Dick und Doof - Die späten Jahre (Teil 2)
Man kann über Schrecken der Kompanie - diesem ersten, schwachen Versuch von 20th-Century Fox, Laurel und Hardy auszuquetschen - denken was man will: im Vergleich zum nachfolgenden Als Geheimagenten beim FBI war erstgenannter Film ein komödiantisches Meisterwerk. Selbst Stan Laurel bezeichnete dieses Machwerk zwanzig Jahre später als schwächsten Laurel-und-Hardy-Film - wie wahr, wie wahr.
Bereits der Titel stiftet Verwirrung; sowohl der Originaltitel, als auch die deutsche Variante. A Haunting We Will Go? Dieser Titel, zusammen mit dem düsteren Kinoplakat, suggeriert eine Gruselkomödie mit den beiden Jungs. Pustekuchen, im Endeffekt hat dieser Film keine einzige, wirklich unheimliche Komponente, auch wenn der Plot zunächst danach klingt: Stan und Ollie, wie immer am Rande der Obdachlosigkeit, suchen einen Job und werden fündig. Sie sollen einen ominösen Sarg bei seiner Reise durch das Land begleiten.
Dumm nur, dass es sich hier um keine Leiche, sondern einen gesuchten Gangsterboss handelt, der unerkannt fliehen und am Ankunftsort seiner hölzernen Tupperdose eine dicke Erbschaft abkassieren will. Luftlöcher im Sarg, Check; zwei naive Begleiter, Check. Doch vor der Abfahrt des Zuges werden die Särge vertauscht; der Gansterboss wechselt mit allerlei Requisiten des berühmten Magiers Dante, zufällig ein Passagier des Zuges. Stan und Ollie bemerken die Problematik natürlich nicht.
Wer die Handlung und den deutschen Titel liest, wird sicherlich auch irritiert sein. Stan und Ollie sind hier in keinster Weise irgendwelche Geheimagenten (und wenn, dann höchstens so geheim, dass sie es selbst nicht wissen), und schon gar nicht beim FBI. Der einzige Titel, der passt, kommt auch noch als Alternative aus Deutschland daher: Fauler Zauber. Passt, nehmen wir.
Kaum sind unsere Freunde im Zug, macht sich ein Umstand extrem bemerkbar: der Film ist verdammt langweilig. Auch wenn die Geschichte an sich ganz nett ist, der Gagschreiber muss ein humorloser Knurrhahn gewesen sein. Hier ist jeder zweite Witz ein Blindgänger, auch wenn Stan deutlich besseren Text als noch in Schrecken der Kompanie spendiert bekommen hat (er möchte z.B. nach Florida, weil er Hunger auf eine Orange hat). Ansonsten haben die großen Lacher Sperrstunde.
Stan und Ollie werden Opfer eines Betrügerdous, das mithilfe einer "Geldmaschine" Reichtum und Wohlstand verspricht - wie so oft fallen die Jungs auf diese Finte herein, leisten sich im sicheren Wissen, ja reich zu sein, das schönste Festessen, und stehen letztlich arm und ohne Geld vor der Rechnung. Bevor es zu Nachwirkungen kommen kann, platzt Magier Dante ins Bild und bezahlt die Rechnung, gekoppelt mit der Bitte, dass die beiden Helden mal in seiner Zaubershow mitmachen könnten.
Ein paar Worte zu Dante, eigentlich Harry August Jansen. Der spielt in diesem Film sich selbst, war er doch zu jener Zeit einer der berühmtesten Magier Amerikas. Dementsprechend ist Fauler Zauber (ich poche jetzt auf diesen Zweittitel) eine Art Werbefilm für den guten Mann. Stan und Ollie treten natürlich in seiner Zaubershow auf, davor dürfen wir Dante mehrere Minuten dabei beobachten, wie er altbewährte Tricks vorstellt. Das ist zwar ganz lustig, zieht aber den ohnehin stark humpelnden Film noch mehr in die Länge. Immerhin kommt es im Rahmen dessen zum einzigen, durchaus erinnerungswürdigen Höhepunkt des Films. Stan und Ollie stellen einen unterhaltsamen Trick vor; Ollie bläst auf seiner Flöte, während Stan an einem Seil hochklettert, dass sich durch die Klänge langsam hebt. Hört Ollie auf zu spielen, erschlafft das Seil. Durch die beeindruckende Tricktechnik etablieren sich wenigstens diese annährend fünf Minuten als kleines, unerkanntes Highlight in der Filmografie von Laurel und Hardy.
Nun sollte man aufhören, wenn es am schönsten ist, aber der Film geht noch ein paar Minuten. Jetzt wechselt Fauler Zauber das Genre, wird von einer dürftigen Komödie zu einem dürftigen Krimi. Um dieses schrecklich langweilige Finale verstehen zu können, muss man die Nebengeschichte kennen, die seperat zu Dick und Doof abgespult wurde: kurz gesagt ein Komplott unter Gangstern, mit Einmischung der Polizei (daher wohl das FBI im deutschen Titel); Schlüsselszene hierbei ein "Mord" von Dante, der bei einem Trick seinen Sarg von der Decke geschossen hat, ohne zu wissen, dass darin ein lebender Mensch ist (zur Erinnerung: die Särge wurden am Anfang vertauscht). Hardy verkommt in dieser Suppe zum nervösen Zeugen, der der Polizei hilft, Laurel wurde vorsichtshalber ganz aus dem weiteren Skript gestrichen. Wer jetzt nicht schon verwirrt genug ist, der wird sich über die dritte Nebenstory freuen. Kurz vor Feierabend wird einem der (un)sympathische Sunnyboy vorgestellt, der ab und an den Vorhang hoch- und wieder runterziehen darf. Während die Polizei nach dem eigentlichen Ganstertrupp sucht, wird eben besagter Knabe von einem der Polizisten auf seine düstere Vergangenheit angesprochen, und dass er eigentlich die Stadt hätte verlassen müssen. Seine Freundin ist entsetzt.
Aua. Warum? Warum, verdammt?
Nach allerhand Konfliktlösung (die Bösen sind im Löwenkäfig, eben erwähnter Sunnyboy von seinen Lastern befreit) findet Ollie ein weinendes Ei vor, aus dem sich ein winziger Stan befreit. Der Film endet damit, dass Ollie den heulenden Stan auslacht.
Auch wenn die nachfolgenden Filme unter 20-Century Fox und MGM ihre Schwächen hatten, Fauler Zauber ist mit Abstand der schlechteste Film dieser Epoche und definitiv der schlechteste, der unter dem Namen Dick und Doof erschienen ist. Hier stimmt fast gar nichts. Der Plot wird nicht hinreichend ausgeschöpft, die Nebengeschichte um die Ganoven ist völlig uninteressant, Witze sucht man mit Lupe und Pipette. Einzig die Zaubershow gegen Schluss rettet den Film vor der völligen Belanglosigkeit.
Die Jungs hätten doch nach Florida fahren sollen; da hätte Stan wenigstens seine Orange bekommen.