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Eine kleine Stadt, hier oder anderswo. Wie aus heiterem Himmel tauchen anonyme Briefe auf, welche die Bewohner, allen voran den Arzt Dr. Rémy Germain (Pierre Fresnay), übel diffamieren. Ob es sich bei den unverschämten Anschuldigungen um perfide Lügen oder doch um die Wahrheit handelt, ist zweitrangig. Die Atmosphäre in der Stadt ist ob des geschürten bösen Blutes rasch vergiftet. Wer ist die feige Giftspritze, die ihre Briefe mit "Le Corbeau" zeichnet & mit flapsigen Begrüßungen eröffnet, etwa mit "Du alte Kanaille", "Du alter Trunkenbold" oder "Kleiner Lustmolch"?

Henri-Georges Clouzot ließ sich für seinen bitterbösen Film von wahren Ereignissen inspirieren. Und er legte ihn so an, dass er auf mehreren Ebenen funktioniert. Vordergründig ist er ein zappendusterer, meisterlich inszenierter Whodunit-Film-Noir-Krimi ohne ein Gramm Fett zu viel auf den Rippen. Zur gleichen Zeit kann man den Streifen auch als Parabel aufs Denunziantentum & als schonungslosen Blick in menschliche Abgründe lesen. Schon erschreckend, welch mörderischer Sog sich da im Nu entwickelt, dem kaum jemand standzuhalten vermag. Ganz stark: Das Spiel mit Licht & Schatten. Sprach der Rabe: Nimmermehr! Meisterwerk!

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