Dinosaurier-Trash von Mark L. Lester.
Folglich sollte man keine Bombast Effekte erwarten, die seinerzeit einen „Jurassic Park“ ausmachten und sich stattdessen auf knapp 90 Minuten Schwachsinn einstellen, bei der die ersten Einstellungen bereits entscheiden, ob man diesem Humbug überhaupt weiter beiwohnen sollte.
Denn, wenn einem hier ein prächtig grüner Laubwald als Teil der Türkei verkauft wird, in dessen Umgebung in einem Vulkanberg etwa 70 cm große Styropor-Eier durch die Gegend kullern, woraus kurz danach kleine Mini-Dinos schlüpfen, mutet das schon leicht befremdlich an.
In der nächsten Szene sind die Viecher bereits zwei Monate alt und ausgewachsene Flugsaurier, die drei lustige Jägergesellen auf einer Wiese attackieren.
Spätestens jetzt ist man entweder in der entsprechenden „Gib mir mehr Blödsinn“ – Laune oder man schaltet ab.
Mit mehr Blödsinn muss man sich allerdings auf Coolio gefasst machen, der in einem Handlungsstrang als Anführer einiger Elitesoldaten einen gesuchten Terroristen stellt und sich auf ein paar gesichtslose Teens einstellen, die im anderen, gemeinsam mit ihrem Lehrer einen paläontologischen Exkurs unternehmen.
Irgendwann werden natürlich beide Handlungsstränge zusammen geführt, schließlich gibt es ja noch die Flugsaurier der Sorte Pterodactylus.
Und die sind hier recht aktiv und sorgen die meiste Zeit für herzhafte Szenen mit Schmunzeleffekt.
Solange die Kreaturen nur in der Luft kreisen, sieht das noch halbwegs passabel aus, doch wehe, sie krallen sich ein Opfer und flattern mit diesem davon, - dann sind Schenkelklopfer in Bierlaune garantiert.
Zumal die „Bluescreen-Technik“ hier richtig dilettantisch verwendet wurde, teilweise liegen Opfer am Boden, während ein Ptero auf diesem herumgrabbelt, ohne dass sich Kleidung oder Körperpartien bewegen.
Auch mit Schatten hat es die Computertechnik nicht so, entweder sie fehlen ganz oder entsprechen nicht im geringsten dem natürlichen Lichteinfall, kann auch sein, dass es in diesen Waldteilen der Türkei überhaupt keine Schatten gibt.
Erstaunlich ist aber der Blutgehalt, denn die Flugsaurier schlagen hier und da recht brachial zu, wenn auch meistens in einiger Distanz zur Kamera.
Da werden Körper zerrissen, in der Mitte geteilt, mit dem Flügel ein Kopf abgetrennt, Arm ausgerissen, Innereien genascht und ein Opfer muss sich im Nest der Jungen sogar einer phasenbedingten Fütterung unterziehen.
Die Effekte muten zwar nicht sonderlich realistisch an, werden aber regelmäßig mit allerlei Gekröse eingebaut.
Bei alledem ergeben sich innerhalb der strunzdoofen Handlung natürlich jede Menge Ablauffehler und Logiklöcher. Man fragt sich schon, wie die Erstgeschlüpften sich quasi selbst erziehen konnten, wie ein Schaf an einem Seil, zwischen einem Abgrund gespannt, gleich zwei Personen aushält und warum ein Sondereinsatzkommando überhaupt keinen Kontakt zur Außenwelt nötig hat, obwohl Coolio deren Anführer ist.
Mit dem Rest kann man sich, wenn man nicht gerade 1,5 Liter eines undefinierbaren Weines aus Griechenland intus hat, nur schwerlich anfreunden.
Da bewirkt die angedeutete Liebelei zwischen Professor und rothaariger Musterstudentin eher vorausahnende Langeweile, der Wissenschaftsfanatiker mit Brille nervt als unnützes Beiwerk und die blonde Vollbusige, arrogante Tochter reicher Eltern, ist auch nur für eine Schwimmszene im See gut, wobei die Attacke auf dem Wasser recht gelungen eingefangen wurde – so wie die Hotpants der Schwimmerin vom Flugsaurier.
Auf der Soldatenseite ist das noch oberflächlicher. Coolio hat halt das Sagen, daneben gibt es noch die toughe Soldatin, den Kameraden, der ständig Jägerwitze bringt und den gefangenen Rebellen als Klotz am Bein, der natürlich diverse Fluchtversuche unternehmen wird.
Aber wenn man sich dem fast durchweg temporeichen Blödsinn mit wenig Anspruch und vollem Trashfeeling hingibt, kann „Pterodactyl“ halbwegs funktionieren.
Die Effekte sind richtig scheiße und regen zum Amüsieren an, das Blut spritzt ordentlich, wenn auch etwas zu hell und im Gesamtbild mag man kaum glauben, dass Schund – und Exploitationfilmer Lester sich so einen geballten Schwachsinn überhaupt wagt.
Denn so fröhlichen Dilettantismus traut man heutzutage eher Amateurfilmern zu…
Knapp
6 von 10