Dick und Doof - Die späten Jahre (Teil 5)
Noch im Review zu Dick und Doof und die Wunderpille (Jitterbugs) sprach ich davon, dass 20th-Century-Fox seine beiden Künstler scheinbar gerne in absurde Kostüme steckt, um zusätzliche Lacher aus dem Publikum zu kitzeln. Sieht man sich jetzt das Cover von Die Tanzmeister an, wollten die Produzenten wohl noch einen draufsetzen: Ollie steckt in einem glänzenden Clownsdress mit kecker Mütze, Stan gar in einem Ballerina-Kleidchen. So präsentiert sich also der 43'er The Dancing Masters, Nummer Vier aus dem Hause Fox, wieder unter der Regie von Malcom St. Clair, welcher schon für Die Wunderpille verantwortlich zeichnete. Nun hatte eben genannter Film einige für Dick und Doof ungewöhnliche, aber durchaus willkommene Stärken: eine ordentliche Geschichte und ein bisschen mehr Wortwitz. Die Tanzmeister soll wohl das krasse Gegenteil darstellen - eine Geschichte ist praktisch nicht vorhanden, wenn Wortwitz kommt, dann tut er weh (was aber eher der deutschen Synchronarbeit angelastet werden sollte, dazu später mehr), aber schauen wir uns das Ganze mal neutral an.
Laurel und Hardy sind Inhaber einer Tanzschule. Das soll nicht weiter ins Gewicht fallen, denn für die Handlung ist das von absoluter Unwichtigkeit. Trotzdem finden hier die noch lustigsten Scherze statt - Höhepunkt der Szenerie, wenn nicht des ganzen Films, ist der befremdliche Moment, wenn Stan federleicht sein eigenes Ballettstück vorführt. Wie dem auch sei, hier kommen die beiden Clowns in Kontakt mit einer dubiosen Verbrecherbande, die teure, unnütze Lebensversicherungen an ahnungslose Kunden verscherbeln. Ein junger Robert Mitchum erklärt hier in schönster Routine, was für Geldsummen man beim jeweiligen Unfall bekommt - ob nun gebrochenes Bein, angeknackster Arm oder gar beim Tod. Ollie, selbtsicher wie meist, schließt stolz diese Versicherung auf Stan ab.
Mitchum und sein Kollege werden nach diesem letzten Verkauf verhaftet und abgeführt, ohne, dass Stan und Ollie etwas davon mitbekommen. Allerdings dauert es auch runde vierzig Minuten, bis dieser Handlungsstrang wieder aufgenommen wird.
Vermisst schon einer die übliche Nebengeschichte? Zum Glück liefert die uns eine Tanzschülerin namens Trudy, ihres Zeichens Grinsekatze ohne Makel. Trudy lädt ihren Meister Ollie und Meister Stan zu einer "Party" zu sich nach Hause ein, da Mami und Papi zwecks Dienstreise nicht daheim sind. Mit dabei Trudys heimlicher Freund Grant; der ist wiederum Angestellter in der Waffenfabrik von Trudys Vater. Grant ist besagtem Papa ein Dorn im Auge, da er in der Fabrik nichts Halbes und nichts Ganzes zu Stande bringt. Der Schmierige Assistent des Vaters - ein gewisser Wentworth - nutzt das natürlich aus, um Grant fertig zu machen und damit im Ansehen des Vaters zu steigen, hat er doch ein Auge auf die smarte Trudy geworfen. Das Flugzeug vom Papa ist allerdings voll belegt, die Eltern kommen unverhofft nach Hause und finden Trudy und Grant vor - letzterer ohne Hose! (nicht falsch verstehen, es gab einen Unfall mit einer Flasche Limonade). Grant wird vom wütenden Vater gefeuert.
Fazit: Wer schon immer mal eine obskure Mischung aus Dick und Doof und Beverly Hills 90210 sehen wollte, ist hier an der richtigen Adresse.
Knackpunkt der Story ist nun, dass Grant eine fulminante Erfindung erfunden hat, um die Deutschen im Krieg zu besiegen: eine Strahlenkanone. Weil er sie wegen eben genannter Entlassung nicht persönlich vorstellen will, heuert Grant Stan und Ollie an. Stan versucht sich nun in einer schrecklich unlustigen Szene als ausländischer Professor samt dickem Schnurrbart, der mit allerlei Zauberwörtern um sich wirft, bevor er die Kanone in einem Testlauf feuerbereit macht. Dumm nur, dass der abgeschossene Strahl das Haus von Trudy trifft und die Maschine dabei einen Defekt abbekommt. Stan und Ollie können irgendwie flüchten, stehen nun aber schlecht da: Grant braucht ein kleines Vermögen für eine neue Kanone, das er aber nicht so einfach gesponsert bekommt wie in der Fabrik. Da fällt Ollie - Heureka - die Lebensversicherung von Good Old Mitchum ein.
Das große Problem an Die Tanzmeister ist, dass er prinzipiell aus vier verschiedenen Kurzfilmen besteht, die alle nicht so recht miteinander harmonieren wollen. Dass das durchaus im Bereich des möglichen liegt, haben wir bei Die Klotzköpfe (1938) gemerkt. Die titelgebende Tanzschule ist nur im ersten Viertel des Films zu sehen; während der unheilvollen Geschichte um Trudy und Grant erscheinen Stan und Ollie wie Störfaktoren am Bildrand; unsinnigerweise findet sich im fertigen Film sogar ein Remake des Kurzfilms Als Nachtisch weiche Birne (1935): Stan und Ollie nehmen spontan an einer Auktion teil, versprechen einer älteren Dame, für sie auf eine teure Standuhr zu bieten, während sie das Geld besorgt, und erstehen diese dann tatsächlich. Pointe der Geschichte: Sie tragen die Uhr ein Stück die Straße rauf und entschließen sich ausgerechnet auf offener Straße dazu, "kurz mal abzulegen".
Letztlich wirkt dieses Remake wie angekoppelt, um den Film künstlich in die Länge zu ziehen.
So katastrophal wie das zunächst klingt, ist The Dancing Masters eigentlich nicht. Es gibt durchaus ein paar nette Gags (auch wieder auf visueller Ebene, zum Beispiel die abenteuerliche Achterbahnfahrt mit einem Omnibus), Stan und Ollie agieren dabei größtenteils, wie man es von ihnen gewohnt ist - größter Kritikpunkt ist einfach, dass hier keine richtige Geschichte erzählt wird. Bei Trudy und Grant handelt es sich um das nervigste Paar, mit dem es Laurel und Hardy zutun bekommen, dementsprechend anstrengend ist ihre gezeigte Liebesgeschichte.
Nun aber noch ein paar Worte zur Synchronisation. Die mit Abstand merkwürdigste, die ich je bei einem Dick-und-Doof hören musste. Obgleich Dialogregisseur Franz-Otto Krüger schon so manchen Film mit Laurel und Hardy ordentlich vertont hat, scheint er hier vorher einen Clown gefrühstückt zu haben. Da werden den Darstellern Sätze in den Mund gelegt, obwohl sie den gar nicht aufmachen - die verbalen Scharmützel zwischen Stan und Ollie erinnern an die Wortgefechte eines Louis De Funes, sind leider nur nicht von dessen Qualität. Anfangs noch unfreiwillig lustig, nerven diese extra eingefügten Sätze irgendwann, weil sie einfach nicht passen - eine für den Zuschauer unzumutbare Prozedur, ähnlich den "synchronisierten" Stummfilmen des Duos, die später die Fernsehlandschaft unsicher gemacht haben. Da ist es noch das geringste Problem, dass Grant in der deutschen Variante zu einem "Hans" gemacht wird.
Nun aber wieder zum eigentlichen Film. Die Tanzmeister ist nach den durchaus interessanten Ablegern Schrecken aller Spione und Die Wunderpille eine kleine Enttäuschung seitens Fox. Das Drehbuch wirkt wie lustlos am Mittagstisch zusammengeschustert, der Film wird durch den fehlenden roten Faden zu einem alles andere als kurzweiligen Vergnügen. Wer Die Klotzköpfe wegen eben jener Abwesenheit einer jeglichen Handlung mochte, wird auch diesem Film etwas abgewinnen können. Ein paar nette Gags sind dabei, allerdings nichts von erinnerungswürdiger Natur.
Und wenn man keine blutenden Ohren bekommen will, greift man zur englischen Originalversion.