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Briefe, die Abgründe auftun

Eine lange Zeit gescholtener und missverstandener Klassiker des französischen Films, der durch seine Aussagen zu den Abgründen und der Fragilität der französischen Gesellschaft vom Naziregime als Propaganda benutzt und von seiner Heimat danach verboten, gemieden und lange Zeit mit Argusaugen betrachtet wurde. Dabei ist er von Henri-Georges Clouzot, der weitreichend bekannt selbst von Hitchcock um sein Talent und seinen Spannungsaufbau beneidet wurde… Sein „Le Corbeau“ handelt von einem französischen Städtchen, das von mysteriösen und gefährlich beleidigenden (aber auch zum Teil die Wahrheit sprechenden!) Briefen „terrorisiert“ wird, wodurch sich schnell Misstrauen, Hass, Abgründe und Vorurteile innerhalb der Provinzgemeinde auftun…

Tinte schneidet tief

Klar, als frischer Kriegsgewinner, stolze Franzosen, doch irgendwie auch traumatisiertes, misstrauisches Land und Besieger der Nazis wollte man erstmal nach dem Krieg nichts davon wissen, was auch Frankreich für Dreck am Stecken haben kann und wie zerbrechlich selbst ein gutsituiertes Dorf voller Ärzte, Politiker und schöner Frauen ausarten kann. Vorausgesetzt die richtigen Briefe trudeln bei den „richtigen“ Leuten ein… Edel aufgenommen, klasse besetzt, clever inszeniert und punktiert. „Der Rabe“ packt das Thema der entlarvenden Briefe (ähnlich wie es letztes Jahr „Kleine schmutzige Briefe“ wesentlich leichtfüßiger und oberflächlicher gemacht hat) in ein wirklich versiertes und feines Korsett, bei dem einem fix klar wird, wie sich der Film irgendwie mit allem und jedem anlegt - ganz auf die Leseweise ankommend! Und daher ist das mutig, funktioniert als Krimi wie Gesellschaftskritik, oberflächlich wie analytisch und war seiner Zeit (in Sachen Neutralität und schonungsloser Ehrlichkeit) gefährlich voraus. Ein Kunststück mit Eiern und brutaler Zivilcourage. 

Fazit: Starker, mutiger, spannender und gesellschaftskritischer Clouzot… nie mehr verursachten Briefe mehr Aufruhr! 

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