kurz angerissen*
Die ersten Minuten, mit denen Ernest Hemingways zugrunde liegende Kurzgeschichte vollständig abgedeckt werden, sind ein Meisterakt der Reproduktion: Textzeilen werden 1:1 und doch mit eigener Interpretation wiedergegeben, Kamera und Beleuchtung spielen für zeitlose Hell-Dunkel-Kompositionen zusammen und sorgen gemeinsam mit dem langsamen, aber sehr wohl antreibenden Schnitt für eine angemessene Würdigung der Leistung des Autoren, viel Subtext in wenig Seiten unterzubringen. Der Entflüchtigung von Ort und Zeit entspricht Robert Siodmak mit einer beinahe traumartigen Aneinanderreihung von skurrilen Situationen um zwei Killer und ein Opfer, aufgehend in der widernatürlichen (und daher wieder traumartigen) Pointe, sich dem eigenen Schicksal zu fügen.
Anschließend muss sich die Verfilmung zwangsläufig von Hemingway trennen und erreicht dies durch die Verortung der im luftleeren Raum schwebenden Kernereignisse. Moderne Rückblendentechnik wird zu diesem Zweck eingesetzt, resultierend in einer Erzählform, die auch fünf Jahre nach „Citizen Kane“ noch nicht vollständige Wertschätzung vom zeitgenössischen Publikum erfahren konnte. Über diese Brücke wird auch der Bezug zu Noir-Filmen wie „The Maltese Falcon“ oder „Double Indemnity“ hergestellt, in denen Detektive auf Femme Fatales stießen und mit dem sprichwörtlichen Feuer in Kontakt gerieten. Noch dazu wird ein Grundstein für folgende Boxerfilme gelegt, die mit Low-Key-Techniken die Ohnmacht im Ring einzufangen versuchten. Burt Lancaster weiß diese Bühne bereits in seinem Debütauftritt zu nutzen und legt den Grundstein für eine lange Karriere, ebenso wie Ava Gardner an seiner Seite.
Mit jeder Wendung läuft Siodmak Gefahr, die Intention der Vorlage zu verfehlen, wenn man nicht ohnehin bereits den Umstand der Weitererzählung als Verfehlung begreifen möchte; andererseits gelingt Siodmak gerade dadurch ein eigenständiges, unabhängiges Noir-Werk, das nicht einmal für sich beansprucht, die ultimative Auflösung zu Hemingways Gedankenspielen zu bieten, sondern sich bei aller Aufdeckung zumindest im Subtext seine Geheimnisse bewahrt.
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