Review

„Ich kam mit einem berechtigten Einwand und durfte erwarten, dass Sie vernünftig darauf reagieren. Stattdessen finde ich einen völlig Wahnsinnigen vor!“

US-Regisseur Lew Landers’ Regiedebüt aus dem Jahre 1935 ist ein alter „Universal“-Grusler mit den damaligen Genrestars Bela Lugosi („Dracula“, „Plan 9 From Outer Space“) und Boris Karloff („Frankenstein“, „Die, Monster, Die!“). „Der Rabe“ ist ein Ehrerbietung an Horrorautor Edgar Allan Poe, die nach dessen gleichnamigem Gedicht betitelt wurde, aus dem Lugosi als Chirurg und Poe-Fanatiker Dr. Vollin gern zitiert. Wesentlich mehr Raum nehmen aber die Folterinstrumente aus Poes „Die Schlangengrube und das Pendel“ ein, weshalb es mehr Sinn ergeben hätte, den Film entsprechend zu nennen. Dr. Vollin hat diese im Keller seines prunkvollen Anwesens nämlich nachgebaut und brennt darauf, nachdem er von einer Patientin bzw. deren Vater zurückgewiesen wurde, diese an Menschen auszuprobieren, um Rache zu nehmen.

Außerdem hat er einen Verbrecher (Boris Karloff), der sich um eine Gesichts-OP bittend an ihn gewandt hat, chirurgisch entstellt und benutzt ihn als Handlanger, indem er ihn erpresst. Ja, Dr. Vollin ist ein selbstverliebter, bösartiger Narziss, ein übler Kotzbrocken, dem Lugosi mit seiner ihm eigenen Mimik und seiner Spielfreude Leben aus Ausdruck einhaucht. Karloffs Rolle des entstellten, eigentlich armen Tropfs erinnert vermutlich nicht von ungefähr an seine Auftritte als Frankensteins Monster und funktioniert mit ihrer tragischen Note auch hier einwandfrei.

Ein Aufeinandertreffen Karloffs und Lugosis sehen Genrefreunde in der Regel gern und dürften auch hier nicht enttäuscht werden. Diesmal sitzt eben nicht Karloff wie zuvor in „Die schwarze Katze“, sondern Lugosi an der Orgel und spielt schauerliche Musik, wirklich eigene Ideen hat „Der Rabe“ insgesamt kaum zu bieten. Auch hätte das auf Spannung getrimmte Finale inszenatorisch etwas sorgfältiger ausfallen können, als Beispiel sei lediglich das sich augenscheinlich nicht nur abwärts bewegende „Pendes des Todes“ genannt... Damit ist „Der Rabe“ sicherlich nicht sonderlich innovativ, möglicherweise aber wegweisend gewesen für die grundsätzlich gelungene Zusammenführung diverser bekannter Genreelemente zu einem unterhaltsamen Ganzen. Es würde mich nicht wundern, wenn Roger Corman diesen Film im Hinterkopf hatte, als er die Arbeit an seiner Reihe von Poe-Verfilmungen begann, die auch ein mit dem Poe nur marginal zu tun habenden „Der Rabe“ hervorbrachte...

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