Review

Chaotisch-charmanter Cyberjunk


Weit vor „Matrix“ und noch weiter vor „Cyberpunk 2077“ war Keanu Reeves in diesem futuristisch-trashigen Actioner zu sehen, der zu seinem Release ziemlich floppte und zerrissen wurde, in einer Schublade etwa mit „Strange Days“, „eXistenZ“ oder „Der Rasenmähermann“ spielt, sich über die Zeit aber zu einem kleinen Kultobjekt mausern konnte. Gerade in Japan, nicht zuletzt wegen Superstar Takeshi Kitano (der hier jedoch als recht simpler Gangster verheizt wird). Wieder mal dank Turbine Media gibt’s ihn seit einiger Zeit in weltweit einzigartiger Blu-Ray-Veröffentlichung hier in Deutschland - und die kann man für jeden Fan nur als Pflichtkauf bezeichnen. Erzählt wird aus einer dystopischen und von Firmen bestimmten Zukunft, dem Jahr 2021: ein ziemlich heimatloser und gejagter Cyberkurier trägt in der Festplatte in seinem Kopf geheime Daten, die von gierigen Großkonzernen und brutalen Yakuza gesucht werden…

Irgendwo zwischen Reeves späteren Auftritten in dem Genre, „Virtuosity“, „Tron“, einer Wahrsagerkugel und einem schlechten PSOne-Game befindet sicher dieser Techno-Thriller der höchst dummen, aber genauso höchst unterhaltsamen Sorte. Flach aber furios. Viel Speed, viele bekannte Gesichter wie Udo Kier, Dina Meyer, Ice-T und sogar Dolph Lundgren, immer wieder durchschimmernde Themen aus der (natürlich viel besseren) Vorlage von Gibson. Etliche Kniffe und Anregungen über VR, das Internet oder die Datengefahr, die auch heute alles andere als aus der Zeit gefallen scheinen. Anders als viele der damaligen Computereffekte. Aber das ist halb so wild. Auch teilweise überragendes Overacting trägt zum Amüsement bei. Der an „Terminator“ erinnernde Score begeistert und ist ein beliebtes Sammlerobjekt. Die dreckige Ausstattung, Accessoires und Mode sind bizarr-sehenswert. In der Uncut gibt’s einige brutalere Szenen samt Laserpeitsche und dran glaubender Passanten. „Johnny Mnemonic“ steht keine Minute still und ist nie ernst zu nehmen - aber für meinen Geschmack auf allen Ebenen ganz weit weg von einem Flop! 

Fazit: genauso oft völlig daneben wie zukunftsweisend. In „Johnny Mnemonic“ gibt’s immer etwas zu sehen, oft zu grinsen und er ist insgesamt ein erstaunliches 90er-Cyberpunk-Entertainment-Paket der skurrileren Sorte! 

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