Review

Prinzipiell war der Stoff für eine filmische Visualisierung prädestiniert. Arthur Goldens Roman quillt über vor sinnlichen Tänzen, edlen Kimono und eleganten Frauen im Land fallender Kirschblüten und bietet somit lesbaren Eye Candy pur. Er erzählt die Geschichte der kleinen Chiyo, die unter ärmsten Verhältnissen in einem winzigen Fischerdörfchen aufwächst und an ein Okiya verkauft wird um eine Ausbildung zur Geisha zu beginnen. Nach Jahren voller Rückschläge und Verzweiflung beginnt sie eine Faszination für das glamouröse Leben einer Geisha zu entwickeln. Doch sie muss auch feststellen, dass sie in ihrer Position nie in der Lage sein wird, wahre Liebe zu empfangen und auszuleben.
Es ist natürlich erstmal schön, zu sehen, dass Rob Marshall sehr viel Wert auf Authentizität in der Darstellung des Japans der Vorkriegszeit gelegt hat. Dem Produktionsdesign mit all seinen liebevoll ausgearbeiteten Kimono und einem vollständig nachgebauten Geisha-Bezirk dürfte wohl die Oscar-Nominierung schon sicher sein, während die Bilder in einer Farbenpracht erstrahlen, dass es eine wahre Wonne ist. Wenn man ihn auf das Visuelle beschränkt, kann man „Memoirs of a Geisha“ also wirklich als einen schönen Film bezeichnen.
Auch die musikalische Untermalung ist nicht zu verachten. John Williams hat sich deutlich von asiatischen Kollegen wie Tan Dun oder Shigeru Umebayashi inspirieren lassen und hat sicherlich keinen Fehler damit begangen, sich von Yo Yo Ma am Cello und Itzhak Perlman an der Violine unterstützen zu lassen.
Dummerweise geht dem Film jegliche emotionale Tiefe ab. Chiyos Kindheit in Yoroido wird in einer einzigen einleitenden Szene und einigen Nebensätzen abgehandelt, weswegen dem Zuschauer überhaupt keine Grundlage für ihren Charakter geboten wird. Auch ihre Geisha-Ausbildung rast fast wie ein Schnellzug an einem vorbei. Szene an Szene wird aneinandergehängt, damit bloß keine Zeit verloren geht und sich der Film in der zweiten Hälfte der eigentlichen Liebesgeschichte widmen kann, die für Chiyo bzw. Sayuri die Hauptmotivation darstellt. Doch wo das Buch pure Tragik und innere Konflikte mit Melancholie und Hoffnung mischt, läuft der Film einfach zu glatt und zu gelackt ab. Kürzungen und Veränderungen sind bei einer Adaption immer nötig, doch der Film simplifiziert zu stark, was überdeutlich beispielsweise an der Darstellung des Nobu wird. Ist Sayuri im Buch noch hin und her gerissen zwischen ihrer Freundschaft zu ihm und der Liebe zu seinem Freund Iwamura, wird Nobu im Film zu einem Arsch degradiert, für den sie in keiner Sekunde Sympathie empfindet, ein unverzeihlicher Aspekt, denn jegliche Spannung geht somit verloren. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Schicksal der Figuren auf der Leinwand ging mir in keiner Sekunde nahe, trotz der zugegeben sehr guten Leistungen von Zhang Ziyi, Gong Li und Michelle Yeoh.
Was der Film zu bieten hat, ist Eye Candy, sonst nichts, und das ist für solch einen Stoff bedeutend zu wenig. Gerade im direkten Vergleich zu seiner Vorlage eher als Katastrophe zu bezeichnen, kann er auch unabhängig davon betrachtet nicht mehr als mittelmäßig genannt werden.

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