Nachdem sich Stan Laurel mit Hal Roach zerstritten hatte, sah es arg mager aus, was die Zukunft seinerseits und von seinem Filmpartner Oliver Hardy anging. Roach wollte sie jedenfalls nicht mehr, aber die internationalen Produzenten zeigten Interesse. So geschah es, dass das Dou einen Vertrag bei Fox unterzeichnete, und ein paar Filme vorweisen musste. 1943 erblickte dann "Die Tanzmeister" das grelle Licht der Filmwelt. Bevor sie - werter Leser - dieses Review konsumieren, mache ich darauf aufmerksam, dass ich expliziter als sonst auf die Handlung eingehe, um ihnen zu zeigen, was man bei Dick und Doof richtig und was falsch machen kann.
Erste Szene: Tanzschule. Stan und Ollie verdienen sich ihre Moneten in eben genannter Schule und bringen blutjungen Mädchen in knappen Shorts Balett, "Rock N Roll" (Es wird so nüchtern ausgesprochen wie es hier auch klingt) und andere Tänze bei. So sehen wir einen damals schon immer übergewichtigeren, aber zumindestens noch agilen Oliver rumhüpfen und Stan gibt uns hier den Ballett-Tänzer, der in einer irgendwie unecht anmutenden Szene durch den Raum springt - ich glaube einfach nicht, dass das seine Beine waren, die sahen so reingeschnitten aus! (Auch wenn die "Computer"-Technik 1943 noch in den Kinderschuhen steckte). In der nächsten Aufnahme begutachten wir eine Gruppe reiferer Herren, die sich nach kurzen Dialogen als Verbrecherbande herausstellen. Mit dazu gehört ein damals noch arg junger Robert Mitchum, der noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist. Diese Bande - die wirklich den Eindruck von organisiertem Verbrechern macht - denkt sich einen fiesen, gemeinen Plan aus. Nach einigen empörten Reaktionen ("Ich will mich nicht schon wieder umstellen!") wird ein neuer Plan preisgegeben, mit dem man Geld machen will - man verkauft naiven Leuten eine Pseudo-Versicherung und kommt dann jeden Monat die Prämie abkassieren. Das alles auffliegen würde, wenn sich wirklich jemand ein Bein bricht und die Versicherung dann dafür blechen müsste, wird nicht erwähnt. Aber der Plan ist gut!
Die Doofen finden sie natürlich in Stan und Ollie, die gar nicht allzu lange zögern und die Versicherung annehmen. Ollie hört besonders gut zu, als Mitchum ihm erklärt, dass man im Falle des Todes 100.000 Doller bekommt - heute eine Witzsumme. Nach der gelungenen Transaktion freut sich Mitchum kurz, wird dann von Polizisten abgeschleppt und wahrscheinlich in den Knast gesperrt. Und mit der Versicherung klappt es nun doch nicht, aber das wissen die beiden ja noch nicht. So, was hat noch bisher gefehlt? Richtig, eine herzensgute Dame, die unseren beiden Helden grinsend zur Seite steht. Die taucht auf in Form der Sekretärin und scheint echt dicke mit Stan und Ollie befreundet zu sein. Dieses Mädel (Welches den sympathischen Namen Trudy trägt), hat auch noch einen jungen Boyfriend. Der heißt im Original Grant und wird in der deutschen Übersetzung die ganze Zeit scherzhaft Hans genannt. Ich hoffe doch, das sollte ein Scherz der Übersetzer sein. Ja? Nein?
Nebenbei noch ein bisschen Kriegspropaganda, wo wir bei dem Untertitel "Neulich in der Kriegsmaschinen-Werkstatt" angekommen sind. Hans (Heißt der echt so...?) arbeitet selbstverständlich in so einer Fabrik und werkelt an einer revolutionären Laser-Waffe, die natürlich strengstens geheim ist. Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob das jetzt eine Fabrik ist oder eine Sammelstelle von Hobby-Erfindern. Wie dem auch sei, dummerweise ist Hans' Chef Trudys Vater Wentworth, der nicht viel von diesem Arbeiter hält. Zusammen mit seinem geleckten Kollegen George - der wohl sowas wie der Böse im Film sein soll - begutachtet Wentworth jeden Schritt von Hans genau und freut sich schließlich spontan, einen Kündigungsgrund zu haben. Hans ist ganz doll traurig. Zumindestens bei Trudy ist heute Party angesagt, denn ihre Eltern fliegen nach Washington und das bedeutet sturmfreie Bude! Sie lädt sich Stan, Ollie und Hans ein, die mit Limonade (...) eine Party feiern wollen. Währendessen platzt die Reise nach Washington und die Eltern - inklusive George - beschließen, wieder nach Hause zu fahren. Dort steigt natürlich grade die Fete und Hans hat sich dummerweise die Hose nass gemacht (...mit Limonade!) und sie sich ausgezogen, damit Trudy sie mal eben waschen kann. Nun steht ein halbnackter Mann im Zimmer mit einem Glas in der Hand. Ob das Papi gerne sieht? Da muss man gar nicht überlegen, denn wenig später kommt er plus Frau plus Arschkriecher George nach Hause und entdecken ihn. Empörung macht sich breit. Aber Trudylein wickelt ihren Vater um den kleinen Finger, weswegen nichts schlimmes passiert. Ach ja, Stan und Ollie können auch fliehen.
Ein kurzes, typisches Laurel & Hardy Intermezzo: Die beiden haben ihre Miete nicht bezahlt und werden unangenehm vom Vermieter darauf angesprochen, der die Miete um Punkt 12 haben will. Nun haben sie aber kein Geld, doch Stan überredet Ollie, den 300$ Notgroschen abzuheben, um damit noch über die Runden zukommen. Gesagt, getan. Nun laufen sie aber blöderweise an einem Auktionshaus vorbei, wo eine ältere Dame auf eine Standuhr bietet, aber im letzten Moment bemerkt, dass sie ihr Geld zuhause vergessen hat. Spontan bittet sie Stan und Ollie darum, weiter auf die Uhr zu bieten, während sie das Geld holt. Das wird getan, und der Endpreis beträgt zufälligerweise 300$. Sie bezahlen die Uhr und wollen draußen auf die alte Dame warten, gehen dabei über die Straße und legen kurz ab - und schon wird die wertvolle Uhr von einem Laster überfahren. Geld umsonst futsch. Aber nanu, kommt einem diese Nebenhandlung nicht irgendwie bekannt vor? Richtig, die Geschichte wurde rund 10 Jahre vorher schonmal umgesetzt, damals unter dem Namen "Als Nachtisch weiche Birne" und noch unter Hal Roach. Nun hat Fox diese Sache nochmal aufgewärmt, was gar nicht mal so übel ist, würde sich diese Geschichte nicht letztlich als völlig nutzlos für die Handlung rausstellen. Stan und Ollie werden im ganzen weiteren Film über nicht auf die Miete angesprochen, weswegen es nahe liegt, dass Fox nur mal eine altbewährte Szene irgendwie ins Geschehen mischen wollte.
Wie dem auch sei, als nächstes bekommen wir wieder eine Portion Hans (im Glück). Der hat seine patentierte Laserstrahl-Maschine fertig, will sie aber nicht unter seinem Namen vorstellen, weil er ja immer noch im Twist ist mit Trudys Vater. Kurzerhand werden Stan und Ollie angeheuert. Stan muss als ausländischer Professor, der kein Englisch spricht (warum auch immer...) die Maschine vorführen, während Ollie der Dolmetscher ist. Warum man das nicht lieber andersrum macht, bleibt unklar, denn getreu dem Klischee "Doof bleibt Doof" liefert Stan mit der Kanone zwar einen einwandfreien Strahl ab, trifft nebenbei aber auch das Haus von Trudy und Co., welches in Flammen aufgeht. Und als wäre das nicht schon genug, schrottet Stan noch unabsichtlich die Lasermaschine und schon fängt man wieder bei 0 an. Hans braucht stolze 100.000$, um wieder eine neue zu bauen (Woher hatte er denn vorher das Geld bitte?). Stan und Ollie haben ein schlechtes Gewissen, und da kommt Ollie die Idee mit der Versicherung. Bricht sich Stan irgendwas, kassieren sie ab, was man wiederum Hans für seine Maschine geben kann.
Währendessen beweist Schmier-George mal wieder, was für ein einwandfreies Arschloch er ist. Er zeigt Wentworth Pläne von Hans' Maschine, um sie selbst zu bauen. Wentwort ist entsetzt und scheucht ihn raus, mit der Begründung, er wolle Hans selbst finanzieren. Trudy freut sich, Hans freut sich und beide wollen die Botschaft Stan und Ollie überbringen. Die sind aber grade unterwegs, um das Geld zu besorgen... also eigentlich versucht Ollie verzweifelt, Stan in irgendeinen Unfall hinein zu verwickeln, damit der sich was bricht. Letztlich kriegt aber doch Ollie immer die Schmerzen ab. Als letzte Lösung wollen die beiden zu einem Vergnügungspark fahren, weil Stan sich in der Achterbahn das Bein brechen soll (Wie auch immer das gehen soll). Die Fahrt im Bus stellt sich jedoch schon als Abenteuer raus. Ein vermeintlich tollwütiger Hund erschreckt den ganzen Bus, die Passagiere samt Fahrer springen raus und nur noch Stan und Ollie sitzen oben in der zweiten Kabine und fragen sich, warum der Bus plötzlich so ungezügelt die Straße lang quietscht. Stan versucht verzweifelt, den Bus zu steuern, rast schließlich in den Vergnügungspark und springt rechtzeitig ab, während Ollie unfreiwillig mit dem Bus auf die Achterbahn fährt und eine wilde Fahrt erlebt. Nun brettert er die Bahn rauf und runter, von außen sieht man schön, dass da ein Spielzeugbus eine Spielzeugachterbahn hoch geschubst wird, aber mit den Special Effects war man damals eben noch nicht so weit. Es endet alles damit, dass es Ollie ist, der sich den Fuß bricht und im Krankenhaus landet. Ende.
Dieser Film Anno 1943 und unter Fox erweist sich noch erstaunlich amüsant und charmant. Man merkt teilweise zwar, dass Stan und Ollie nicht wirklich so die Lust gehabt haben (Immerhin mussten sie sich strikt ans Drehbuch halten - kein Platz für spontante Ideen), aber sie spielen trotzdem alle an die Wand. Trudy uns Hans geben leider wieder eine in sich gesehen doofe Nebenhandlung ab, die wenigstens nicht arg komplex ausgefallen ist wie noch bei der "Wunderpille". Zudem merkt man, dass die deutsche Synchronisation versucht hat, nachträglich verbale Witze einzufügen. So spricht Stan, obwohl er gar nicht den Mund aufmacht. Ist er Bauchredner? Im Original jedenfalls nicht.
Fazit
Kurzweiliger, unterhaltsamer Film für Freunde des Dous. Einige Sachen wurden zwar wieder aufgewärmt, die Nebenhandlung ist bemüht um einen ähnlichen Charme wie von Laurel und Hardy (schafft es aber nicht), aber man ist wirklich immer noch auf der sicheren Seite mit einem Film der beiden. Lachen garantiert.
8/10