood P. Dowd, der von Beginn des Filmes an durch sein frohes, unbeschwertes, nachdenkliches, intelligentes, verträumtes und freundliches Wesen auffällt. Elwood wird für verrückt erklärt, da er Harvey zu sehen behauptet. Weil Elwood jedoch erst nachdem seine Schwester durch eine Verwechslung in der Nervenheilanstalt gelandet ist als der echte "Hasenfreund" identifiziert wird, beginnt eine Odyssee von einer "Verfolgungsjagd". Durch diese Odyssee wird am Ende nun jeder glücklich und Elwood darf nach Hause, wobei ihm klar ist, dass Harvey die ganze Zeit auf ihn aufgepasst hat.
Elwood selbst probiert den Menschen immer zu helfen, er hört ihnen zu wenn sie von ihren Sorgen reden und wundert sich warum die Menschen nie an die kleinen Dinge des Lebens denken, bis er ihnen Harvey vorstellt. Harvey ist größer als alle Probleme die diese Leute vorweisen können. Dieses Verhalten zeigt, wie leicht das egozentrishe Weltbild eines jeden Menschen ins Wanken gebracht werden kann und der Mensch sich auf andere dinge als sich selbst konzentrieren kann. Als Schutz vor sich selbst bezeichnet dieser Mensch "Elwood" dann als verrückt und nur die wenigsten lassen sich darauf ein die Grenzen des Gewohnten zu verlassen und ihre eigene Odyssee auf der suche nach mehr als Erfolg und Geld zu beginnen und zu vollenden.
Die anderen Charaktere sind, wie schon erwähnt, nur Ergebnisse ihrer Umwelt, die sich während des Filmes jedoch immer weiter verändern, bis sie am Ende nicht mehr als Ergebnisse bezeichnet werden können sondern vielmehr als glückliche Menschen, deren Glück nicht durch die Gesellschaft bestimmt ist. Was deutlich zeigt, dass der Mensch sich nur aus den Rastern der Gesellschaft bewegen muss um wirklich glücklich werden zu können, da er das Gewohnte zurücklassen muss und sich verändern muss.

Dem Zuschauer wird im Film Harvey niemals direkt gezeigt, aber einmal ist er auf einem Gemälde zu sehen, wodurch die Existenz Harveys eine Angelegenheit des Glaubens wird, außerdem ermöglicht uns der Regisseur dadurch unsere Phantasie, unsere Träume und Wünsche in Harvey zu legen und auch in ihm zu erkennen. Jedes unserer Probleme und all unsere Sorgen sind klein neben diesem Harvey und so eröffnet der Film eine ganz neue Traumwelt, die zwar nicht ganz real ist, aber glücklich machen kann.

Die Kamera verhält sich den ganzen Film über in einer neutralen Position auf ungefährer Augenhöhe mit den Charakteren, da kein Charakter besonders als bedrohlich hervorgehoben werden soll.
Was an den Kameraeinstellungen wirklich interessant ist, ist die Anfangseinstellung, die nicht wie es üblich ist (zumindest für diese Zeit) eine "Totale" oder eine "Halbtotale" ist sondern eine "Ganzkörperaufnahme", was darauf hinweist, dass es in dem Film nicht um das Gelände, den Ort geht sondern um den Charakter.
Die Musik ist unscheinbar und stimmig mit den Szenen.
Die Schnitte wirken nicht abrupt und verstärken so die Harmonie des Filmes.

Fazit: Eine Komödie für die ganze Familie, die klarstellt was wirklich wichtig im Leben ist und was die Gesellschaft daran verändert da sie es einem nicht geben kann. Als Komödie zu seiner Zeit schöpfte der Film alle Möglichkeiten aus und wirkt noch heute zeitlos.

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