Ein Sprung durch die Zeit zurück, ein Nachhaken von der Schriftart her eigentlich längst verblasster und im Papier bereits nachgedunkelter Drehbuchseiten, die zehn Jahre zu spät dennoch mit dem gleichen alten Equipment und scheinbar auch derselben angegrauten Sichtweise auf die Leinwand gebrannt werden. Let Us Flirt, Partner, der mit seinem Alternativtitel Modern Detective etwa gleichauf weit entfernt von der Grundaussage des Filmes, aber sowieso schwer in Worte zufassen oder gar einem schlag- und zugkräftigen Titel zu komprimieren und kompromittieren ist, sieht aus und fühlt sich an wie in einem schlechten Zustand der Siebziger gedreht. Gehört aber von den Eckdaten her zu einer Sorte Subgenre, die Anfang der frühen Achtziger ihren Anlauf und in der Epoche der bunten Lappalie auch ihre Blütezeit [mit unausbleiblicher Folge des Überflusses] nahm.
Der zeitgenössische Polizeifilm, der zur Ermunterung des Publikums weg von den Vigilanten mit Marke und ihrem ewigen Kampf gegen das stetig nachwachsende Böse in der dunklen Ecke der verrottenden Gesellschaft seinen Weg in die Dienstabteilung der Komödie nahm, sich dort zum potenten Kumpelfilm entwickelte und die rohen Sitten mit Action und Humor im ansehnlichen Vorrat ablöste. Der Partner des Protagonisten wurde diesmal nicht mehr auf halben Wege erschossen, sondern geriet am Besten mit entsprechender Gleichberechtigung zum spiegelbildlichen Gegenstück, an dessen Unterschiede und modifizierten Gemeinsamkeiten man sich genüsslich reiben, streiten, und wieder versöhnen konnte. Die Keif- und Polterkultur mit dem Drang zu Wort- und Brachialwitz als das Grundelement wahrer Männerfreundschaft, die ein ganzes Stück derselben und eine Menge einzelner, so gar nicht zusammenpassender Gedanken teilt.
Auch hier gelten die Regeln der allumfassenden Simultanität, der Glücksfall der einstimmig Verschworenen, an dessen Morgen des Tages man sich gemeinsam zur Arbeit aufmacht und Abends die Tür hinter sich schließt, um selbst die Nacht darauf in den gleichen Vier Wänden, wenn auch möglichst nicht im gleichen Bett zu verbringen. Die beiden Cops im Film, die, auf immer miteinander durch ein unsichtbares Band verbunden scheinbar ebenfalls nicht viel miteinander vereint haben, aber dennoch die strikte Einheit im Leben sind, werden natürlich wie üblich durch den Zankapfel ersten Ranges kollidiert und entzweit. Mit dem Einbruch einer Frau entwickelt sich das bisher überaus harmonische Dasein zu dem zentralen Punkt der Auseinandersetzung territorialer Fragen. Bisher war die Konkurrenz untereinander spielerisch anstachelnd, nun geht es um das Eingemachte, das scheinbar Existenzielle im Leben, dass entsprechend dessen auch zur Ultima ratio, dem Bruch der Freundschaft verlangt. Buddy Picture, nach einerlei Muster eingerichtet. Klappe, die Zehnte:
Vorübergehend strafversetzt zur Nachtschicht in einen abgelegenen provisional corpse reception place werden die Polizisten Cheng [ Kent Cheng ] und Chaan [ Liu Wai Hung ] beim Dienstantritt sofort von Geistern in Beschlag genommen und fast wie ihre beiden Vorgänger [ Yue Tau Wan + To Siu Ming ] in die Weite gescheucht; mehr durch Zufall kommen sie allerdings hinter dem groß angelegten Schwindel einer flüchtigen Diebesbande, die den von vornherein gruseligen Ort nur zur zusätzlichen Abschreckung mit scheinbar Schwarzer Magie überzogen hat. Die direkt anknüpfende prompte Beförderung führt die beiden nicht wirklich Hellen und auch nicht Lebensmüden, aber zumindest mit dem Herz am rechten Fleck ausgestatteten Kollegen zurück in die Rangordnung nach Wanchai. Auch heimisch stehen einige Veränderungen, speziell bezüglich der Familienplanung an, möchte Cheng doch bald Fong [ Cheng Lai-Fong ] Heiraten, muss dafür aber auch die Verwandten der Zukünftigen in die eh schon eingezwängte Zwei-Raum-Wohnung aufnehmen. Da darunter auch die schmucke Jane [ Yuen Pooi-Jan ] ist, hat zumindest der noch ledige Chaan bald keine Bedenken hinsichtlich der intimen Fülle mehr, ist aber umso angefressener, als der zunehmend genervte Cheng den neuen Hausgenossen heimlich das Immigration Department auf den Hals schickt. Um seinem Herzblatt Jane die erneute, diesmal offizielle Einreise zu ermöglichen lässt Chaan sich unwissentlich auf dunkle Machenschaften einer doppelten Entführung ein; dessen Auftraggeber [ Lo Lieh ] zusammen mit seiner besten Angestellten Joe [ Lee Yin-Yin ] ein möglichst linkisches, aber trotzdem erfahrenes Bauernopfer für die Geldübergabe sucht.
Ein wenig taperig, mit bösartigen Gedanken und entsprechend hämischen Worten vielleicht auch als "umständlich" oder "unbeholfen" beschrieben lässt sich auch die Schilderung dessen kennzeichnen. Ein bisschen weitläufig, elegisch, aber nicht resignierend, mehr sarkastisch als drastisch, mit eingeschleppten Redundanzen um den sonstig heißen Brei herum ist die Exkursion im verkleisternden Frühlingserwachen der beiden auch zum richtigen Zeitpunkt nicht wirklich hellwachen Gesetzeshüter schon. Ungewöhnlich an der ansonsten in weitgehend geregelten Bahnen ablaufenden Erzählung, die mehr das Privat- als das Berufsleben veröffentlicht ist, dass man zwar Lack und Putz, aber nicht die gefällig wohlfließende Seele dahinter verloren hat. Nach außen hin sieht man zuweilen unanschaulich todbleich, ausdruckslos blutarm, eben wie im hintersten Winkel der Vergangenheit vergessen und damit so gar nicht zu den möglichst vielfarbenen, meist mit dicken Buchstaben bedruckten Unterhaltungskollektiv passend aus. Von innen pocht aber das Blut, schlägt das Gemüt, die Psyche, der auch hochbetagt noch unsterbliche Wesensgehalt als Kunstgriff zur Überredung, die auch in der nichtssagend bunten Substanz der Zeit noch gegenwärtig ist. Denn abseits dessen, dass die grob zerriebene Handlungsführung fern optischer Attraktionen keinerlei Dramaturgie für bare Münze oder zumindest so ernst nimmt, dass man sich auf wichtige und zugleich dauerhafte Eindrücke beschränkt, straft sie durch überflüssig erscheinende Spontaneität, merkwürdige Teile der Ideenschöpfung und verdichteter Emotion jeder aufkommenden Stereotypie Lügen.
Das beste, nicht nur auffälligste Beispiel dafür ist die Eingangsszene, die mitsamt seinen Abstecher in das damals auf ebenfalls aktueller Hochzeit befindliche Horror-Genre nicht nur einen reichlich unerwarteten Einstieg bereiten, sondern sich trotz jedem Nichtsnutz durch seine Atmosphäre auch bis zuletzt einprägen kann. Das funktioniert in den noch folgenden ausweichenden Umwegen in einen anderen Ton bei Weitem nicht immer so gut und artet auch manchmal in eine unschickliche Zusammenhäufung oder vorübergehende Veranstaltung ohne Überzeugung und Bewunderung aus, bietet aber immerhin die nötige Abwechslung in den wechselnden Vorstellungen und Empfindungen und hebt die beiden entscheidenden, die solidarisch kooperativen Zentralfiguren samt sittlichem Charakter und reichen Kleinigkeiten auch wirklich in die Mitte des Bildes. Zwar fehlt das spannungsmaximierte Planspiel, die Wucht einer zerstörerischen Kraft, das akribische Ritual vieler Polizeifilme, das angezogene Tempo und der große Slambang im Abschluss [ auch wenn der finale resolute Shootout als einzig wirkliches Actionspektakelchen gar eine beflissene Spezialeinheit auffährt ], aber es ist ausnahmsweise nicht so wichtig, was an Vorkommnissen passiert – kleinere Geschehen um entlaufene Hunde, einen sich seine eigene Martial Arts Welt zusammen träumender Verrückter, eine erneute Suspendierung aufgrund von Befangenheit gegenüber den unrechtmäßig Beherbigten. Sondern mit Wem es passiert. Die handelnden Personen sind eben nicht mit dem Interesse der Handlung beschäftigt, und suchen sich so ihren eigenen Ausdruck.