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Lloyd Kaufman und Michael Herz gründeten die umstrittene Independent-Schmiede Troma, welche sich auf höchst brutales und trashiges Entertainment konzentriert. Besonders "The Toxic Avenger" gilt als Aushängeschild, aber auch "Muttertag" setzte nach "Texas Chainsaw Massacre" ein Zeichen, tanzt aber in der Troma Filmographie ein wenig aus der Reihe. Die seit 1984 anhaltende Beschlagnahmung wegen Gewaltverherrlichung war für den hohen Bekanntheitsgrad auch noch ausschlaggebend. Für viele Genrefans ist "Muttertag" ein Kultfilm, Regie führte Charles Kaufmann (Mad Fighters, Zurück zur Natur), Bruder von Lloyd.

Schon in der Schulzeit waren Jackie (Deborah Luce), Trina (Tiana Pierce) und Abbey (Nancy Hendrickson) beste Freundinnen. Jedes Jahr trifft sich das Trio an einem Wochenende, diesmal geht es zum Camping an einen idyllischen See. Doch plötzlich tauchen zwei Wahnsinnige auf und verschleppen die Mädchen in ein großes Waldhaus. Zur Beslustigung ihrer Mutter (Beatrice Pons) beginnen die zurückgebliebenen Brüder Ike (Frederick Coffin) und Addley (Michael McCleery) die Mädchen grausam zu foltern. Als Jackie ihren Verletzungen erliegt, drehen Trina und Abbey den Spieß rum.

Was hier sofort übel aufstößt ist der Brachialhumor, mit welchem "Muttertag" zu sehr angereichert ist. Den Klischees entsprechend sind wir doofe Teenies und deren pubertäre Frotzeleien gewöhnt, doch hier beißt sich der Humor zu sehr mit dem ernsten Geschehen. Für Troma Verhältnisse ist das Ganze noch harmlos, tendiert aber schon in Richtung Trash. Gleich zu Beginn nimmt Mutter mit ihren vertrottelten Söhne sich zwei Hippies zur Brust, die sie zuvor auf einer Art Friedensseminar aufgegabelt hat. Danach stellt uns Kaufman die drei Mädels vor, welche man jedoch nur bedingt sympathisch findet. Besonders herrlich der kleine Einblick auf Trinas Party, wo die Hauptattraktion das Koks ist. Kurze Zeit später trifft man sich und fährt an einen See mitten im Wald. Unterwegs noch der Ladenbesitzer, welcher das Trio vor dem Deep Barons Wildpark warnt, bevor man am Wunschziel enkommt. Schließlich schwelgt man in alten Zeiten, bis Ike und Addley sehr plötzlich auftauchen und es ans Eingemachte geht. Leider kann man die Brüder einfach nicht ernst nehmen, die sich wegen jedem Quatsch gleich in den Haaren liegen und sich gegebenenfalls auch prügeln. Auf jeden Fall hat Mutter ihre Söhne in der Hand und zwischen den Folterungen haben Ike und Addley einen straffen Tagesplan, inklusive früh aufstehen und intensiver Morgengymnastik.

Doch bei all den unpassenden Momenten ist der Unterhaltungswert nie beeinträchtigt. "Muttertag" wird in der zweiten Halbzeit deutlich ernster und die sadistischen Spielchen nehmen ihren Lauf. Zur Belustigung ihrer Mutter quälen Ike und Addley ihre Opfer bei seltsamen Rollenspielen. Demütigung, schlagen und vergewaltigen steht dabei auf der Speisekarte. Erfreulicherweise hat der Film auch spannende Momente zu bieten, besonders als die Mädchen mit der schwer verletzten Jackie aus dem Haus fliehen, oder als Addley Trina durch die Wälder jagt. Neben den sadistischen Einlagen gibt es weitere Brutalitäten wie Kopf abhacken oder erdrosseln. Die finale Rache der zwei Mädels fällt auch nicht zahm aus, auch für heutige Verhältnisse ist "Muttertag" immer noch recht heftig. Die Kulisse hat Kaufman im Griff, ein abgelegenes Waldhaus, drum herum haben Ike und Addley viele Fallen aufgestellt. Der perfekte Ort für solch ein Geschehen, in manchen Szenen ist der Score aber eindeutig zu fröhlich. Über die Darsteller lässt sich streiten, die drei Frauen machen ihre Sache ordentlich, verhalten sich sogar recht realistisch. Aber Frederick Coffin (Hard to Kill, Mörderischer Vorsprung) und Michael McCleery (Joy Ride - Spritztour, Best Laid Plans), welche hier beide ein Pseudonym benutzen, kann man nicht ernst genug nehmen. Die unbekannte Beatrice Pons als sadistische Mutter macht ihre Sache gut.

Für das Genre Rape´n Revenge sicherlich ein Wegweiser, aber "Muttertag" ist einfach nicht ernst genug. Dennoch hat auch dieses Werk seine spannenden Sequenzen, nebst einiger Brutalitäten und unterhält auf seine Weise lückenlos. Den Titel "Kultfilm" hat er in meinen Augen jedoch nicht verdient.

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