Wie schon in dem ein Jahr vorher realisierten DER MÖRDER WOHNT IN NR. 21, greift man bei DER RABE auf Whodunit-Erzählmmuster zurück und stattet das versteckspielende Subjekt mit einem festen Markenzeichen aus. Waren das dort kleine Karten mit einem Pseudonym drauf, die am Tatort hinterlassen wurden, sind es hier Briefchen, die anonym an unterschiedliche Menschen einer Provinzstadt verschickt und mit "Le Corbeau" unterzeichnet werden. In diesen Briefen beschuldigt man einzelne Bewohner, bestimmte Sachen getan zu haben; jemand deckt also vermeintliche Geheimnisse auf, die eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gehören und die die Bürger scheinbar gegeneinander aufbringen lassen sollen. Schon bald herrscht Panik im französischen Kaff, man gerät in Denunziationslust und kommt sogar irgendwann darauf, verdächtige Personen an die Schreibtische zu setzen und sie solange schreiben zu lassen, bis sie völlig erschöpft sind, damit dann niemand mehr von ihnen seine wahre Handschrift verbergen kann. Der ein beachtliches Tempo fahrende, intensive Dialogszenen beinhaltende Film von Clouzot ist so etwas wie ein verkappter Film noir, weil er markante Elemente und die Bildsprache eines Noir zwar aufweist, aber sie nicht in ein klassisches Handlungsformat bringt, wo Mord und zwielichtige Detektive den Plot beherrschen. Außerdem fehlt es ihm ebenso an Urbanität, stattdessen gibt es ein gepfeffertes Kleinstadtfeeling, das von erdrückend bis verstörend reicht. Das könnte auch der Grund dafür sein, warum der Film anfangs abgelehnt, dann verboten und erst paar Jahre nach der französischen Befreiung wieder aufgeführt und mehrheitlich gelobt wurde. So negativ wollten sich die Franzosen damals wohl nicht dargestellt sehen.