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In einem Wald haust eine alte Dame mit ihren beiden derangierten Söhnen, stets auf der Suche nach frischer Beute für ihre derben Spielchen. Just in deren Gegend verschlägt es drei junge Frauen, die sich dort zu einer Art Klassentreffen ehemaliger Schulfreundinnen einfinden. Die Rahmenhandlung ist also übersichtlich, als Vorgeschichtchen werden die amerikanisch-dekadenten Charaktere in ihrer heimischen Gesellschaft etwas eingeführt, ernst zu nehmen ist schon dort kaum etwas. Überdreht wie eine Hinterwäldler-Slasher-Persiflage sieht der Kultstreifen von Charles Kaufmann zunächst aus, doch als die drei in die Gewalt der durchgeknallten Familie gelangen, schlägt der Humor in ausgewalzte Brutalität um. Diese Mischung aus schräger Comedy und explizitem Terror war damals ungewöhnlich, wenn nicht sogar neu, das Bild der fürsorglichen Mutter wird hier zudem gründlich auf den Kopf gestellt. Als Initiatorin von Mord und Vergewaltigung schlug die alte Dame mit ihren Sprösslingen auch der Zensur immer wieder auf den Magen, wenn die beiden Söhne genüsslich die Frauen foltern, als Bestandteil der etwas anderen Erziehung. Die "guten Jungs" wirken überzogener und das Gesamtbild ist trashiger als bei anderen Rape & Revenge-Streifen wie "Last House On The Left" beispielsweise, gleichzeitig geht es bei der Rache expliziter zur Sache als bei "Ich Spuck Auf Dein Grab", wobei man diesem B-Streifen stets sein geringes Budget anmerkt. Die Story jedoch funktioniert, mit nächtlichen Jagdszenen im Wald ebenso wie mit Geiselterror im abgelegenen Haus. So präsentiert sich "Muttertag" auch heute noch als zwar inhaltlich anspruchsloser, doch genauso kompromissloser Klassiker des Genres, bei dem das Lachen schon mal im Halse stecken bleiben kann. Den Blick, den Charles Kaufmann auf die angeknackste amerikanische Gesellschaft wirft, lädt amüsant zum Schmunzeln ein und macht die ansonsten dünne Story im Detail interessanter. Abgesehen vom Gewaltpotential der schmierigen Addley und Ike nämlich, bekleckert man sich zu beiden Seiten nicht gerade mit Redlichkeit oder einer Vorbildfunktion. Dem aufmerksamen Zuschauer wird durchaus einiges mehr geboten, als eine Hand voll Gewaltszenen, auf die dieser Streifen hierzulande durch die frühe Beschlagnahmung reduziert wurde. Ein Splatterfest erwartet den Gorehound hier nicht, dafür eine ausgesprochen derbe Horrorpersiflage mit dem ein oder anderen Augenzwinkern für Kenner des Genres.

Fazit: Berüchtigter Klassiker, der in keiner wohlsortierten Horrorsammlung fehlen sollte. Ganz schön garstiges Gemisch aus debiler B-Komödie und brutalem Terror. 8/10 Punkten

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